Weltweit nach Erträgen suchen

27.11.2018

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Nick Maroutsos, Co-Head of Global Bonds, erklärt, warum die Zinsen in den USA, deren Zentralbank eigentlich für ihre lockere Geldpolitik bekannt ist, länger hoch bleiben dürften. Er rät Anleiheinvestoren, entsprechend zu reagieren und möglichst weltweit nach den attraktivsten risikobereinigten Ertragschancen zu suchen.


Welche zentralen Themen werden die Märkte 2019 vermutlich maßgeblich beeinflussen?

Das wichtigste Thema hat mit der Frage zu tun, ob die US-Notenbank Fed die Zinsen wie erwartet anheben wird. Vieles von dem, was an den Rentenmärkten und in der Wirtschaft geschieht, wird von den Maßnahmen der Fed beeinflusst. Während einige mit einer noch aggressiveren Politik der amerikanischen Zentralbank rechnen, glauben wir, dass sie – wie schon oft in ihrer Geschichte – eher zurückhaltend agieren wird. Die Gefahr eines eskalierenden Handelskriegs und die Aussicht auf eine globale Wachstumsabkühlung sind zwei Faktoren, die eine Unterbrechung im Straffungszyklus erforderlich machen könnten. Ein zweites Thema könnte sein, dass uns höhere Zinsen eine Weile begleiten werden. Die Kursschwankungen an den Aktienmärkten im Herbst hatten keinen wesentlichen Rückgang der Anleiherenditen bzw. Anstieg der Anleihekurse zur Folge. Zwar liegen die Zinsen nach wie vor unter den historischen Niveaus, aber mit höheren Zinsen könnte der Druck auf Gewinne und Wirtschaftswachstum zunehmen. Dagegen dürfte die kaum vorhandene Inflation den Renditeanstieg bei langlaufenden Anleihen im Zaum halten und für eine sich abflachende Renditekurve sorgen. Eine flachere oder gar invertierte Kurve bedeutet aber nicht zwangsläufig eine Rezession, was nicht zuletzt an den niedrigeren Laufzeitprämien liegt.


Wo sehen Sie die größten Anlagechancen und -risiken in Ihrer Anlageklasse?

Wir suchen außerhalb der USA nach den attraktivsten Anlagechancen vor allem in Volkswirtschaften mit nachlassendem Wachstum, in denen die Zentralbanken die Zinsen vermutlich entweder konstant halten oder senken werden. Australien und Neuseeland sind dafür zwei gute Beispiele. Da die Fed den Zentralbanken anderer Industrieländer ein paar Schritte voraus ist, scheint ein Engagement bei US-Anleihen mit sehr langen Laufzeiten riskant. Anleiheninvestoren neigen dazu, in ihrer Komfortzone zu bleiben. Aber wir leben in einer vernetzten Welt, in der Anleger attraktive, währungsgesicherte Renditen erzielen können, wenn sie weltweit nach den besten Anlagechancen Ausschau halten. Beim Blick auf Unternehmensanleihen sind Anleihen staatsnaher Emittenten oder solche aus strukturell begünstigten Branchen wie Banken und Infrastruktur, in denen die Gesetzeslage oft hohe Eintrittsbarrieren schafft, attraktive Ertragsquellen. Das größte Risiko für die Märkte wäre ein Zusammenspiel aus einer aggressiveren Fed-Politik und einer Ausweitung der Credit Spreads. Eine unerwartete Inflationsbeschleunigung, Handelskonflikte, die die Margen schmälern, und ein längerer Kreditzyklus sind Faktoren, die ein solches Szenario begünstigen könnten.


Wie haben die Erfahrungen in diesem Jahr Ihre Herangehensweise oder Ihren Ausblick für 2019 verändert?

Seit über einem Jahrzehnt investieren wir mit dem Ziel einer absoluten Rendite und einem starken Fokus auf möglichst geringen Schwankungen, um so den Drawdown, also den maximalen Verlust vom Höchststand, zu minimieren und kontinuierlich Erträge zu generieren. In den letzten Jahren haben andere Fondsanbieter aggressivere Anlageansätze gewählt, um auch weiterhin die Renditen, an die sie sich gewöhnt haben, zu erzielen. Häufig beinhaltete das ein Hebeln des Portfolios über Kreditaufnahmen oder verstärkte Engagements bei bonitätsschwächeren Anleihen. Das Jahr 2018 hat uns daran erinnert, dass sich die Jagd nach Rendite um jeden Preis nicht auszahlt. Steigende Zinsen und die Rückkehr zu einer normaleren Volatilität sind eine fatale Kombination für gehebelte Strategien. Auch ein unerwartet schneller Inflationsanstieg und eine entsprechende Reaktion der Fed könnten eine Marktkorrektur auslösen. Angesichts des global divergierenden Ausblicks für die Geldpolitik und den Konjunkturzyklus hat uns das vergangene Jahr auch gezeigt, dass Rentenanleger durch eine umsichtige Erweiterung ihres Chancenuniversums auch weiterhin ihre Renditeziele erreichen können, ohne auf die riskantesten Anlageinstrumente setzen zu müssen.



Welche Themen könnten die Märkte 2019 in eine neue Richtung lenken? Antworten liefert unsere Infografik zum Herunterladen



Glossar

Volatilität: Ausmaß der positiven wie negativen Wertschwankungen eines Portfolios, Wertpapiers oder Index. Bei starken Schwankungen in beide Richtungen spricht man von hoher Volatilität. Sind die Schwankungen langsamer und weniger stark ausgeprägt, spricht man von geringerer Volatilität. Die Volatilität dient als Maß für das Risiko, das mit einer Anlage verbunden ist.

Abflachende Renditekurve: Wenn die langfristigen Zinsen stärker fallen als die kurzfristigen oder die kurzfristigen Zinsen stärker steigen als die langfristigen, flacht sich die Renditekurve ab. Eine flache Renditekurve ist häufig ein Indiz dafür, dass Anlegern der makroökonomische Ausblick Sorgen bereitet.

Laufzeitprämie: Bonus, den Anleger für das zusätzliche Risiko von Anleihen mit längeren Laufzeiten erhalten.

Hedged basis: Using methods to minimise or eliminate unwanted foreign exchange risk.

Währungsgesichert: Schutz vor Anlagerisiken z.B. durch den Kauf desselben Anlageinstruments in verschiedenen Währungen, um so Währungsrisiken zu vermeiden.

Staatsnah: Staatliche Finanzagenturen oder supranationale Finanzinstitute sind Beispiele für staatsnahe Emittenten.

Credit Spread: Renditeabstand zwischen Unternehmensanleihen und vergleichbaren Staatsanleihen.

Kreditzyklus: Phase mit mal leichtem, mal erschwertem Zugang zu Krediten. In der Spätphase eines Kreditzyklus sind Kredite häufig leicht und reichlich verfügbar.

Absolute Rendite: absolute Rendite eines Portfolios im Gegensatz zur relativen Rendite gegenüber einer Benchmark. Sie wird als prozentualer Gewinn oder Verlust bezogen auf den Gesamtwert des Portfolios angegeben.

Drawdown/Maximaler Verlust: Differenz zwischen dem höchsten und dem niedrigsten Wert eines Portfolios oder Wertpapiers in einem bestimmten Zeitraum.




Die vorstehenden Einschätzungen sind die des Autors zum Zeitpunkt der Veröffentlichung und können von denen anderer Personen/Teams bei Janus Henderson Investors abweichen. Die Bezugnahme auf einzelne Wertpapiere, Fonds, Sektoren oder Indizes in diesem Artikel stellt weder ein Angebot oder eine Aufforderung zu deren Erwerb oder Verkauf dar, noch ist sie Teil eines solchen Angebots oder einer solchen Aufforderung.

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