Schwellenländeraktien: Reisenotizen aus Indien

20.08.2018

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Bei seiner Reise durch Indien, Sri Lanka und den Nahen Osten machte das Janus Henderson Global Emerging Market Equities Team kürzlich auch in Mumbai Station. Welche zentralen Erkenntnisse das Team dabei gewonnen hat sowie die Einblicke in Risiken und Chancen erläutert Portfoliomanager Stephen Deane.

Mumbai, Quelle: iStock

Im Rahmen einer Reise durch Indien, Sri Lanka und den Nahen Osten machte das Team kürzlich auch Station in Mumbai, der laut den Vereinten Nationen nach Neu-Delhi zweitgrößten Stadt Indiens. Die Metropole hat sich zu einem wichtigen Finanzplatz des Landes entwickelt und war Gastgeber einer von der indischen Bank Kotak Mahindra veranstalteten Konferenz. Das Geldhaus wurde 1985 als Finanzgesellschaft gegründet und 2003 in eine Bank umgewandelt. Seit ihrer Gründung wird sie vom namensgebenden Uday Kotak geführt.

Vertrauen ist von zentraler Bedeutung

In einer Rede zur Begrüßung der Konferenzteilnehmer sprach der Bankchef über die Entwicklung der Investmentfondsbranche. Dabei betonte er, wie wichtig es sei, dass Finanzdienstleister das Vertrauen der Menschen gewinnen, von denen viele zum ersten Mal ihr Geld an den Märkten anlegen. Für uns als Anleger im Bankensektor ist Vertrauen von zentraler Bedeutung beim Versuch, die Finanzdienstleistungsbranche zu verstehen. Denn über viele Jahre aufgebautes Vertrauen kann im Nu zerstört werden, wie die Industrieländer 2008 feststellen mussten.

Eine Regulierung der Branche ist zwar nötig, um die „animalischen Instinkte“ im Zaum zu halten. Aber gesetzliche Regelungen für alle Eventualitäten sind wohl ein Ding der Unmöglichkeit. In einem Wirtschaftszweig, in dem erhebliche Summen dafür gezahlt werden, neue Finanzprodukte aus dem Nichts zu zaubern, hinken die Regulierer den jüngsten Innovationen immer einen Schritt hinterher.

In vielen Industriezweigen sind Innovationen unseres Erachtens der Schlüssel zum Erfolg. Aber bei Finanzprodukten machen sie uns tendenziell nervös. In diesem Bereich haben sich die von den Kunden benötigten Kerndienstleistungen seit dem Aufkommen des modernen Bankwesens in Italien im zwölften Jahrhundert nicht wesentlich verändert. Der Siegeszug von Computern hat jedoch dazu geführt, dass allein die Fantasie der Nutzer und die Toleranz von Compliance-Abteilungen der Schaffung neuer Finanzprodukte Grenzen setzen. Das erklärt auch, warum es inzwischen weltweit mehr Indizes als Aktien gibt, die sie vermeintlich repräsentieren.

Warum kompliziert, wenn‘s auch einfach geht​

Ganz anders ist der von der Housing Development Finance Corporation (HDFC) verfolgte Ansatz. Der indische Finanzkonzern wurde 1977 gegründet und leistete Pionierarbeit in der Wohnungsbaufinanzierung im Land. Auf unsere Frage, was sich mit dem Aufkommen von Computern an der Art und Weise, wie sie Kredite gewähren, geändert habe, bekamen wir die beruhigende Antwort: „Nichts.“ Das Kreditgeschäft ist an sich nicht weiter schwierig: Allein kurzfristige Anreize, um mit Wettbewerbern Schritt zu halten, sorgen immer wieder für Auf- und Abschwungphasen. HDFC ist komplexer geworden, aber sein konservativer Ansatz in der Kreditvergabe ist gleich geblieben.

Ein weiteres gutes Beispiel für diese Art von Mentalität liefert die City Union Bank in Tamil Nadu, die 1904 gegründet wurde. Ungewöhnlich an dieser Bank ist, dass sie seit drei Generationen von Mitgliedern derselben Familie geführt wird, die jedoch nicht Eigentümerin der Bank ist. Bei unserem Treffen mit Entscheidern von City Union listeten diese vieles auf, was die Bank nicht gemacht hat - eine ganz andere Erfahrung als bei Treffen mit anderen Finanzdienstleistern, bei denen das rasante Wachstum des Unternehmens das einzige Thema war.

Geben Politiker auch gute Banker ab?

Quelle: iStock

Anders als in vielen anderen Teilen der Welt hat Indien seit der Liberalisierung seiner Bankengesetze in den 1990er Jahren keine veritable Bankenkrise mit einem Sturm auf die Geldhäuser erlebt. Zum Teil hat dies wohl mit dem Fehlen eines Insolvenzgesetzes zu tun, weshalb man die Probleme über Jahre vor sich herschob. Die jüngsten Bestrebungen zur Einführung eines Konkursverfahrens zwingen viele Banken nun, die ungelösten Probleme der Vergangenheit anzugehen. Bewusst haben wir uns gegen ein Engagement bei staatlichen Banken entschieden. Denn immer wieder mussten wir feststellen, dass Politiker eigene Ziele verfolgen, die nicht zwingend zu vernünftigen Kreditentscheidungen führen. Deshalb ächzen die Staatsbanken in Indien heute unter einem überproportional hohen Anteil an faulen Krediten.

Von einigen Veränderungen unter Indiens Premierminister Narendra Modi hat der Bankensektor enorm profitiert. Mit den Bestimmungen zur finanziellen Inklusion wurde ein Teil der informellen Wirtschaft aus ihrem Schattendasein geholt. Die meisten Unternehmen, die wir auf unserer Reise trafen, erwähnten die Demonetisierung, mit der die Regierung große Geldscheine ohne lange Vorwarnung wertlos stellte, um den bargeldlosen Zahlungsverkehr über Banken zu fördern.

Zusammen mit fallenden Zinsen sorgten die wachsenden Ersparnisse im Land für ein rasantes Wachstum bei Investmentfonds. Dies hat einer Rally Vorschub geleistet, die bedauerlicherweise viele von uns favorisierte Unternehmen zum jetzigen Zeitpunkt zu teuer werden lässt, da wir davon ausgehen, dass die künftigen Renditen unter unseren Vorgaben für dieses Portfolio liegen werden.​

Indische Konsumgüterwerte sind zu teuer

Als Team mögen wir tendenziell Verbrauchsgüterunternehmen, die Dinge verkaufen, die die Menschen täglich brauchen oder benutzen, wie Shampoo, Zahnpasta, Haaröl oder Brot. Diese Unternehmen verfügen über echte Preissetzungsmacht, was nichts anderes bedeutet, als dass ein Produkt seinen Preis trotz Inflation behaupten kann. In Indien nagt die Inflation häufig an den Renditen, die wir uns als Aktionäre erhoffen. Wir tun uns jedoch schwer, den Preis zu bezahlen, den der Markt für diese Unternehmen verlangt. Denn der preist aus unserer Sicht perfekte Ergebnisse in einem nicht perfekten Umfeld ein. Wir haben stattdessen attraktiver bewertete Alternativen in Afrika gefunden, insbesondere in Südafrika und Nigeria.

Disruption durch das Internet​

Quelle: iStock

Eine Bedrohung, der sich alle unsere Konsumgüterfirmen gegenübersehen, ist die rasante Verbreitung des Internets. Viel wurde darüber diskutiert, ob die mit ihm verbundene unbegrenzte Verkaufsfläche die Vormachtstellung etablierter Marken bedroht. Auch in Indien ist der E-Commerce auf dem Vormarsch. Und angesichts der fehlenden Durchdringung des formellen Einzelhandels ist es durchaus möglich, dass sich die großen Supermärkte, die in den entwickelten Märkten überall anzutreffen sind, auf dem indischen Subkontinent nicht in der gleichen Weise entwickeln werden. Hindustan Unilever beispielsweise nutzt sein starkes Vertriebsnetz, um die Kirana-Läden, also kleine unabhängige Geschäfte, online zu bringen und so einen Vertriebskanal zu schaffen, der die Geschäftsmodelle der etablierten Anbieter auf den Kopf stellen könnte.

Damit etablierte Unternehmen die Möglichkeiten der digitalen Vertriebskanäle nutzen können, müssen sie erhebliche Änderungen an ihren IT-Plattformen vornehmen, die ursprünglich nicht für diesen Zweck gedacht waren. Die dazu erforderlichen Dienstleistungen bieten IT-Unternehmen wie Tata Consultancy Services (TCS), Cognizant und Infosys. Sie erfüllen damit eine ähnliche Aufgabe wie die Unternehmen, die zu Zeiten des Goldrauschs in Kalifornien in den 1850er Jahren Goldgräber mit Spitzhacken und Schaufeln versorgten. Bei vielen Geschäftsmodellen sind wir skeptisch, ob sie Renditen erwirtschaften werden. Aber diejenigen, die ihnen die dazu benötigten Werkzeuge zur Verfügung stellen, können auf jeden Fall florieren.

Governance, übereinstimmende Interessenlage und Handelsdisziplin

Unsere Reise hat uns einmal mehr die Bedeutung einer Philosophie vor Auge geführt, die auf Unternehmen mit starker Corporate Governance und Eigentümern setzt, deren Interessen mit den unsrigen als Minderheitsaktionär übereinstimmen. Zweifellos wird es wieder Zeiten geben, in denen sich die Weisheit der Herde im Nachhinein als gar nicht so weise herausstellt. Und genau deshalb ist eine solche Anlagephilosophie aus unserer Sicht so wichtig. Es gibt zwei sichere Arten, Geld zu verlieren: Aktien schlechter Unternehmen zu kaufen oder für ein gutes Unternehmen einen zu hohen Preis zu zahlen. Fehler dieser Art macht man in Zeiten mit überschäumendem Optimismus schneller. Wir glauben, dass es in Indien eine Fülle guter Anlagemöglichkeiten gibt. Der Weg zum Anlageerfolg führt jedoch über Höhen und Tiefen. Letztere eröffnen dem geduldigen Anleger Chancen für Käufe, wenn andere weniger optimistisch in die Zukunft blicken.​

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besondere Risiken

  • Aktien können schnell an Wert verlieren und beinhalten in der Regel höhere Risiken als Anleihen oder Geldmarktinstrumente. Daher kann der Wert Ihrer Investition steigen oder fallen.
  • Der Fonds sollte ausschließlich als eine von mehreren Komponenten eines diversifizierten Anlageportfolios genutzt werden. Anleger sollten den Anteil ihres in diesen Fonds investierten Portfolios sorgfältig prüfen.
  • Der Fonds könnte Geld verlieren, wenn eine Gegenpartei, mit der er Handel treibt, ihren Zahlungsverpflichtungen gegenüber dem Fonds nicht nachkommen kann oder will.
  • Schwellenmärkte sind weniger etabliert und anfälliger für politische Ereignisse als entwickelte Märkte. Dies kann eine höhere Volatilität und ein größeres Verlustrisiko für den Fonds bedeuten als die Anlage in besser entwickelte Märkte.
  • Änderungen der Wechselkurse können den Wert Ihrer Investition sowie alle Erträge daraus steigen oder fallen lassen.
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  • Die Bewertung eines Wertpapiers oder seine Veräußerung gewünschten Zeitpunkt und Preis kann sich als schwierig erweisen, wodurch das Risiko von Anlageverlusten steigt.

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