Festverzinsliche Anlagen: An das Leben nach den rekordhohen Stimulusmaßnahmen anpassen

27.11.2018

Download


Jim Cielinski, Global Head of Fixed Income und Head of Corporate Credit, sieht 2019 als ein Jahr, in dem Anleger vor allem damit beschäftigt sein werden, mit dem Ende der ultralockeren Geldpolitik zurechtzukommen.


Welche zentralen Themen werden die Märkte 2019 vermutlich maßgeblich beeinflussen?

Zu den wichtigsten Themen in diesem Jahr gehörten die sich vom Rest der Welt abkoppelnde US-Wirtschaft und die Fixierung auf steigende Zinsen. Die straffere Geldpolitik in den USA geriet auf Kollisionskurs mit der gelockerten Fiskalpolitik der Regierung Trump. Anleiherenditen und Dollar bewegten sich nach oben und gruben damit bis dato lukrativen Carry Trades das Wasser ab. Schonungslos legten sie die Fragilität der Schwellenländer offen. Im nächsten Jahr wird sich der Fokus darauf verlagern, wie das Leben nach den rekordhohen Stimulusmaßnahmen weitergeht. Denn die Geldpolitik wird restriktiver, und die Schützenhilfe seitens der Fiskalpolitik lässt nach. Höhere Schwankungen dürften die Märkte daher auch künftig begleiten. Im nächsten Jahr werden die Gedanken der Marktteilnehmer wohl um die Frage kreisen, ob sich die Konjunktur zu schnell oder zu langsam abschwächt und ob ein langsameres Tempo den Zyklus verlängern wird. Die Politik wird vermutlich eine übergroße Rolle spielen.

Auswirkungen auf das reale BIP-Wachstum in den USA, über drei Quartale gleitender Durchschnitt, in %

Quelle: Goldman Sachs, Stand: Oktober 2018. Unter der Annahme eines per Oktober 2018 gleichbleibenden Stands beim Goldman Sachs Financial Conditions Index.


Wo sehen Sie die größten Anlagechancen und -risiken in Ihrer Anlageklasse?

Europäische Risikoanlagen sind interessant: Lässt man das Haushaltsdebakel Italiens außen vor, sind Unternehmensanleihen aus der Eurozone attraktiv. Die Unternehmen arbeiten weiter daran, ihre Schuldenlast zu verringern, und ihre Cashflows bleiben stabil. Im nächsten Jahr sollte die Politik der Europäischen Zentralbank relativ entgegenkommend bleiben: Vor dem Spätjahr ist nicht mit höheren Zinsen zu rechnen.

Bei Schwellenländeranleihen dürfte es darum gehen, angesichts der ausgeprägten Unterschiede die Spreu vom Weizen zu trennen. Die Bewertungen haben sich verbessert, und die kräftig gesunkenen Lokalwährungen sollten helfen, Bedenken mit Blick auf die Leistungsbilanzen zu zerstreuen. Wenn die Wirtschaft weltweit auf Wachstumskurs bleibt, erwarten wir eine Erholung in einigen besonders gebeutelten Märkte.

Risiken sind reichlich vorhanden, wie zum Ende eines Konjunkturzyklus häufig der Fall. Eine Fehlentscheidung der US-Notenbank liegt im Bereich des Möglichen. Fiskalische Stimulusmaßnahmen erschweren es den Entscheidern in der Zentralbank, die Folgen ihrer mit Verzögerung wirkenden Zinserhöhungen abzuschätzen. Zugleich hält die niedrige Inflation an. Europa bleibt eine Quelle politischer Risiken, insbesondere in Italien und rund um den Brexit. Mit der Polarisierung der politischen Landschaft könnte der klassische „Eurobrei“ noch schwerer verdaulich sein.


Wie haben die Erfahrungen in diesem Jahr Ihre Herangehensweise oder Ihren Ausblick für 2019 verändert?

In diesem Jahr waren die Märkte auf Ereignisse, Schlagzeilen und Tweets fixiert. Das erinnert mich daran, wie wichtig es für Marktteilnehmer ist zu entscheiden, ob sie Händler oder Anleger sind. Beides ist schwerlich möglich. Erfolgreich werden jene Anleger sein, denen es gelingt, das wirklich Wichtige aus dem kurzzeitigen Lärm herauszufiltern und sich nicht zu Überreaktionen hinreißen zu lassen.

Anleger sollten das Unerwartete erwarten. Das weltweit synchrone Wachstum wird der Vergangenheit angehören, und die Unterschiede werden zunehmen. Die Entwicklungen in der Türkei und in Italien oder der Handelskrieg können gut oder schlecht ausgehen. Etwas dazwischen wird es wohl kaum geben. Darauf könnten die Korrelationen innerhalb und zwischen den Märkten anders als erwartet reagieren.

Weltweit war 2018 aus meiner Sicht das erste Jahr mit weniger aufregenden Anlageerträgen. Anleger werden künftig noch mehr Steine umdrehen müssen, um gute risikobereinigte Renditen und Anlageprodukte zu finden, die auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten sind.



Welche Themen könnten die Märkte 2019 in eine neue Richtung lenken? Antworten liefert unsere Infografik zum Herunterladen




Die vorstehenden Einschätzungen sind die des Autors zum Zeitpunkt der Veröffentlichung und können von denen anderer Personen/Teams bei Janus Henderson Investors abweichen. Die Bezugnahme auf einzelne Wertpapiere, Fonds, Sektoren oder Indizes in diesem Artikel stellt weder ein Angebot oder eine Aufforderung zu deren Erwerb oder Verkauf dar, noch ist sie Teil eines solchen Angebots oder einer solchen Aufforderung.

Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein zuverlässiger Indikator für die künftige Wertentwicklung. Alle Performance-Angaben beinhalten Erträge und Kapitalgewinne bzw. -verluste, aber keine wiederkehrenden Gebühren oder sonstigen Ausgaben des Fonds.

Der Wert einer Anlage und die Einkünfte aus ihr können steigen oder fallen. Es kann daher sein, dass Sie nicht die gesamte investierte Summe zurückerhalten.

Die Informationen in diesem Artikel stellen keine Anlageberatung dar.

Zu Werbezwecken.

Teilen

Wichtige Botschaft