Libra - Hype vs. Realität

25.06.2019

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Alison Porter, Portfoliomanagerin des im Vereinigten Königreichs ansässigen Global Technology Teams, diskutiert Facebooks' Vordringen in den digitalen Zahlungsverkehr über die Kryptowährung Libra und was das für andere Digitalwährungen sowie für Anleger bedeutet.

Facebook will mit einer eigenen Währung, Libra genannt, 2020 an den Start gehen, um, so das Unternehmen, eine einfache globale Währungs- und Finanzinfrastruktur für Milliarden Menschen zu schaffen. Als Kunden ins Visier nimmt die Kunstwährung zunächst die 1,7 Milliarden Menschen weltweit, die nach Schätzungen des sozialen Netzwerks keinen Zugang zu Bankdienstleistungen haben und vornehmlich in Schwellenländern leben. Die Vision ist die Schaffung eines „Internets des Geldes“, in dem der Geldtransfer so einfach ist wie das Versenden einer Textnachricht. Libra soll die weltweit erste Kryptowährung für alle werden. Allerdings befindet sich das Projekt noch in einer sehr frühen Phase und seine Entwicklung bleibt ungewiss.

Trotz des Hypes um Bitcoin in den letzten Jahren und einer Reihe von Betrügereien rund um Digitalwährungen haben weder der amerikanische Kongress, noch die Börsenaufsicht, die Notenbank und andere Aufsichtsbehörden des Landes bisher Instrumente zur Regulierung oder wirksamen Aufsicht über Kryptowährungen entwickelt, geschweige denn umgesetzt. Die Schaffung von Libra wird nach unserer Einschätzung die ersten Schritte zur Einrichtung eines Rahmens beschleunigen, der den Einsatz der Blockchain-Technologie langfristig legitimieren und demokratisieren wird.

Die Libra Association – eine Partnerorganisation
Die Libra Association (LA) ist ein unabhängiges, gemeinnütziges Unternehmen, das seinen Sitz in Genf haben soll. Offenbar ist die LA eine der am weitesten fortgeschrittenen Bemühungen eines Tech-Unternehmens, in den Kryptomarkt vorzudringen, indem sie eine Währung schafft, die überall auf der Welt für Geldüberweisungen, E-Commerce und Zahlungen genutzt werden kann. Derzeit haben sich 27 Partner in der LA zusammengeschlossen, die bis zum Start der Digitaldevise 2020 auf weitere Mitglieder hofft.​
Hauptziele der Libra Association sind:
  • Bereitstellung eines Instruments, das den Zugang zu Finanzdienstleistungen und günstigem Kapital eröffnet
  • Schaffung eines günstigen, globalen, offenen und schnellen Geldtransfers
  • Entwicklung einer zuverlässigen und dezentralen Steuerung

Zu den Partnern gehören große Zahlungsabwickler wie MasterCard, Visa und PayPal, aber auch internationale E-Commerce-Anbieter wie unter anderem Spotify, eBay, Vodafone und Booking.com. Jeder Partner verwaltet jeweils einen Knoten im Libra-Netzwerk, wodurch eine breitere Steuerung und Verarbeitung ermöglicht wird. Diese Partnerschaften versetzen LA in die Lage zu arbeiten, Vertrauen aufzubauen, die Digital-Coins zu verbreiten und zu monetisieren (mit Werbung als potenzieller Einnahmequelle) und letztlich auch die Möglichkeit, die Währung auszugeben. Eine Mitgliedschaft im illustren Libra-Association-Club kostet mindestens 10 Millionen Dollar, was helfen soll, die Währung zu decken und damit stabil zu machen.Wichtig ist, dass Facebook keine Stimmrechtskontrolle in der Libra Association hat, da die Partner gemeinsam die Kunstwährung entwickeln werden.

Calibra - eine neue Facebook-Tochtergesellschaft
Calibra ist die digitale Brieftasche für Libra und wird über den FB Messenger, WhatsApp und eine eigene App verfügbar sein. Entscheidend ist, dass sie als unabhängige, regulierte Tochtergesellschaft gegründet wurde, um eine Trennung von Sozial- und Finanzdaten zu gewährleisten.

Calibra soll Finanzdienstleistungen anbieten, über die die Menschen Zugang zum Libra-Netzwerk erhalten und sich daran beteiligen können, einschließlich der mit Bankdienstleistungen unterversorgten Teile der Gesellschaft. Durch die Bereitstellung von Diensten für eine breitere Internet-Gemeinde hofft man, dass kleinere Unternehmen auf der Plattform mehr E-Commerce Umsätze generieren und die Werbeumsätze steigen. Andere Partner der Libra Association können ebenfalls eigene digitale Geldbörsen für Libra anbieten, sodass Facebook in diesen Apps möglicherweise für Werbung bezahlen muss.


 Quelle: Getty Images
 
Libra ist nicht mit Bitcoin zu vergleichen
Seit ihrer Einführung ist die Erfolgsbilanz der Kryptowährungen durchwachsen, die extremen Schwankungen unterliegen. Ihr Netzwerkeffekt für die Nutzer hielt sich bislang in Grenzen.Dank der Unterstützung von Facebook – höchstwahrscheinlich zuerst über dessen WhatsApp- und Messenger-Dienste – unterscheidet sich Libra durch seine Netzwerkeffekte von Digitalwährungen wie Bitcoin und Ethereum in vier zentralen Bereichen:
 
  • Größe: geeignet für Milliarden von Konten mit hohen Transaktionsvolumina, geringen Latenzzeiten (nahezu Echtzeit-Zugriff), effizientem großen Speichersystem (sofort auf der Facebook-Plattform skalierbar), was ein globales Publikum mit einer offenen Blockchain anspricht.
  • Stabilität: Heftige Schwankungen sind einer der Hauptkritikpunkte an Bitcoin. Der Libra-Coin dürfte eine stabile Währung werden, abgesichert durch Vermögenswerte wie Bankeinlagen und erstklassige Staatsanleihen, die der Währung einen inneren Wert verleihen und von der unabhängigen Libra Association verwaltet werden. Stabilität ist unverzichtbar, damit die Währung langfristig für Transaktionen nutzbar ist.
  • Sicherheit: für Kapital sowie finanzielle und persönliche Daten.Das Protokoll wird eine gemeinsame Infrastruktur für die Verarbeitung von Transaktionen, die Führung von Konten und die Gewährleistung der Interoperabilität zwischen den Service-Anbietern und Organisationen schaffen. Das senkt die Eintrittsbarrieren sowie Wechselkosten und ermöglicht die Erprobung neuartiger Geschäftsmodelle und Finanzanwendungen.Kein einzelner Partner der Libra Association verfügt über die Kontrolle über das gesamte System.
  • Flexibilität: stärkt das Ökosystem und fördert künftige Finanzinnovationen. Libra wird die neue Programmiersprache „Move“ nutzen, mit der das Schreiben von Programmen einfacher und das Risiko von Fehlern und Sicherheitslücken gemindert wird. So soll das Klonen von Vermögenswerten verhindert werden.

Was bedeutet das für Anlagen in Facebook-Wertpapiere?
Unseres Erachtens wird Libra auf kurze Sicht die Situation für Anlagen in Facebook nicht grundlegend ändern, da die Details zu Monetisierung, Regulierung und Wettbewerb bislang noch recht vage sind. So hat Facebook zum Beispiel WhatsApp schon 2014 übernommen, das ihm aber erst jetzt langsam Geld einbringt. Anleger sollten daher bedenken, dass Libra eine langfristige Anlagechance und kein wesentlicher kurzfristiger Gewinntreiber ist.

Wir glauben jedoch, dass die Gründung der Libra Association Facebook mit der Zeit in eine breitere Plattform umwandeln und verschiedene Werbemodelle für das Internet schaffen kann. Als ein Plattformunternehmen betrachtet zu werden, hätte letztlich eine höhere Bewertung von Facebook zur Folge.

Fazit
Facebook wird mit seinem Libra-Coin zu mehr Stabilität und Standardisierung von Kryptowährungen beitragen, woraus sich spezifischere Anwendungen ergeben werden. Regulierung und Aufsicht ist notwendig, um Digitalwährungen auf die nächste Stufe zu heben. Wird Libra für Kryptowährungen das sein, was AOL für das Internet war oder was IOs (Internet-Betriebssysteme) und Apps für Smartphones waren?

Für uns ist das Fehlen von Google und Amazon auf der Partnerliste von Libra bemerkenswert. Es bleibt abzuwarten, ob sich die beiden Internetgiganten an eigenen Digitaldevisen versuchen oder doch noch der Libra Association anschließen. Bleiben Sie dran!


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