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A step closer to a digital future

Denny Fish

Denny Fish

Portfoliomanager | Research-Analyst


6. Jan 2021

Die breite Akzeptanz digitaler Lösungen während der Lockdowns im Jahr 2020 dürfte kein vorübergehendes Phänomen bleiben, denn Unternehmen wie Haushalte setzen sich weiter mit technologiebasierten Themen auseinander, die die Weltwirtschaft neu prägen, sagt Portfoliomanager Denny Fish.

Zentrale Erkenntnisse:

  • Nachdem die Unternehmen auf die COVID-19-Pandemie mit einem Ausbau ihrer digitalen Kapazitäten reagiert haben, ergreifen sie nun proaktiv die Initiative und integrieren Technologie in ihre gesamten Geschäftsmodelle.
  • Während cloudbasierte Anwendungen den Unternehmen halfen, auf Heimarbeit umzustellen, brachte das Streben von Unternehmen und Verbrauchern nach Kosteneinsparungen und Effizienz auch andere langfristige Themen wie künstliche Intelligenz, Internet der Dinge und 5G-Konnektivität voran.
  • Das vor uns liegende Jahr scheint günstige Voraussetzungen sowohl für langfristige Wachstumsaktien als auch für die Aktien von eher zyklisch ausgerichteten Unternehmen zu bieten, wenn die Weltwirtschaft wieder hochfährt. In beiden Kategorien stellt sich aber die Frage, was in den Bewertungen bereits eingepreist ist.

Noch vor einem Jahr, als erste Berichte vom Ausbruch eines neuartigen Coronavirus in Asien auftauchten, hätten nur wenige die Dauer und das Ausmaß des wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Umbruchs vorhergesagt, den die Pandemie auslösen würde. Trotz allem, was geschehen ist, glauben wir, dass die Technologie-Megathemen, welche die Weltwirtschaft in eine digitale Zukunft führen, nicht nur intakt geblieben sind, sondern in einigen Fällen sogar an Fahrt aufgenommen haben.

Überlegenheit der Cloud

So wie Wolken die nötige Feuchtigkeit bringen können, damit Ökosysteme gedeihen, ermöglicht die digitale Cloud das Gedeihen anderer transformativer Technologien. Die Effizienzgewinne im Hinblick auf Skalierbarkeit und Analysemöglichkeiten, die der Übergang zum Cloud Computing mit sich gebracht hat, bilden eine enorme Triebkraft für künstliche Intelligenz (KI), das Internet der Dinge (IoT) und, seit Kurzem, für den Roll-out der 5G-Konnektivität.

Jedes dieser langfristigen Themen wird im Laufe der Jahre zum Tragen kommen, 2020 jedoch wurde die Cloud auf die Probe gestellt. Als ganze Gesellschaften in den Lockdown gingen, mussten die Unternehmen Wege finden, ihre Kunden bei der Stange und ihren Back-Office-Betrieb am Laufen zu halten. In dieser ersten „reaktiven“ Phase zogen die Unternehmen in einen Echtzeitkrieg, um herauszufinden, wie sie mithilfe der Cloud in einer Home-Office-Umgebung ihre Geschäfte weiter betreiben konnten. Diejenigen, die diesbezüglich noch hinterherhinkten, beeilten sich nun, cloudbasierte Anwendungen einzuführen, während viele andere, die noch kaum oder gar keine digitale Infrastruktur hatten, scheiterten.

Mittlerweile sind die Unternehmen in eine aus unserer Sicht „proaktivere“ Phase der pandemiebedingten Digitalisierung eingetreten. Mit der zunehmenden Erwartung, dass eine Hybridstruktur mit Heimarbeit heranwächst und eine immer größere Zahl an geschäftlichen Transaktionen online stattfinden wird, haben die Führungsteams in den Unternehmen nun die Aufgabe, ihre Geschäftsmodelle so anzupassen, dass sie in diesem neuen Umfeld gedeihen können. Die Implementierung solcher Prozessveränderungen kann Jahre dauern, d.h. der jüngste Anstieg der Nachfrage nach Cloud-Diensten, die das Arbeiten aus der Ferne ermöglichen, ist ganz sicher kein vorübergehendes Phänomen. Die langfristige Charakter der Cloud als Anlagethema wird veranschaulicht durch die Tatsache, dass trotz des massiven Anstiegs der Nutzung in diesem Jahr die Cloud in Sachen Marktpenetration bislang noch weniger als ein Viertel ihrer Möglichkeiten ausgeschöpft hat.

Ein Blick ins Jahr 2021 – und darüber hinaus

Unseres Erachtens besteht der kontinuierlichste Weg, mit Technologieanlagen Überschussrenditen zu erzielen, darin, die besten Unternehmen mit bahnbrechenden Technologien zu identifizieren. Das sind Technologien, die dazu beitragen, über einen Zeitraum von drei bis fünf Jahren Handel und soziale Interaktion neu zu definieren. Während die Zukunftsaussichten für unsere favorisierten langfristigen Themen nach wie vor glänzend sind, ist 2021 auch vielversprechend für zyklische Wachstumsunternehmen. Diese Technologieunternehmen sind stärker von der Zyklizität der Wirtschaft abhängig und dürften daher von einer Wiedereröffnung der Weltwirtschaft profitieren. Von Bedeutung ist dabei, dass Unternehmen wie Chip-Hersteller und Zahlungsverarbeiter trotz ihrer zyklischen Natur ebenfalls vom digitalen Gezeitenwechsel profitieren, denn wir erwarten, dass ihre zyklischen Tiefs zunehmend flacher werden, wenn ihre Produkte in der Weltwirtschaft Verbreitung finden.

Wir erwarten außerdem, dass 2021 gute Voraussetzungen für Unternehmen bestehen werden, die von einer Rückkehr zur Normalität profitieren dürften. Online-Dating-Plattformen zum Beispiel erfreuten sich während der Lockdowns einer überraschend hohen Nachfrage, und wir gehen davon aus, dass sich ihre Aussichten noch einmal verbessern werden, wenn die Menschen sich mit persönlichen Dates wieder wohler fühlen.

Während im Zuge der Lockdowns die Cloud in den Vordergrund rückte, wirkte die Pandemie aus unserer Sicht auch als Katalysator in den Führungsteams von Unternehmen, da diese Wege finden mussten, in ihre Front- und Back-Office-Funktionen KI zu integrieren, um die Widerstandsfähigkeit ihres Geschäfts zu stärken. Andere Megathemen sind weniger direkt von der Pandemie betroffen. Die Möglichkeiten des IoT, Daten zu sammeln, die dann von einer KI-befähigten Cloud gespeichert und analysiert werden können, nehmen stetig zu. Ergänzt werden dürfte dies durch den Roll-out von 5G. Dies ist ein allmählicher Prozess, und viele Verbraucheranwendungen müssen erst noch bestimmt werden, doch das Versprechen von 5G, die Fertigung zu automatisieren und zu optimieren, ist auf der Überholspur.

Dem eigenen Kompass vertrauen

Im vergangenen Jahr waren die Aktienmärkte zumeist von langfristigen Wachstumsaktien beherrscht. Erst in jüngster Zeit haben sich mit zunehmendem Optimismus in Erwartung eines COVID-19-Impfstoffs auch die Aussichten für zyklische Technologieaktien verbessert.  Die Spannung zwischen diesen beiden Kategorien ist noch vorhanden. Wir erkennen an, dass die Bewertungen in bestimmten langfristig orientierten Technologie-Subsektoren mittlerweile sehr hoch sind. Andererseits wird bei zyklischen Wachstumsunternehmen die Erwartung einer Wiedereröffnung der Wirtschaft eingepreist. Risiken bestehen in beiden Fällen. Sollte die Wirtschaft erfolgreich wieder hochfahren und die Zinserwartungen steigen, so könnte sich dies auf die Bewertungen langfristig orientierter Wachstumsaktien negativ auswirken. Umgekehrt könnten, sollten sich die Daten ins neue Jahr hinein weiter abschwächen, zyklische Wachstumsunternehmen die jüngsten Zugewinne wieder abgeben.

Diese Risiken sind zwar nicht unser Basisszenario, sollten aber durchaus auf dem Radarschirm der Anleger sein. Der beste Weg, sie zu steuern, besteht unseres Erachtens darin, den Kompass auf das auszurichten, was wir als den echten Nordpol der technologischen Zukunft sehen, definiert durch die langfristigen Themen Cloud, KI, IoT und 5G-Konnektivität. Zyklische Wachstumstitel haben jedoch ihren Platz innerhalb einer Technologieallokation, und der Schlüssel zu kontinuierlichen Renditen liegt im richtigen Verhältnis zwischen den beiden Kategorien. Ein Fokus auf den vielversprechendsten langfristigen Wachstumsunternehmen und denjenigen Unternehmen mit den dauerhaftesten Wettbewerbsvorteilen jedoch erfordert nur leichte Anpassungen an einem Portfolio, um wirtschaftliche Entwicklungen und Bewertungsveränderungen zu kompensieren. Eine Allokation, die sich auf zyklische Zukunftsthemen konzentriert, würde eine deutlichere Neuausrichtung in Abhängigkeit vom Auf und Ab des Wirtschaftszyklus und der Marktprämien erfordern.

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