Sich beschleunigende und neu aufkommende Trends bei US-Aktien

Zentrale Erkenntnisse

  • Wenn wir uns eingehender mit den wirtschaftlichen Folgen der COVID-19-Pandemie befassen, sehen wir, dass viele bereits vorhandene langfristige Trends einen weiteren Schub erhalten haben.
  • Während eine ganze Reihe von Branchen mit negativen langfristigen Auswirkungen zu kämpfen haben könnte, könnten andere von den krisenbedingten Verhaltensänderungen profitieren.
  • Unternehmen mit stärkeren Bilanzen und reichlich Liquidität könnten in der Lage sein, zu investieren und sich anzupassen, und in einer starken Wettbewerbsposition aus der Krise hervorgehen.

Langfristige Trends beschleunigen sich

Angesichts der kurzfristigen Unsicherheit durch die COVID-19-Krise glauben wir, dass viele langfristige Themen weiter intakt sind, was für bestimmte Branchen und Unternehmen von Vorteil sein könnte. Einige Themen im Zusammenhang mit technologischer Innovation zum Beispiel haben durch das „Social Distancing“ Auftrieb erhalten. Die Umstellung auf Cloud Computing und das Wachstum von Geschäftsmodellen auf der Basis von Software as a Service wurden dadurch beschleunigt, dass die Unternehmen Arbeitnehmern im Home Office die nötigen IT-Ressourcen zur Verfügung stellen mussten. Vor der Krise boten diese Themen Privatpersonen und Unternehmen Einsparmöglichkeiten, Flexibilität und Benutzerfreundlichkeit – Eigenschaften, die ihnen während der Krise zu einer wachsenden Akzeptanz verhalfen und damit zu einer weiteren Stärkung dieser langfristigen Trends führten.

Auch Veränderungen im Verbraucherverhalten haben das Tempo langfristiger Trends, wie etwa E-Commerce und digitale Zahlungen, beschleunigt, denn durch weit verbreitete Ausgangssperren mussten viele Menschen auf diese Dienstleistungen zurückgreifen. Diese Verhaltensänderungen dürften sich nach der Pandemie festgesetzt haben, da die Menschen nun mit diesen Dienstleistungen vertrauter sind und ihren praktischen Nutzen zu schätzen gelernt haben. Zahlungsunternehmen könnten durch Ausgabenkürzungen, steigende Arbeitslosigkeit und Ausgangssperren Volumeneinbußen erleiden. Mit zunehmender Erholung der Wirtschaft dürfte sich aber die Verlagerung hin zu digitalen Zahlungen weiter beschleunigen.

Und schließlich hat auch die Bedeutung von Innovationen im Gesundheitssektor durch die Krise zugenommen. Forschung und Entwicklung (F&E) in diesem Sektor bringen Fortschritte sowohl in der Behandlung von Patienten als auch in den Technologien und Ausrüstungen für Fachkräfte des Gesundheitswesens, was zu mehr Sicherheit und höherer Produktivität führt. Gesundheitsunternehmen, die Behandlungen und Behandlungsergebnisse verbessern und kostengünstigere medizinische Lösungen bereitstellen, dürften gut aufgestellt sein, wenn wir die Krise hinter uns lassen.

Andere Branchen dagegen könnten dauerhaft geschwächt sein.

Nachdem die Reise- und Versammlungsbeschränkungen zu einer historisch einmaligen Schließung von Handelsgeschäften geführt hat, sind bestimmte Branchen unter enormen Druck geraten.  Bei manchen von ihnen wird sich die Nachfrage nach ihren Produkten und Dienstleistungen mit Verzögerung erholen, bei anderen könnte sie dauerhaft vernichtet sein. So könnten die Reise-, Hotel-, Restaurant- und Freizeitbranche, auch wenn sie nun wieder besser positioniert sind, um von positiven Entwicklungen langfristig zu profitieren, infolge der Krise langfristig erheblichen strukturellen Veränderungen ausgesetzt sein. Da wir noch immer wenig Klarheit haben, wie es mit der Pandemie weitergeht und welche wirtschaftlichen Auswirkungen sie letztlich haben wird, haben Unternehmen dieser Branchen nur begrenzte Prognosesicherheit, wann bzw. ob die Nachfrage wiederkommt. Viele werden gezwungen sein, Schulden auf den Anleihemärkten aufzunehmen oder sich Geld vom Staat zu leihen und die Kredite mithilfe von Kapitalbeteiligungen zu tilgen, was die Bemühungen um den Wiederaufbau des Geschäfts weiter hemmen wird.

Auch der Energiesektor wurde in Mitleidenschaft gezogen und könnte darunter beeinträchtigt bleiben. Bereits jetzt gibt es aufgrund des Krieges um Marktanteile zwischen Saudi-Arabien und Russland ein Überangebot am Markt. COVID-19 hat diese Situation noch verschärft, indem es einen Nachfrageschock auslöste, der die Lagerbestände weiter anschwellen ließ. Für viele US-Unternehmen sind die Ölpreise unter das wirtschaftlich tragfähige Niveau gefallen, und sie müssen nun die Krise u.a. mithilfe von Schulden, Investitionskürzungen und Dividendenkürzungen bewältigen.

Interessante aufkommende Themen

Manche Branchen sind zum Glück stabil geblieben, einige haben sogar infolge der Krise eine Nachfragesteigerung erlebt. Die Social-Distancing-Beschränkungen haben klar den Lebensmitteleinzelhandel, Lebensmittelhersteller und Hersteller von Reinigungs- und Körperpflegeprodukten begünstigt. Diese Unternehmen erlebten eine steigende Nachfrage, weil die Verbraucher ihre Vorratskammern auffüllten und sich darauf vorbereiteten, über längere Zeit zu Hause zu bleiben. Diese Branchen dürften auch weiter profitieren, solange die Menschen zu Hause bleiben müssen, und möglicherweise auch darüber hinaus, je nachdem, wie sich die Gewohnheiten der Verbraucher dann verändert haben.

Eine weitere Untergruppe der Unternehmen, die von der Situation profitiert haben, sind diejenigen, die in der Lage sind, direkte Beziehungen zu den Verbrauchern herzustellen (Direct-to-Consumer-Geschäft). Mit den Beschränkungen für nicht systemrelevante Unternehmen hatten diejenigen, die die Möglichkeit haben, ihre Kunden durch Fernabsatz zu erreichen, einen Vorteil. Diese Unternehmen finden sich in so unterschiedlichen Branchen wie Schuhhandel und Versicherungen. Sie kontrollieren sozusagen ihr eigenes Schicksal, indem sie die Interaktionen mit ihren Kunden diktieren. Indirekt ermöglicht werden diese Beziehungen durch Softwareanbieter und Technologiedienstleister inklusive Berater, die den Unternehmen beim Digitalisierungsprozess behilflich sind. Unternehmen, die während der Krise ein Direct-to-Consumer-Geschäft aufgebaut oder dieses gestärkt haben, sowie die Softwareanbieter und Technologiedienstleister, die sie zu ihrer Unterstützung benötigen, könnten gut aufgestellt sein, um von einer dauerhaften Veränderung des Verbraucherverhaltens nach dem Ende der Pandemie zu profitieren.

WIE WIRKT SICH DIE PANDEMIE AUF LANGFRISTIGE THEMEN AUS?

COVID-19 hat in vielen Unternehmen und Branchen die Wachstumsdynamik beschleunigt. Hier eine Zusammenfassung der potenziellen Auswirkungen einiger langfristiger Themen:

Beschleunigt Aufkommend Beeinträchtigt
Technologische Innovation – Cloud Computing und Wachstum von Geschäftsmodellen auf der Basis von Software as a Service Profiteure des Social Distancing – Lebensmitteleinzelhandel, Lebensmittelhersteller und Hersteller von Reinigungs- und Körperpflegeprodukten. Die Bewegungseinschränkungen haben die Reise-, Hotel-, Gastronomie- und Freizeitbranche hart getroffen
E-Commerce und digitale Zahlungen – Ausgangsbeschränkungen haben viele Menschen gezwungen, Neues auszuprobieren Direct-to-Consumer-Geschäft – hiervon profitieren Softwareanbieter und Technologiedienstleister Drastische Nachfragerückgänge haben negative Auswirkungen für Energieunternehmen
Innovationen im Gesundheitswesen – verstärkte F&E unterstützt Fortschritte bei Behandlungen, Technologie und Ausrüstung

Der Wert einer starken Bilanz

Allgemein erwarten wir, dass Unternehmen mit stärkeren Bilanzen und reichlich Liquidität sich besser an die aktuellen Rahmenbedingungen anpassen können. Und indem sie jetzt investieren, könnten diese Unternehmen gestärkt aus der Krise hervorgehen. Einige dieser Unternehmen könnten nach Prüfung ihrer Cashflows und Liquiditätsoptionen verfügbare Kreditlinien in Anspruch nehmen, andere wiederum Anleihen auf dem Investment-Grade-Markt begeben, der bislang aktiv und relativ kostengünstig war. Ihr Ziel ist es, nicht nur sicherzustellen, dass ihre Bilanzen gesund bleiben, um die aktuelle Krise zu überstehen, sondern auch in Marketing zu investieren und ihr Geschäft so positionieren, dass es wachsen kann, wenn der Sturm vorüber ist. Manche Unternehmen könnten sogar Vermögenswerte von notleidenden Verkäufern übernehmen und so schließlich erhebliche Marktanteile hinzugewinnen.

Aus Krisen wie dieser gehen in der Regel die am besten aufgestellten Unternehmen gestärkt hervor, auf Kosten derjenigen, die finanziell schwächer ausgestattet sind. Für Anleger ist es jetzt wichtiger denn je, finanzstarke Unternehmen zu identifizieren und solche, die sich in einer günstigen Wettbewerbsposition befinden, sodass sie von langfristigen Themen profitieren können.

*Langfristig: Langfristige Themen und Trends sind nicht saisonal oder zyklisch. Sie werden über einen längeren Zeitraum betrachtet.

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