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Alternative Anlagen und Schutz vor Kursverlusten

Kann eine Allokation in alternativen Anlagen das langfristige Risiko-Rendite-Verhältnis in einem Portfolio verbessern, ohne zwangsläufig zu Renditeeinbußen zu führen? Portfoliostratege Mario Aguilar sowie Matt Bullock und Sabrina Geppert aus dem PCS Team von Janus Henderson gingen dieser Frage nach ...

Knowledge Labs | Portfoliokonstruktion
Mario Aguilar De Irmay, CFA

Mario Aguilar De Irmay, CFA

Senior Portfolio-Strategin


Matthew Bullock

Matthew Bullock

Leiter des Bereichs EMEA – Portfoliokonstruktion und Strategie


Sabrina Geppert

Sabrina Geppert

Senior Portfolio-Strategin


8. Dezember 2022
8 Minuten Lesezeit

Zentrale Erkenntnisse:

  • Wesentliche Verluste in einem Portfolio können die langfristigen Renditen ernsthaft beeinträchtigen und lassen sich nur wieder aufholen, wenn die anschließende Markterholung wesentlich stärker ausfällt als der zuvor verzeichnete Marktrückgang.
  • Die Angst, etwas zu verpassen (Fear of Missing Out, FOMO) ist oft für Entscheidungen ausschlaggebend. Dadurch laufen die Anleger Gefahr, zum falschen Zeitpunkt ein- oder auszusteigen und den Endwert ihres Portfolios dauerhaft zu beeinträchtigen.
  • Die Minderung von Verlusten in schwierigen Marktphasen durch ein gut diversifiziertes Portfolio, das auch alternative Anlagen enthält, kann Investoren dabei helfen, langfristig bessere Ergebnisse zu erzielen.

Angesichts der Volatilität an den Finanzmärkten überrascht es nicht, dass das Team für Portfoliokonstruktion und Strategie (PCS) von Janus Henderson Investors im Jahr 2022 viel Zeit damit verbrachte, mit Kunden Möglichkeiten zu erörtern, wie sich Portfolios gegen künftige Kursverluste absichern lassen. Bei diesen Gesprächen machten die Anleger häufig Bemerkungen wie: „Die Absicherung gegen Verluste ist für mich mit Kosten verbunden, und ich habe genügend Zeit, die Volatilität auszusitzen.“

Das gab uns zu denken und wir stellten uns die Frage, wie wir verdeutlichen können, dass beide Aspekte letztlich dasselbe sind. Mit anderen Worten: Wie können wir zeigen, dass die Steuerung der Abwärtsrisiken der beste Weg ist, „die Volatilität auszusitzen“?

Die Steuerung der Verlustrisiken ist für langfristig orientierte Anleger aus mehreren Gründen von entscheidender Bedeutung:

  1. Gewinne durch Vermeidung von VerlustenJe mehr man verliert, desto schwieriger ist es und desto länger dauert es, Verluste wieder aufzuholen. Durch die Begrenzung der Kursverluste in schwierigen Marktphasen lassen sich die längerfristigen Renditen potenziell steigern.
  2. Minimierung der Auswirkungen (ungünstiger) TimingstrategienViele Anleger hoffen, vom Market Timing zu profitieren, doch unerwartete Marktbewegungen können verheerende Auswirkungen auf ein Portfolio haben. Risikomanagementtechniken tragen entscheidend dazu bei, das Risiko von Anlageentscheidungen zum falschen Zeitpunkt zu minimieren.
  3. Alternative Anlagen können die langfristigen risikobereinigten Renditen verbessernBeim Risikomanagement geht es nicht nur um Absicherung. Alternative Anlagen können das Verlustrisiko senken und führen nicht zwangsläufig zu niedrigeren Renditen.

Gewinne durch Vermeidung von Verlusten

Je mehr man verliert, desto schwieriger ist es, Verluste wieder aufzuholen

Nehmen wir an, wir haben USD 100 investiert, der Markt ist anschließend um 25% gefallen und unsere Anlage hat jetzt einen Wert von USD 75. Um diesen Verlust vollständig aufzuholen und unsere USD 100 zurückzuerhalten, muss dieser Betrag von USD 75 um 33% steigen, damit die Gewinnschwelle erreicht wird. Bei einem Rückgang von 50% ist ein Anstieg von 100% notwendig, um zum Ausgangspunkt zurückzukehren – bei steigenden Verlusten wird die Wertaufholung immer schwieriger.

Selbst bei einer langfristigen Anlage können wesentliche Verluste in einem Portfolio die langfristigen Renditen ernsthaft beeinträchtigen. Die Gewinnschwelle wird nur wieder erreicht, wenn die anschließende Markterholung (zuzüglich Erträgen/Dividenden) wesentlich stärker ausfällt als der zuvor verzeichnete Marktrückgang. In einem solchen Fall müssen Investoren entweder ihren Anlagezeitraum verlängern, um die Verluste auszugleichen, oder ein erhöhtes Portfoliorisiko eingehen und auf diese Weise zu versuchen, den für die Erholung notwendigen Zeitraum zu verkürzen.

Durch eine auch nur geringfügige Begrenzung von Verlusten lässt sich das Aufwärtspotenzial eines Portfolios überproportional steigern.

Abbildung 1: Je größer die Verluste, desto steiler wird der Weg zur Erholung

Quelle: Janus Henderson Investors; Stand: 31. Oktober 2022.

Auswirkungen von Timing-Entscheidungen minimieren

Market Timing, also der Versuch, möglichst günstige Zeitpunkte für den Ein- und Ausstieg am Markt zu wählen, ist eine höchst unsichere Strategie. Die alte Börsenweisheit, dass die „Zeit im Markt“ wichtiger ist, als „den richtigen Zeitpunkt“ zu erwischen, ist heute so wahr wie eh und je. Das PCS Team hat auf diesen Punkt bereits in früheren Artikel hingewiesen. Besonders wichtig ist jedoch zu verdeutlichen, welche Folgen ein falsches Timing hat. Abbildung 2 zeigt, wie es sich auf ein Portfolio auswirkt, wenn ein Anleger die Tage mit der besten Marktentwicklung verpasst.

Abbildung 2: Der Versuch, den idealen Zeitpunkt am Markt abzupassen, kann die Performance erheblich belasten

Quelle: Bloomberg, Team für Portfoliokonstruktion und Strategie von Janus Henderson, in US-Dollar. Die Grafik zeigt den Wert einer fiktiven einer Anlage von USD 10.000 im S&P 500 Index im Zeitraum vom 1. Januar 1999 bis 31. Dezember 2022. Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein Hinweis auf die zukünftigen Renditen.Die hier dargestellte Wertentwicklung dient nur der Veranschaulichung und deutet nicht auf die Wertentwicklung einer Strategie hin.

An welchen Tagen die beste Performance erzielt wurde, lässt sich nur im Nachhinein feststellen. Eine Timingstrategie ist jedoch nur erfolgreich, wenn ein Kauf oder Verkauf zu einem möglichst günstigen Zeitpunkt erfolgt. Es ist leicht ersichtlich, warum sich dies nicht konsequent erreichen lässt.

Wir wissen jedoch, dass Investoren diesen Versuch unternehmen, was in vielen Fällen den verhaltensbedingten Aspekten des Anlegens zuzuschreiben ist. Die Angst, etwas zu verpassen (Fear of Missing Out, FOMO) ist oft für Entscheidungen ausschlaggebend. Dadurch stehen die Anleger vor der Herausforderung, zu entscheiden, wann sie in guten Zeiten verkaufen oder in schlechten Zeiten kaufen sollten. Das wahrscheinlichste Ergebnis einer solchen Strategie ist ein Ein- und Ausstieg zum falschen Zeitpunkt – mit dauerhaften und erheblichen Folgen für den Endwert des Portfolios.

Alternativ dazu können Anleger Strategien mit wirklich diversifizierten Performancetreibern verwenden, die dazu beitragen können, die oft sehr schwer vorhersehbaren Phasen mit einer schwachen Marktentwicklung auszugleichen.

Alternative Anlagen als strategisches Engagement

Wie wirken sich alternative Anlagen auf die langfristige Wertentwicklung aus? Und überwiegt ihr Nutzen ihre Kosten? Für Investoren, die alternative Anlagen für ihre Portfolios in Betracht ziehen, sind dies berechtigte Fragen.

Um sie zu beantworten, haben wir 319 gleitende 5-Jahres-Zeiträume zwischen Januar 1990 und September 2022 analysiert[1]. Insgesamt deuten die Ergebnisse darauf hin, dass der Einsatz alternativer Anlagen als strategische Position in einem diversifizierten Portfolio tatsächlich das Gesamtrisiko gesenkt und gleichzeitig potenzielle Kursverluste begrenzt hat – und dies ohne nennenswerte Auswirkungen auf die Rendite.

Um dies zu untersuchen, modellierten wir zwei Portfolios:

Portfolio 1: zu 100% in Aktien[2] investiert

Portfolio 2: zu 80% in Aktien und zu 20% in alternative Anlagen [3] investiert

Zuerst maßen wir die Auswirkungen auf Risiko und Rendite des Portfolios. Abbildung 3 zeigt die durchschnittliche annualisierte Rendite, Standardabweichung und Sharpe Ratio über die 319 Anlagezeiträume, die wir für unsere Stichprobe verwendeten. Die Auswirkungen auf das Risiko sind beachtlich, die Folgen für die Rendite dagegen vernachlässigbar. Daraus lässt sich der Schluss ziehen, dass die Ergänzung eines Portfolios um alternative Anlagen das Risiko-Rendite-Verhältnis in den beobachteten Zeiträume verbessert hat, ohne automatisch zu Renditeeinbußen zu führen.

Abbildung 3: Der Einfluss alternativer Anlagen (Auswirkungen auf Risiko und Rendite)

Monatlich gleitende 5-Jahres-Zeiträume
Portfolio 1 Portfolio 2
Durchschnittliche annualisierte Rendite 10,4% 10,1%
Durchschnittliche annualisierte Standardabweichung 13,9% 12,2%
Sharpe Ratio 0,74 0,83

Quelle: Morningstar und Janus Henderson Investors, 1. Januar 1990 bis 30. September 2022. Portfolio 1: zu 100% in den S&P 500 Total Return USD Index investiert. Portfolio 2: zu 80% in den S&P 500 Total Return USD Index und zu 20% in den HFRI Fund Weighted USD Index investiert. Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein Hinweis auf die zukünftigen Renditen. Die hier dargestellte Wertentwicklung dient nur der Veranschaulichung und deutet nicht auf die Wertentwicklung einer Strategie hin.

Anschließend untersuchten wir, welche Auswirkungen die Aufnahme alternativer Anlagen auf die Performance während der besten und schlechtesten 5-Jahres-Zeiträume hatte (Abbildung 4):

Abbildung 4: Der Einfluss alternativer Anlagen in steigenden und sinkenden Märkten

Monatlich gleitende 5-Jahres-Zeiträume  
Portfolio 1 Portfolio 2 Auswirkung auf die Wertentwicklung
Renditen bei sinkenden Aktienkursen -1,8% 0,0% 1,8%
Renditen bei steigenden Aktienkursen 12,5% 11,9% -0,6%

Quelle: Morningstar und Janus Henderson Investors, 1. Januar 1990 bis 30. September 2022. Portfolio 1: zu 100% in den S&P 500 Total Return USD Index investiert. Portfolio 2: zu 80% in den S&P 500 Total Return USD Index und zu 20% in den HFRI Fund Weighted USD Index investiert. Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein Hinweis auf die zukünftigen Renditen. Die hier dargestellte Wertentwicklung dient nur der Veranschaulichung und deutet nicht auf die Wertentwicklung einer Strategie hin.

Die Ergebnisse zeigten, dass alternative Anlagen während der 5-Jahres-Zeiträume mit der schlechtesten Wertentwicklung (bei rückläufigen Märkten) das Modellportfolio praktisch vor Verlusten schützten. Während der besten 5-Jahres-Zeiträume war ein relativ geringer Rückgang der Wertentwicklung zu verzeichnen. Der Nettoeffekt war insgesamt positiv, wobei der Stabilisierungseffekt bei rückläufigen Märkten deutlich schwerer wog als die Performanceeinbußen in Phasen mit starker Marktentwicklung.

Fazit

Die Minderung von Verlusten in schwierigen Marktphasen durch ein gut diversifiziertes Portfolio, das auch alternative Anlagen enthält, kann Investoren dabei helfen, langfristig bessere Ergebnisse zu erzielen. Es lässt sich nicht mit Sicherheit vorhersagen, wann die Märkte fallen oder steigen werden, und das Risiko, dass eine Timingstrategie zur Vermeidung von Verlusten zu Performanceeinbußen führt, kann den Wert eines Portfolios im Laufe der Zeit erheblich beeinträchtigen.

Wir haben in diesem Artikel erläutert, dass Anleger unserer Meinung nach die relativen Risiken und Chancen einer langfristigen Anlage berücksichtigen sollten, statt zu versuchen, den perfekten Zeitpunkt am Markt abzupassen. Doch selbst für langfristig orientierte Investoren können Phasen der Marktunsicherheit mit dem Ende einer geplanten Anlagestrategie zusammenfallen, etwa dem Eintritt in den Ruhestand. Dies könnte den Endwert ihrer Anlagen erheblich beeinträchtigen und dazu führen, dass viele Anleger dauerhafte Verluste hinnehmen oder sich mit einem geringeren Vermögen begnügen müssen, als sie erwartet haben (oder benötigen).

Unsere Analyse zeigt, dass eine Allokation in alternativen Anlagen dazu beitragen kann, die Auswirkungen der Marktvolatilität auf ein Portfolio zu verringern, ohne die langfristigen Renditen wesentlich zu beeinträchtigen. Verschiedene alternative Anlagen weisen ein unterschiedliches Diversifikationspotenzial und Risiko auf. Wäre es angesichts dieser Tatsache nicht besser, solche Anlagen im Portfolio zu halten, ohne sie zu benötigen, als zu spät festzustellen, dass sie erforderlich gewesen wären?

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Please note:

Die vorstehenden Einschätzungen sind die des Autors zum Zeitpunkt der Veröffentlichung und können von denen anderer Personen/Teams bei Janus Henderson Investors abweichen. Die Bezugnahme auf einzelne Wertpapiere, Fonds, Sektoren oder Indizes in diesem Artikel stellt weder ein Angebot oder eine Aufforderung zu deren Erwerb oder Verkauf dar, noch ist sie Teil eines solchen Angebots oder einer solchen Aufforderung.

Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein Hinweis auf die zukünftigen Renditen. Der Wert einer Anlage und der Ertrag daraus können fallen und auch steigen. Möglicherweise erhalten Sie Ihr ursprünglich investiertes Kapital nicht zurück. Die in diesem Artikel enthaltenen Informationen stellen keine Anlageempfehlung dar. Marketing-Anzeige.

Glossar

[1] In der Analyse wurden 319 5-Jahres-Zeiträume zwischen dem 1. Januar 1990 und dem 30. September 2022 im Hinblick auf zwei verschiedene theoretische Modellportfolios (Einzelheiten dazu unten) untersucht.

[2] Als Aktienportfolio verwenden wir den S&P 500 Total Return USD Index.

[3] Als Proxy für alternative Anlagen verwenden wir den HFRI Fund Weighted USD Index.

Die vorstehenden Einschätzungen sind die des Autors zum Zeitpunkt der Veröffentlichung und können von denen anderer Personen/Teams bei Janus Henderson Investors abweichen. Die Bezugnahme auf einzelne Wertpapiere, Fonds, Sektoren oder Indizes in diesem Artikel stellt weder ein Angebot oder eine Aufforderung zu deren Erwerb oder Verkauf dar, noch ist sie Teil eines solchen Angebots oder einer solchen Aufforderung.

 

Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein zuverlässiger Indikator für die künftige Wertentwicklung. Alle Performance-Angaben beinhalten Erträge und Kapitalgewinne bzw. -verluste, aber keine wiederkehrenden Gebühren oder sonstigen Ausgaben des Fonds.

 

Der Wert einer Anlage und die Einkünfte aus ihr können steigen oder fallen. Es kann daher sein, dass Sie nicht die gesamte investierte Summe zurückerhalten.

 

Die Informationen in diesem Artikel stellen keine Anlageberatung dar.

 

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