Jeremiah Buckley, Portfoliomanager im Janus Henderson Balanced Team, erläutert, wie die Anleihe- und Aktienteams zusammenarbeiten, um Anlegern ein ausgewogenes, risikobewusstes Portfolio zu bieten.

Zentrale Erkenntnisse:

  • Mit der lockereren Geldpolitik der Zentralbanken in den USA und in Europa sind die Anleiherenditen gesunken. Das lässt die Risikoprämien von Aktien attraktiv erscheinen.
  • In den meisten Teilsektoren in den USA treten die Dividendenrenditen auf der Stelle oder steigen leicht. In einigen Fällen ist dies auf höhere Ausschüttungsquoten zurückzuführen, in den meisten Fällen aber das Ergebnis höherer Gewinne.
  • Unsere Konjunkturerwartungen haben wir zwar zurückgeschraubt. Wir sind jedoch überzeugt, dass sich die Unternehmen in unserem Portfolio deutlich besser entwickeln können als die Wirtschaft als Ganzes

Wie funktioniert die Zusammenarbeit im Managementteam?

Der Janus Henderson Balanced Fund ist das Ergebnis der Zusammenarbeit von zwei Teams, von denen sich eins auf US-Aktien und das andere auf Anleihen konzentriert. Beide verfolgen einen Bottom-up-Ansatz, ergänzt durch gesamtwirtschaftliche Analysen, die ein Team aus 30 Spezialisten aus den beiden Bereichen bereitstellt. Grundsätzlich ist der Anlageansatz bei Aktien auf Wachstum ausgerichtet. Das spiegelt sich derzeit im Engagement der Strategie in den Sektoren Technologie und zyklische Konsumgüter wider (per Ende September 2019). Aktien von Industriefirmen und anderen konjunkturempfindlicheren, also zyklischen Branchen sind im Fonds weniger stark vertreten. Bei Anleihen wiederum verfolgen wir einen konservativeren Ansatz. Hier steht der Kapitalschutz im Vordergrund, was sich am ausgewogenen Engagement in Staatsanleihen, Anleihen mit Investment Grade und Hochzinsanleihen ablesen lässt.

Wie hoch ist der in Aktien investierte Teil der Strategie?

Rund 35% bis 65% des Vermögens dieser Strategie sind in Aktien investiert. Passend zu unserer Einschätzung zum Ausblick für US-Aktien liegt der Anteil in den letzten Jahren beständig am oberen Ende dieser Bandbreite. Eine Ausnahme bildete das dritte Quartal 2018, in dem wir die Allokation vorübergehend zu Gunsten von Hochzinsanleihen mit einer attraktiven Rückzahlungsrendite reduziert hatten. Zum damaligen Zeitpunkt war das Szenario für Aktien weniger günstig, denn die US-Notenbank (Fed) hatte sich auf Zinserhöhungen festgelegt, während etwa zur gleichen Zeit der Handelsstreit zwischen den USA und China losbrach.

In diesem Jahr haben sich die Rahmenbedingungen jedoch geändert, denn Anfang des Jahres ging die Fed zu einer entgegenkommenderen Haltung über. Gleichzeitig gibt es Anzeichen für ein Tauwetter bei den Handelsgesprächen zwischen den USA und China. Und auch wenn wir unsere Konjunkturerwartungen zurückgeschraubt haben, sind wir doch überzeugt, dass sich die Unternehmen in unserem Portfolio deutlich besser entwickeln können als die Wirtschaft als Ganzes.

Nach welchen Wachstumsmerkmalen suchen Sie bei Kandidaten für Ihr Portfolio?

Zu den für uns zentralen Auswahlkriterien gehört ein Wachstum, das seit Jahren über dem Bruttoinlandsprodukt (BIP) liegt, mit einem Gewinnanstieg, der zusammen mit der Dividendenrendite einen Ertrag von mindestens 10% auf Sicht von zwei bis fünf Jahren einbringen kann. Daneben ist für uns ein Management wichtig, das nicht nur einen hohen freien Cashflow generiert, sondern diesen auch in einer für die Aktionäre vorteilhaften Weise einsetzt. Etwa für wachstumsfördernde Akquisitionen, Dividendenerhöhungen oder Aktienrückkäufe. Und schließlich schauen wir uns die Bilanz ganz genau an. Unser Ansatz in der Aktienanlage ist schließlich qualitätsorientiert. Im aktuell unsicheren Umfeld halten wir das für einen gewichtigen Vorteil.

Wie würden Sie die aktuellen Marktbedingungen beschreiben?

Die Konjunkturabkühlung hat inzwischen das verarbeitende Gewerbe rund um den Globus erfasst. Aber der Konsummotor brummt weiter, weshalb wir derzeit keine Rezession heraufziehen sehen. Zweifellos ist der Handelskrieg eine Belastung, und ohne ihn wäre der Wirtschaftsausblick heute vermutlich um einiges rosiger. Aber das haben auch die Fed und die Europäische Zentralbank (EZB) erkannt. Um der Wirtschaft unter die Arme zu greifen, sind sie daher zu einer expansiveren Geldpolitik übergegangen.

Dieser Kurswechsel schmälert jedoch die Anleiherenditen, weshalb die Risikoaufschläge für Aktien im Vergleich attraktiv erscheinen. Großen US-Firmen mit starker internationaler Präsenz gibt das zudem die Möglichkeit, die niedrigen Zinsen in Europa zu nutzen und Anleihen zu beneidenswert niedrigen Konditionen zu emittieren. Wie es weitergeht, ist jedoch alles andere als klar, angesichts der hohen Unsicherheiten und ihrer Folgen für die Investitionsentscheidungen der Unternehmen.

Beobachten Sie relevante Trends bei den Unternehmensgewinnen?

Die Gewinne der Unternehmen folgen weitgehend den Trends, die wir in der Gesamtwirtschaft sehen. So befinden sich etwa Unternehmen, die stark vom Zyklus im verarbeitenden Gewerbe abhängen, derzeit in einer schwierigen Lage, die schon fast einer Rezession gleichkommt. Andererseits profitieren Sektoren mit Bezug zum Konsum in den Vereinigten Staaten von der soliden Lohnentwicklung. Branchen mit strukturellen Wachstumstreibern wie Gesundheit oder Technologie sind weiterhin solide aufgestellt. In manchen Teilsektoren wie etwa Software-Dienstleistungen, die in wachstumsstarken Bereichen wie der Cloud tätig sind, finden wir immer noch zweistellige Wachstumsraten

Tun Sie sich mangels verlässlichem Wachstum und nach den starken Kursgewinnen an den Aktienmärkten seit Jahresbeginn derzeit schwer, attraktive Anlagechancen aufzuspüren?

Richtig ist, dass die Bewertungen in einigen Bereichen, darunter Software- und Internet-Dienstleistungen, momentan teuer erscheinen. Aber es gibt andere Bereiche, die durchaus interessant sind. Am US-Markt treten die Dividendenrenditen in den meisten Teilsektoren auf der Stelle oder steigen leicht an. In einigen Fällen ist dies auf höhere Ausschüttungsquoten zurückzuführen, in den meisten Fällen aber das Ergebnis höherer Gewinne.