Portfoliomanager Jeremiah Buckley spricht über die Wachstumsentscheidungen, vor denen Unternehmen mit ihrer Rekord-Liquidität jetzt stehen.

Zentrale Erkenntnisse:

  • Nach den zahlreichen Herausforderungen, die die COVID-Pandemie im vergangenen Jahr mit sich brachte, befinden sich die Barreserven auf Rekordniveau.
  • Nun müssen die Unternehmensleitungen überlegen, wie sie dieses Kapital am besten einsetzen, um künftiges Wachstum zu fördern und Aktionäre zu belohnen.
  • Aktienrückkäufe könnten das Marktwachstum 2021 deutlich beschleunigen. Daneben scheinen sich Investitionstrends und langfristige Themen auf lange Sicht ebenfalls günstig auszuwirken.

Wir haben vor kurzem darübergeschrieben, inwiefern der erhebliche Nachfragestau und die allgemein prall gefüllten Portemonnaies von US-Verbrauchern zu einer kräftigen wirtschaftlichen Erholung beitragen könnten, vor allem in Marktsegmenten wie Reisen und Freizeit. Nicht nur Konsumenten haben in der Pandemie große Ersparnisse angehäuft, auch Unternehmen sitzen jetzt auf Rekord-Barreserven. Bis Ende des vierten Quartals 2020 stiegen die Barmittel der Unternehmen auf 244,7 Milliarden US-Dollar. Wenn Anleger über potenziellen Rückenwind für den Markt nachdenken, könnten diese starken Unternehmensbilanzen die Bewertungen und zusätzliches Wachstum 2021 unterstützen.

US-Unternehmen: Summe der Barreserven und Guthaben bei US-Banken (4Q 2009 bis 4Q 2020)

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Quelle: U.S. Census Bureau, Vierteljährlicher Finanzbericht: US-Unternehmen: Sämtliche Informationen: Total Cash on Hand and in U.S. Banks, aus FRED, Federal Reserve Bank of St. Louis; https://fred.stlouisfed.org/series/QFRTCASHINFUSNO, 25. Mai 2021

Die Barbestände der Unternehmen haben sich während der Pandemie aus mehreren Gründen erhöht. Zunächst horteten die Unternehmen während des gesamten Jahres 2020 Barmittel als Absicherung gegen die wirtschaftlichen Risiken von COVID-19 und nahmen oft dringend benötigtes Kapital durch die Ausgabe von Schuldverschreibungen zu günstigen Zinssätzen auf. Andere verschoben Aktienrückkäufe oder waren gezwungen, diese zu stoppen, was zu höheren Barbeständen in den Bilanzen führte. Interessanterweise haben die meisten dividendenzahlenden US-Unternehmen während der Pandemie ihre Dividenden beibehalten oder sogar erhöht, während Aktienrückkäufe in vielen Fällen gestoppt wurden und eine kleine Gruppe von Unternehmen ihre Dividenden ausfallen ließ.

Effizienter Einsatz von Kapital

Die Entscheidung des Managements, wie überschüssige Barmittel eingesetzt werden, hat einen erheblichen Einfluss auf das zukünftige Wachstum - und letztlich auf die Rendite für Anleger. Unternehmen können organisch in interne Wachstumsprojekte investieren, wenn sie glauben, dass diese Projekte attraktive Renditen erzielen können. Alternativ dazu können sie versuchen, durch Fusionen und Übernahmen (M&A) anorganisch zu wachsen. Und schließlich können sie durch Aktienrückkäufe und/oder Dividenden Barmittel an die Aktionäre ausschütten. Jedes Unternehmen muss entscheiden, welche Taktik oder Kombination von Taktiken langfristig im besten Interesse der Aktionäre ist.

Überblick über die Rückkäufe im aktuellen Markt

Aktienrückkäufe werden aufgrund der potenziellen Steuervorteile und der finanziellen Flexibilität, die sie Unternehmen und Anlegern bieten, immer beliebter. Durch Rückkäufe sinkt die Zahl der im Umlauf befindlichen Aktien eines Unternehmens. Dadurch steigt der Gewinn je Aktie, und das Kurs-Gewinn-Verhältnis sinkt. Unternehmensleitungen entscheiden sich häufig für Aktienrückkäufe, weil ihre Renditen besser vorhersehbar sind als die potenziellen Renditen aus Fusionen und Übernahmen, die tendenziell mit einem größeren Risiko verbunden sind.

Angesichts der Pandemie sanken die Rückkäufe für das Gesamtjahr 2020 auf 519,7 Mrd. UDS für 2021 wird erwartet, dass die Rückkäufe fast doppelt so hoch ausfallen und sich damit dem Niveau vor der Pandemie im Jahr 2019 annähern. Da sich die Märkte in der Nähe von Rekordhöhen befinden, kann eine erhöhte Rückkaufaktivität ein starker Faktor sein, der die Unternehmensbewertungen stützt und das weitere Wachstum der Aktienmärkte im Jahr 2021 vorantreibt.

Großbanken spielen eine wichtige Rolle am Markt für Rückkäufe. Während der Pandemie wurden ihnen von der US-Notenbank als Vorsichtsmaßnahme vorübergehend Rückkäufe untersagt. Inzwischen dürfen sie aber wieder in gewissem Umfang Rückkäufe tätigen. Vor der Pandemie war der Finanzsektor die Nummer 2 in Bezug auf Rückkaufaktivitäten und folgte dicht auf den führenden Technologiesektor. Seither haben Technologieunternehmen ihre Rückkäufe verstärkt. Ihr Anteil an den Rückkäufen im S&P 5001 beträgt inzwischen 43%. Zurückzuführen ist das zum Teil auf die jüngsten Rückkäufe, um eine Verwässerung durch Aktienoptionen zu verhindern. Der sprunghafte Anstieg der Rückkäufe im Tech-Sektor kann auch der allgemeinen Stärke der Technologieriesen während der Pandemie zugeschrieben werden.

Rückkäufe in Sektoren (in %)

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Quelle: S&P Dow Jones Indexdaten (https://www.spglobal.com/spdji/en/documents/index-news-and-announcements/20210324-sp-500-buyback-q4-2020.pdf)

Investitionstätigkeit und langfristige Wachstumstrends

Kapitalmaßnahmen wie Rückkäufe können zwar den Shareholder Value steigern und für kurzfristigen Rückenwind sorgen. Dennoch finden wir es wichtig, uns auf Eigenschaften zu konzentrieren, die Unternehmen auch langfristiges Wachstum ermöglichen. Die Unternehmensbilanzen sind in den meisten Sektoren nach wie vor intakt. Außerdem gehen wir davon aus, dass sich langfristige Trends, die sich durch die Pandemie beschleunigt haben, wie etwa Cloud-Services, Software-as-a-Service und Innovationen im Gesundheitssektor, in der Weltwirtschaft stärker verankern werden. Die Aktivitäten am Markt deuten aktuell auf einen erheblichen Anstieg der Rückkäufe 2021 hin. Es gibt allerdings weiterhin Anzeichen dafür, dass die Unternehmen auch ihre Investitionsausgaben erhöhen. Und das stimmt uns optimistisch mit Blick auf das längerfristige Wachstum.

  1. Quelle: S&P Dow Jones Indexdaten (https://www.spglobal.com/spdji/en/documents/index-news-and-announcements/20210324-sp-500-buyback-q4-2020.pdf)