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COVID-19: Analyse von Ansätzen in Bezug auf die psychische Gesundheit

Charlotte Nisbet

Charlotte Nisbet

ESG Corporate Research Analyst


16. Okt 2020

Die COVID‑19-Krise hat viele Probleme in der Gesellschaft zutage gefördert. So sind die Menschen in unterschiedlicher Weise von der Pandemie betroffen. Charlotte Nisbet, Analystin im Governance and Responsible Investment Team und Mitglied der Mental Health Group von Janus Henderson erörtert die Bedeutung der psychischen Gesundheit und des Wohlergehens aus Investmentsicht und Arbeitgeberperspektive. Beides ist in den letzten Monaten in den Vordergrund gerückt.

  Zentrale Erkenntnisse

  • Die psychische Gesundheit ist ein integraler und essenzieller Aspekt der Gesundheit und hat während der COVID-19-Krise an Bedeutung gewonnen.
  • Ermutigend ist, dass uns eine steigende Zahl von Unternehmen berichtet, dass sie die psychische Gesundheit als Problem erkannt haben und versuchen, ihre Mitarbeiter In dieser Hinsicht zu unterstützen.
  • Der Dialog mit den Unternehmen hat uns in der Überzeugung bestärkt, dass Unternehmen mit Leitlinien in Bezug auf das Wohlergehen und die psychische Gesundheit Mitarbeiter besser halten können, über ein günstigeres Arbeitsumfeld und eine widerstandsfähigere Belegschaft verfügen.

 

Die psychische Gesundheit ist laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ein integrales und essenzielles Element der Gesundheit. So definiert die WHO „Gesundheit“ als „einen Zustand vollständigen physischen, psychischen und sozialen Wohlergehens und nicht lediglich als das Nichtvorhandensein von Krankheit oder Schwäche.“ 1

Die Bedeutung der psychischen Gesundheit und des Wohlergehens ist im Zuge der COVID‑19-Krise gestiegen. Um nur einige Faktoren zu nennen: Viele Menschen sind mit Arbeitslosigkeit, wirtschaftlicher Unsicherheit, Verlassenheit und Isolation konfrontiert oder arbeiten „an der Front“, was zu einer möglichen Verschlechterung der psychischen Gesundheit beitragen kann. Ein Report der WHO von Oktober 2020 deutet darauf hin, dass die COVID‑19-Krise die psychischen Gesundheitsdienste in vielen Ländern stark belastet. Fast 90 % der an der Umfrage beteiligten 130 Länder gaben an, dass psychische und psychosoziale Hilfsdienste Teil ihrer nationalen Reaktionspläne im Rahmen der COVID‑19-Krise sind. Jedoch haben nur 17 % dieser Länder eine vollständige Finanzierung zur Erbringung dieser zusätzlichen Dienste sichergestellt.2

Mental Health

Vor Beginn der Pandemie waren die globalen Zahlen zur psychischen Gesundheit bereits alarmierend. Nach Angaben der WHO verliert die Weltwirtschaft jährlich mehr als 1 Billion US-Dollar infolge von Depression und Angstzuständen3. Im internationalen Durchschnitt gibt es pro 10.000 Menschen weniger als einen Spezialisten für die psychische Gesundheit.4 Darüber hinaus sind gemäß Untersuchungen der Lancet Commission psychische Störungen in allen Ländern auf dem Vormarsch und werden die Weltwirtschaft bis 2030 mit voraussichtlich 16 Billionen US-Dollar belasten.5

Die Anleger- und Arbeitgeberperspektive

Wir bei Janus Henderson haben dem Thema sowohl aus Anlegersicht als auch aus Arbeitgeberperspektive Rechnung getragen. Im Rahmen unserer Anlagetätigkeit halten unsere Investmentteams jährlich Tausende von Meetings mit Unternehmen ab und diskutieren dabei häufig über ökologische, soziale und governance-bezogene Aspekte (ESG).

Wir haben das Thema der psychischen Gesundheit vermehrt mit den Unternehmen erörtert. Die Reaktionen darauf haben uns sehr ermutigt, da dieses Thema vom Management der Unternehmen als sehr bedeutend erkannt worden ist und entsprechend berücksichtigt werden soll. Die COVID-19-Krise hat naturgemäß das Thema psychische Gesundheit in den Vordergrund gerückt. In diesem Zusammenhang haben uns viele Unternehmen mitgeteilt, wie sie ihre Mitarbeiter in diesen schwierigen Zeiten unterstützen.

Kooperatives Engagement

Unser Ansatz als Investor beim Dialog mit den Unternehmen ist kooperativ. Entsprechend teilen wir häufig unsere Erkenntnisse im Hinblick auf Best-Practice und psychische Gesundheit mit den Unternehmen, an denen wir beteiligt sind. Diejenigen Unternehmen, die bereits vor dem Ausbruch der COVID-19-Pandemie umfassende Vorsorge im Hinblick auf die psychische Gesundheit und das Wohlergehen der Mitarbeiter getroffen hatten, verfügten über gute Voraussetzungen, um ihren Beschäftigten etwaig benötigte zusätzliche Unterstützung zu geben. Beispielsweise konnten Unternehmen, bei denen sich ein Teil der Gesundheitsleistungen die psychische Gesundheit abdeckt und die über Programme zur Unterstützung von Mitarbeitern, interne Beauftragte für psychische Gesundheit und entsprechende Trainings verfügen, allesamt ihre Beschäftigten in diesen schwierigen Phase gut unterstützen. Ein weiterer wichtiger Aspekt unseres Dialogs mit den Unternehmen im Hinblick auf die psychische Gesundheit besteht darin, darüber auch aus Kundenperspektive nachzudenken. Sofern es angebracht ist, sprechen wir mit den Unternehmen und betonen die Bedeutung von Leitlinien, die die psychische Gesundheit ihrer Kunden schützen helfen.

Anlagechancen

Die psychische Gesundheit ist auch ein zunehmend wichtiges Anlagethema. Es gibt mittlerweile viele Unternehmen, die Produkte, Lösungen und Dienstleistungen entwickeln, die direkt auf die Unterstützung der psychischen Gesundheit der Menschen abzielen. Beispielsweise ist dies ein wichtiges Wachstumsfeld für Anbieter aus dem Gesundheitsbereich und erstreckt sich Auf damit in Verbindung stehende Branchen.

Positive Korrelation

Der Dialog mit den Unternehmen hat uns in der Überzeugung bestärkt, dass Unternehmen mit Leitlinien in Bezug auf das Wohlergehen und die psychische Gesundheit allgemein Mitarbeiter besser halten können sowie über ein günstigeres Arbeitsumfeld und eine widerstandsfähigere Belegschaft verfügen. Wir als Investor erkennen die Bedeutung eines anhaltenden Dialogs mit den Unternehmen zu diesem Thema an. Dem liegt die Überzeugung zugrunde, dass ein der Gesundheit förderliches, vorteilhaftes Arbeitsklima ein entscheidender Erfolgsfaktor für die Unternehmen in unseren Portfolios ist. Es ist offensichtlich, dass gut geführte Unternehmen mit der Zeit gegangen sind und im Rahmen ihrer Organisation das Thema psychische Gesundheit berücksichtigen. Nach Angaben der WHO zeigen Studien, dass jeder Dollar, der in evidenzbasierte Maßnahmen gegen Depression und Angstzustände investiert wird, einen Ertrag von fünf Dollar abwerfen kann.6

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Eintreten für die Unterstützung der psychischen Gesundheit

Janus Henderson tritt seit langem für die Unterstützung der psychischen Gesundheit seiner Mitarbeiter ein und bietet dafür eine breite Palette an Möglichkeiten. Wir wollen die Gesundheit und das allgemeine Wohlergehen unserer Mitarbeiter und ihrer Familien fördern, in dem wir uns auf fünf miteinander verknüpfte Aspekte im Rahmen des Konzepts „Wohlergehen“ fokussieren: Beruf, Finanzen, Psyche, Körper und Soziales. Unser Ziel ist die Verbesserung des Wohlergehens unserer Mitarbeiter durch die Förderung des Bewusstseins dafür sowie die Bereitstellung unterschiedlicher Ressourcen und Programme, die Mitarbeitern den Wechsel zu einem gesünderen Lebensstil ermöglichen. Eine der Initiativen sind kostenlose Abonnements bei Headspace, einer mobilen Anwendung die Achtsamkeit und Meditation im Rahmen kleiner Übungen fördern soll und durch ein Programm zur Unterstützung der Mitarbeiter ergänzt wird.

„This is Me“

Seit 2018 ist Janus Henderson Sponsor von „This is Me“, einer wegweisenden Kampagne, die Stigmatisierung entgegenwirken, Mythen entkräften und eine Plattform für Mitarbeiter bieten soll, auf der sie mit ihren Kollegen ihre Erfahrungen im Umgang mit psychischer Gesundheit teilen können. Jedes Jahr arrangieren wir anlässlich des World Mental Health Day (10. Oktober) Events, die bei unseren Mitarbeitern das Bewusstsein für die psychische Gesundheit und das Wohlergehen wecken und unterstützen sollen.

„Training & Wellbeing Hub“

Darüber hinaus bietet Janus Henderson seinen Managern und Angestellten Trainings zur psychischen Gesundheit an. Wir verfügen weltweit über mehr als 50 ausgebildete „Mental Health Champions", die unseren Mitarbeitern zur Verfügung stehen. Sie können die Kollegen unterstützen und sie auf geeignete Ressourcen hinweisen.

Während der Pandemie haben wir anhand von Ressourcen unserer Zulieferer den „Wellbeing Hub“, um das Wohlergehen unserer Mitarbeiter in dieser schwierigen Zeit zu fördern. Beispielsweise war jeder Mittwoch im Juli dem Wohlergehen der Beschäftigten gewidmet. Dabei wurden alle Kollegen weltweit zum Besuch virtueller Webinare und zur Erkundung von Möglichkeiten eingeladen, die zur Förderung der sozialen, physischen und psychischen Gesundheit angeboten werden. Dies sorgt auch für einen stärkeren sozialen Austausch unter den mehr als 1000 teilnehmenden Mitarbeitern. Der „Wellbeing Hub" besteht als wertvolle Ressource fort und wird den Beschäftigten bei Janus Henderson Zusammen mit künftigen Initiativen weiter zugutekommen.

Nach der Pandemie

Auch nach der Pandemie werden die für psychische Gesundheit zuständigen Dienste wahrscheinlich unter erhöhtem Druck stehen, nachdem sie bereits zuvor unter Kapazitätsengpässe litten, da viele Menschen unter längerfristigen Problemen im Hinblick auf ihre psychische Gesundheit leiden. Während die Pandemie die psychische Gesundheit vieler Menschen beeinträchtigt und neue Barrieren für bereits darunter leidende Personen geschaffen hat, hat sie sich auch auf Menschen ausgewirkt, die zuvor nicht unter einer Beeinträchtigung der psychischen Gesundheit gelitten haben.

Post pandemic mental health

In Großbritannien beispielsweise gab die Statistikbehörde kürzlich bekannt, dass die Zahl der Erwachsenen, die Symptome von Depression aufweisen, sich gegenüber dem selben Zeitraum im Vorjahr fast verdoppelt hat.7 Daher ist es für uns aus Investorensicht wichtig, die Unternehmen in unseren Portfolios oder etwaige Anlagekandidaten dazu zu ermuntern, die erforderlichen Ressourcen zur Unterstützung ihrer Mitarbeiter vorzuhalten. Aus Arbeitgeberperspektive werden wir weiterhin unseren Angestellten Ressourcen zur Verfügung stellen, um jedem zu helfen, der gegenwärtig oder in der Zukunft mit Schwierigkeiten konfrontiert ist.

Footnotes

1 Mental health: strengthening our response, March 2018

www.who.int/en/news-room/fact-sheets/detail/mental-health-strengthening-our-response

2COVID-19 disrupting mental health services in most countries, Umfrage der WHO,

https://www.who.int/news-room/detail/05-10-2020-covid-19-disrupting-mental-health-services-in-most-countries-who-survey

3Mental Health In the Workplace, Mai 2019

https://www.who.int/mental_health/in_the_workplace/en/

4Policy Brief: COVID-19 and the Need for Action on Mental Health, 13 May 2020

https://www.un.org/sites/un2.un.org/files/un_policy_brief-covid_and_mental_health_final.pdf

5Lancet Commission: Inaction on Mental Health Crisis Will Cost World $16 Trillion by 2030,

https://globalmentalhealthcommission.org/wp-content/uploads/2018/10/Lancet-Commission-on-Global-Mental-Health-Press-Release.pdf

6 COVID‑19 disrupting mental health services in most countries, Umfrage der WHO,

https://www.who.int/news-room/detail/05-10-2020-covid-19-disrupting-mental-health-services-in-most-countries-who-survey 

7Coronavirus and depression in adults, Great Britain: Juni 2020

https://www.ons.gov.uk/peoplepopulationandcommunity/wellbeing/articles/coronavirusanddepressioninadultsgreatbritain/june2020

Die vorstehenden Einschätzungen sind die des Autors zum Zeitpunkt der Veröffentlichung und können von denen anderer Personen/Teams bei Janus Henderson Investors abweichen. Die Bezugnahme auf einzelne Wertpapiere, Fonds, Sektoren oder Indizes in diesem Artikel stellt weder ein Angebot oder eine Aufforderung zu deren Erwerb oder Verkauf dar, noch ist sie Teil eines solchen Angebots oder einer solchen Aufforderung.

 

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