David Elms, Leiter des Bereichs diversifizierte alternative Anlagestrategien, ermutigt Anleger, bei ihren Portfolios 2021 neue Denkansätze zu wagen, nachdem die Pandemie die Branchen dieses Jahr vor ungewohnte Herausforderungen gestellt hat.

Zentrale Erkenntnisse:

  • Die Wirksamkeit der COVID-19-Impfstoffe und die Auswirkungen der massiven Hilfspakete für die Wirtschaft zählen zu den wichtigsten Faktoren, die Anleger 2021 berücksichtigen sollten.
  • Das Vertrauen ist nach wie vor fragil, was sich an den höheren Erwartungen hinsichtlich der Marktvolatilität zeigt.
  • In diesem Umfeld werden unseres Erachtens anpassungsfähige alternative Anlagestrategien eine Rolle spielen, da sie sich an veränderte Marktbedingungen anpassen können.

Kurz vor dem Jahreswechsel sehen wir vor allem zwei Faktoren, die erneut für Unruhe an den Märkten sorgen könnten. Wir gehen davon aus, dass COVID-19 und seine Auswirkungen weiterhin im Mittelpunkt stehen werden, mit entsprechenden Risiken und Chancen für Anleger. COVID und die weltweite Impfreaktion werfen Fragen über die Logistik von Produktion, Lieferung und Impfung oder die Wirksamkeit eines zugelassenen Impfstoffs außerhalb von Studien auf. Es besteht das Risiko, dass die Impfstoffe nicht langfristig wirksam sind. Außerdem ist nicht klar, wie stark oder auf welche Weise das Virus mutieren könnte und wie die Impfstoffentwicklung dem gerecht werden kann.

Daneben wird die politische Reaktion zur Berücksichtigung dieses Aspekts ebenfalls eine entscheidende Rolle spielen. War die Stimulierung ausreichend, um die Wirtschaft wieder auf einen normaleren Wachstumskurs zu bringen? Oder waren die Unterstützungsmaßnahmen zu aggressiv, insbesondere in einem Szenario, in dem ein Impfstoff besser wirkt und früher kommt als erwartet? Anleger werden diese und andere Überlegungen bei ihren Entscheidungen mitberücksichtigen müssen. Im aktuellen Umfeld sind alte Marktnormen überholt, und Anleger müssen sich intensiver darum bemühen, Anlagestrategien zu finden, die ihren Anlagezielen gerecht werden.

Diversifizierungsaspekte

Die alternative Anlageklasse deckt ein breites Spektrum ab und umfasst alle finanziellen Vermögenswerte, die nicht in traditionelle Anlageklassen wie Aktien und Anleihen fallen. Wir sehen Chancen für anpassungsfähige Anlagelösungen, die ihre Allokation auf verschiedene Strategien verteilen können, wobei Kapital investiert oder abgezogen werden kann, wenn sich die Marktbedingungen ändern oder bestimmte Anlagemöglichkeiten mehr oder weniger überlaufen sind.

Diversifizierung ist für uns immer ein wichtiger Aspekt - nicht nur die Diversifizierung nach Anlageklassen, sondern echte Diversifizierung im Hinblick auf die zugrunde liegenden Performancetreiber. In den letzten dreißig Jahren haben Anleger allgemein von einem soliden, günstigen Marktumfeld für Aktien und Anleihen profitiert. Das hat jedoch dazu geführt, dass die Bewertungen dieser Anlageklassen im historischen Vergleich teuer sind.

Wir finden, es gibt gute Gründe dafür, dass Anleger in ihren Portfolios mehr Platz für alternative Anlagen machen. Letztlich kommt es auf die Kundenerfahrung an. Wenn Sie attraktive, risikobereinigte Renditen mit Performance-Treibern erzielen können, die wenig oder gar nicht mit Aktien und Anleihen oder Hedge-Fonds korrelieren, dann ist das im aktuellen Marktumfeld für einen Kunden wahrscheinlich besonders hilfreich.

Lektionen aus 2020

Dieses Jahr hat das Coronavirus die Märkte heftig erschüttert, wie der steile Anstieg der Volatilität zeigt. Grafik 1 ist eine einfache Abbildung der VIX-Kurve seit Anfang 2018. Sie zeigt deutlich die „ruhige“ Marktlage, die wie gesagt 2018-2019 insgesamt kennzeichnend war, sowie Ausmaß und Tempo des Volatilitätsanstiegs, als die COVID-bedingten Gefahren Anfang 2020 klar wurden.  Das ist keine neue Erkenntnis, umreißt aber klar, weshalb 2020 anders war.

Grafik 1: Die Erwartungen hinsichtlich der Marktvolatilität sinken, aber die Unsicherheit bleibt.

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Quelle: Bloomberg, 31. Dezember 2017 bis 29. November 2020. Der Volatilitätsindex (VIX) der Chicago Board Options Exchange (CBOE), das sogenannte „Angstbarometer“, erfasst die Erwartungen des Marktes auf Kursveränderungen innerhalb des S&P500 Index in den nächsten 30 Tagen.

Seit Langem sehen die Anleger gelassen dem entgegen, was sie am nächsten Morgen erwartet. In einem solchen Umfeld besteht häufig die Versuchung, mehr Risiken einzugehen, in der Regel durch Aufnahme von Schulden (um dieses Kapital zu investieren), um höhere Renditen zu erzielen und nichts zu verpassen.

Die Geschwindigkeit und das Ausmaß der Kursverluste im ersten Quartal 2020 haben uns daran erinnert, dass Schulden in einem schwierigen Umfeld gefährlich sein können, da sich viele Marktteilnehmer nicht schnell genug an die veränderten Marktbedingungen anpassen konnten. Die Gefahr einer Ansteckung wie im Jahr 2008 wurde gebannt, nachdem die US-Notenbank Fed zur Stabilisierung der Märkte eingeschritten war. Sie hatte 2018 wichtige Lektionen über die Bedeutung schnellen Handelns im Krisenfall gelernt.

Auch wenn wir im Kampf gegen COVID-19 einen Etappensieg errungen haben, warten 2021 noch viele Herausforderungen und sind Überraschungen nach wie vor möglich. Anleger sollten das unserer Meinung nach bei ihren Anlageentscheidungen in den kommenden Monaten berücksichtigen.