Nick Maroutsos, Co-Head of Global Bonds, erörtert die jüngsten Bemühungen der US-Notenbank (Fed) zur Entspannung des Finanzierungsumfelds und erläutert, weshalb die Perspektiven der Finanzmärkte jetzt von der Fiskalpolitik abhängen.

Zentrale Erkenntnisse

  • Aus unserer Sicht waren die jüngsten Notfallmaßnahmen der Fed – der Ankauf einer breiten Palette von Assets „im erforderlichen Umfang“ und die Bereitstellung zusätzlicher Kreditmittel für Unternehmen und Verbraucher – erforderlich, um die Liquidität an den Finanzmärkten sicherzustellen.
  • Allerdings glauben wir, dass die Initiative für weitere politische Maßnahmen nun von der Notenbank an den Gesetzgeber übergehen muss.

In den letzten Wochen hat die US-Notenbank mehrere Dringlichkeitssitzungen einberufen, ihren Leitzins auf null gesenkt, eine Ausweitung der Geldmenge angekündigt und Schritte zur Verbesserung der Liquidität am Geldmarkt eingeleitet. Das war allerdings nicht genug. Am 23. März 2020 kündigte die Fed in ihrer dritten Dringlichkeitssitzung an, dass sie grundsätzlich jedwede Wertpapiere kaufen wird, wenn dies zur Sicherstellung der Liquidität am Finanzmarkt erforderlich ist. Dabei erweiterte sie ihr Ankaufprogramm auf eine Palette, die ziemlich alles einschließlich Unternehmensanleihen und ETFs umfasst. In ihrer Ankündigung sagten Notenbankvertreter, dass bisherige Zielgrößen für Wertpapierankäufe hinfällig würden und stattdessen nun Käufe „im erforderlichen Umfang“ stattfinden. Außerdem kündigte die Fed neue Refinanzierungsprogramme an, die die Kreditvergabe an Unternehmen und Verbraucher unterstützen sollen.

Aus unserer Sicht war dies ein Schritt, den die Notenbank früher oder später hätte tun müssen. Was die Notenbank auf kurze Sicht noch unternehmen kann, ist schwierig zu prognostizieren. Die Initiative für weitere politische Maßnahmen muss nun von der Notenbank an den Gesetzgeber übergehen. Da weder die Fed noch der Kongress das Virus selbst in Griff bekommen können, muss die Notenbank mithilfe der Geldpolitik die Liquidität am Markt stützen. Jetzt liegt es am Kongress, in Abstimmung mit der Regierung von Präsident Donald Trump ein großangelegtes fiskalpolitisches Anreizpaket bereitzustellen.

Um sich stabilisieren zu können, benötigen die Finanzmärkte die Gewissheit, dass die Notenbank im derzeitigen volatilen Umfeld als aktiver Käufer auftritt. Selbst wenn die Bewertungen einiger Wertpapiere mit Blick auf die langfristigen Konjunkturaussichten attraktiv erscheinen mögen, ist das Risiko der Illiquidität schwer zu bewerten und schwer zu steuern. Daher sorgt die Verringerung des Liquiditätsrisikos an den Anleihenmärkten für wirksame Entlastung. Doch letztlich hängen die Bewertungen von den Wirtschaftsaussichten ab. Die Anleger benötigen zunächst eine bessere Vorstellung vom Ausmaß und der Dauer der wahrscheinlichen Rezession sowie die Gewissheit, dass eine fiskalpolitische Reaktion erfolgt, die dem Grad der wirtschaftlichen Einbußen angemessen ist.

Nach Aussage von James Bullard, Präsident der St. Louis Federal Reserve, könnte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der USA im zweiten Quartal um 50 % fallen und die Arbeitslosigkeit in den Vereinigten Staaten 30 % erreichen. Bei einem jährlichen BIP von 22 Billionen US-Dollar wurde ein 50%iger Rückgang des BIP in einem Quartal einem Volumen von rund 2,75 Billionen Dollar entsprechen. Zwar ist die Verbesserung der Liquidität an den Finanzmärkten notwendig, jedoch reicht sie nicht aus, um einen derartigen Einbruch der Produktion und der Unternehmenserträge auszugleichen.