Mittlerweile sind die Geldmengendaten für den Monat Mai im Euroraum, in Großbritannien und Kanada veröffentlicht worden, was die Berechnung der Geldmengenaggregate in den G7-Staaten ermöglicht.

Das Wachstum der weitgefassten Geldmenge in den G7-Staaten beschleunigte sich im letzten Monat auf 16,9 % – das war der schnellste Anstieg seit 1973. Der bisherige Höchststand nach dem Zweiten Weltkrieg wurde im November 1972 mit einem Wert von 18,3 % erreicht (siehe erste Grafik).

Das Wachstum der enggefassten Geldmenge (M1) hatte bereits den Höchststand nach dem Zweiten Weltkrieg übertroffen und erhöhte sich weiter auf 19,5 %.

In den USA ist das Wachstum der Geldmenge – sowohl der breitgefassten als auch der enggefassten – nach wie vor weit höher als in anderen Regionen (siehe zweite Grafik). Kanada befindet sich dabei auf Platz zwei, während Europa rasch aufholt. Interessanterweise hat das Wachstum der Geldmenge in Großbritannien das im Euroraum hinter sich gelassen, nachdem es seit Ende 2016 darunter gelegen hatte.

Welche Implikationen ergeben sich aus dem derzeitigen Wachstum der breitgefassten Geldmenge für das künftige Wachstum des nominalen BIP?

Eine monetaristische Daumenregel besagt, dass sich Änderungen der Geldmenge in der Nachfrage und der Wirtschaftsaktivität mit einer Verzögerung von 6-12 Monaten niederschlagen und sich auf die Preise nach etwa zwei Jahren auswirken. Das spricht für eine maximale Auswirkung auf das Wachstum des nominalen BIP nach rund sechs Quartalen.

Von 1965 bis 2018 lag die Differenz zwischen dem jährlichen Wachstum der weitgefassten Geldmenge in den G7-Staaten und dem jährlichen Wachstum des nominalen BIP sechs Quartale später durchschnittlich bei 1,4 %-Punkten. D. h. eine nachlassende Umlaufgeschwindigkeit des Geldes absorbierte 1,4 %-Punkte des Wachstums der breitgefassten Geldmenge.

Auf Basis dieses Durchschnittswerts lässt das derzeitige jährliche Wachstum der breitgefassten Geldmenge von 16,9 % Ende 2021 ein nominales BIP-Wachstum von 15-16 % erwarten.

Angesichts des derzeit extremen Wachstums der Geldmenge gibt es gute Gründe, von einer extremen Veränderung der Umlaufgeschwindigkeit auszugehen. Die Standardabweichung der Differenz zwischen dem jährlichen Wachstum der breit gefassten Geldmenge in den G-7-Ländern und dem jährlichen Wachstum des nominalen BIP sechs Quartale später lag im Zeitraum von 1965 bis 2018 bei 2,7 Prozentpunkten. Angenommen sei eine voraussichtliche Differenz von zwei Standardabweichungen gegenüber dem Durchschnitt, also 1,4 % plus 5,4 %-Punkte gleich 6,8 %-Punkte. Dann würde das derzeitige Wachstum der Geldmenge von 16,9 % ein nominales BIP-Wachstum von rund 10 % Ende 2021 implizieren.

Unter der Annahme, dass das Wachstum des realen BIP in den G7-Ländern auf 3-4 % begrenzt ist, wäre ein Wachstum des nominalen BIP von rund 10 % konsistent mit einer Inflationsrate von 6-7 %.

Zu beachten ist, dass sich diese Zahlen auf Ende 2021 beziehen. Zu diesem Zeitpunkt wird der positive Basiseffekt der „Shutdowns" der Volkswirtschaften im ersten und zweiten Quartal 2020 aus dem jährlichen BIP-Vergleich herausgefallen sein. Das bedeutet, dass das Wachstum des nominalen BIP im zweiten Quartal 2021 unabhängig von geldpolitischen Impulsen wahrscheinlich 10 % betragen wird.

Die „Quantitätstheorie des Vermögens“, die in früheren Beiträgen beschrieben wurde, unterstellt einen inversen Zusammenhang zwischen den Auswirkungen der breiten Geldmenge auf das nominale BIP und der Relation zwischen Vermögen und Einkommen. Demnach werden die Assetpreise und Vermögen auf lange Sicht in dem Maß stärker steigen, in dem sich der Anstieg der breit gefassten Geldmenge nicht in einem beschleunigten Wachstum des nominalen BIP widerspiegelt.

Das unwahrscheinlichste Ergebnis nach dieser Theorie ist in eine nachlassende Inflation gekoppelt mit einer Stagnation oder Deflation der Assetpreise – ein Szenario, das von vielen Anlegern als plausibel angesehen wird.