Hamish Chamberlayne, Head of Global Sustainable Equities macht sich Gedanken über die Entwicklungen im letzten Quartal des Jahres 2021 und betrachtet die künftigen Chancen im Bereich Nachhaltigkeit.

Key takeaways:

  • Länder rund um den Globus verpflichten sich zu einer immer stärkeren und schnelleren Reduzierung der Emissionen und beschleunigen damit den Übergang zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft.
  • Technologiewerten lagen im letzten Quartal 2021 auf den vorderen Plätzen, wobei viele große Technologiefirmen starke Renditen erzielten. Einige Software-Unternehmen litten jedoch unter unerwartet schwachen Ergebnissen, was die Wertentwicklung des Fonds bremste.
  • Wir gehen davon aus, dass das Jahr 2022 von anhaltenden Spannungen zwischen langfristigen Wachstumsunternehmen und der „Wiedereröffnung“ der Weltwirtschaft im Anschluss an die Pandemie geprägt sein wird, würden Anlegern jedoch dazu raten, sich von diesen kurzfristigen Turbulenzen nicht aus dem Konzept bringen zu lassen.

In den USA haben fortgesetzte geld- und fiskalpolitische Konjunkturmaßnahmen sowie starke Unternehmensgewinne für ein starkes Ende des Jahres 2021 gesorgt, in dem die meisten Aktienmärkte weltweit zulegen konnten. Die Phasen erhöhter Unsicherheit hielten sich jedoch hartnäckig, wobei Faktoren wie etwa Spekulationen über mögliche Zinsanhebungen sowie Inflationsdruck zur Folge hatten, dass sich der Enthusiasmus der Anleger in Grenzen hielt. Ansonsten war auch in Asien erhöhte Volatilität zu verzeichnen. Grund hierfür war die mit dem chinesischen Immobilienmarkt verbundene Ungewissheit – insbesondere in Verbindung mit dem hochverschuldeten Unternehmen Evergrande, das bei einigen seiner Schuldenzahlungen in Verzug geriet. Auch COVID-19 warf weiterhin einen Schatten über den Markt, da die Omicron-Variante des Virus einen neuerlichen Anstieg der weltweiten Infektionszahlen verursachte. Dies löste zwar im November einen erheblichen Abverkauf an den Aktienmärkten aus, erste Daten deuteten jedoch darauf hin, dass die Variante offenbar weniger gravierend sein könnte als ihre Vorgänger. Somit beendeten die globalen Aktienmärkte das Jahr schließlich mit Stärke.

Die langfristige Perspektive der COP26 ist vielversprechend

In puncto Nachhaltigkeit fand im November in Glasgow die 26. Klimakonferenz der Vereinten Nationen (COP26) statt. Die meisten der an der Konferenz teilnehmenden Länder haben zwar eingeräumt, dass die vorgeschlagenen Maßnahmen nicht ausreichen werden, um das Ziel einer Erwärmung um nur 1,5 Grad Celsius zu erreichen (dieses gilt wesentlich, um Umweltkatastrophen in den kommenden Jahren zu begrenzen), es wurden jedoch wichtige Fortschritte erzielt, und wir ziehen insgesamt eine positive Bilanz der Ergebnisse. Zu den Höhepunkten zählten ehrgeizigere Emissionsreduzierungsziele wichtiger Akteure wie China und Indien, eine Vereinbarung, dass alle Länder ihre national festgelegten Beiträge jährlich und nicht mehr nur alle fünf Jahre überprüfen werden, und mehr Klarheit über den Kohlenstoffausgleich.

Diese Faktoren sind für die Aktien im Portfolio wichtig. Wir betrachten die Lage aus einer längerfristigen Perspektive und glauben, dass die Richtung und das Tempo der Entwicklung wichtiger sind als einzelne Momentaufnahmen, die zeitlich mit einer globalen Konferenz zusammenfallen. Der entscheidende Punkt ist, dass auf der COP26 eine Einigung darüber erzielt wurde, dass die Dekarbonisierung beschleunigt werden muss.

Für das Jahr 2021 insgesamt konnten wir erhebliche Fortschritte bei der Umstellung auf kohlenstoffarme Technologien verzeichnen, wobei der Absatz von Elektrofahrzeugen gegenüber dem Vorjahr deutlich anstieg. Wir gehen davon aus, dass sich dieser Trend fortsetzen wird, da höhere Ölpreise und staatliche Initiativen die Nachfrage nach E-Fahrzeugen weiter ankurbeln werden. Die auf der COP26 erzielten Fortschritte in Bezug auf die Märkte für den Handel mit Emissionszertifikaten und die Transparenz bei der Bilanzierung und Berichterstattung über Ziele und Emissionen sollten ebenfalls einen starken Anreiz für Veränderungen darstellen.

Technologiefirmen an der Spitze – aber nicht alle

Der Technologiesektor stand im letzten Quartal des Jahres 2021 ganz vorne und verbuchte während des Zeitraums (in US-Dollar) zweistellige Zugewinne. Da sich der Technologiesektor während des Quartals bestens entwickelte und der Fonds diesen Sektor stark gewichtet hatte, hätten wir eigentlich eine kräftigere Gesamtperformance des Fonds erwartet. Allerdings entwickelten sich mehrere unserer Software-Positionen enttäuschend. Viele dieser Unternehmen zählen zu den Positionen, die unsere Performance in den letzten Jahren am stärksten angetrieben haben. Daher bestand Spielraum für Gewinnmitnahmen, nachdem sie Betriebsergebnisse gemeldet hatten, die knapp unter den Erwartungen lagen – auch wenn sie weiterhin schnell wachsen und nach wie vor attraktive Fundamentaldaten aufweisen.

Eine bunte Mischung an der Spitze

Den höchsten Performancebeitrag leistete im vergangenen Quartal Nvidia, das dem Portfolio über das gesamte Jahr hinweg gute Dienste geleistet hatte. Das Unternehmen erfreute sich einer lebhaften Nachfrage seitens der Anleger, da sich zunehmend Hinweise für die technologische Führungsposition des Unternehmens ausmachen lassen. Zudem spielt es bei der Erschließung des Potenzials des „Metaverse“ in verschiedenen Branchen eine zentrale Rolle, woraus sich ein zusätzlicher großer Zielmarkt für das Unternehmen ergibt.

Weiteren Auftrieb erhielt die Aktie, als das Unternehmen im November starke Gewinnzahlen vorlegte und seine GPU Technology Conference veranstaltete. Bei dieser stellte Nvidia seine „Omniverse“-Plattform vor, die darauf ausgelegt ist, 3D-Simulationsmöglichkeiten ebenso wie die Zusammenarbeit am Arbeitsplatz zu verbessern. Wir sind bezüglich der langfristigen Aussichten für Nvidia weiterhin zuversichtlich. Das Unternehmen hat sich erfolgreich als Plattform für Computer der nächsten Generation positioniert und weist attraktive Engagements im langfristigen Trend der Digitalisierung auf. Auch den Aspekt der Nachhaltigkeit begrüßen wir. Dieser zeigt sich in der Fähigkeit des Unternehmens, starke Effizienzsteigerungen an den Märkten für Rechenzentren sowie in der Unterhaltungs-/Gaming-Branche zu bieten.

Walker and Dunlop leistete ebenfalls einen erheblichen Beitrag zur Wertentwicklung. Die Aktie knüpfte an ihren jüngsten Aufwärtstrend an – zunächst dank der Übernahme von Alliant Capital, einem auf den Sektor für erschwinglichen Wohnraum spezialisierten Vermögensverwalter. In der Folge kletterte der Aktienkurs auf einen neuen Höchststand, nachdem das Unternehmen dank eines steigenden Transaktionsvolumens die Gewinn- und Umsatzerwartungen im Quartal übertroffen hatte. Ein Teil der Stärke war auf den verbesserten Einsatz von Technologie, steigende Umsätze im Segment der Mehrfamilienhäuser und das Wachstum im Digitalgeschäft zurückzuführen. Die Art und Weise, wie sich Walker and Dunlop als führendes Unternehmen in den Bereichen Mehrfamilienhäuser, ökologisches Bauen und erschwinglicher Wohnungsbau positioniert hat, beeindruckt uns ebenso wie die längerfristige Ausrichtung, die im ESG-Bericht 2020 des Unternehmens (dieser geht auf Umwelt-, Sozial- und Unternehmensführungsaspekte ein) dargelegt wurde.

Auch Evoqua Water Technologies legte robuste Quartalszahlen vor, die ein starkes Umsatzwachstum im Dienstleistungs- und Ersatzteilgeschäft sowie einen zunehmenden Auftragsbestand erkennen ließen. Bei dem Unternehmen handelt es sich um einen der führenden Anbieter von Wassertechnologien für die Aufbereitung und Reinigung von Wasser, der von Trends in Verbindung mit der Kreislaufwirtschaft und der Wiederverwendung und Wiederaufbereitung von Wasser profitiert. Das Unternehmen dürfte von dem kürzlich verabschiedeten US-Infrastrukturgesetz profitieren, das in den nächsten fünf Jahren 55 Mrd. USD für die Wasserinfrastruktur bereitstellt, unter anderem auch in Bereichen, in denen Evoqua über erhebliche Erfahrungen verfügt. Das Unternehmen ist außerdem gut aufgestellt, um davon zu profitieren, dass sich Unternehmen auf Nachhaltigkeit und die Minimierung des Wasserverbrauchs in ihren Betrieben konzentrieren.

Software enttäuscht

Apple ist nicht in unserem Portfolio enthalten, was angesichts der starken Performance der Aktie im Quartal negative Auswirkungen auf die relative Wertentwicklung hatte. Wir haben keine der FAANG-Aktien gehalten – entweder weil wir nicht unbedingt der Meinung waren, dass sie die Welt verbessern, oder weil wir der Meinung sind, dass sie immer noch Defizite im operativen ESG-Management aufweisen. Allerdings halten wir immer nach Verbesserungen Ausschau und haben gesehen, wie Apple die Energieeffizienz seiner Geräte mithilfe seines Designansatzes verbessert hat.

Trotz eines soliden dritten Quartals, in dem sowohl der Umsatz als auch die Bruttomargen deutlich gesteigert wurden, musste Avalara Kurseinbußen hinnehmen. Die Zahlen des Unternehmens lagen knapp unter dem Niveau des vorangegangenen Quartals, und diese geringfügige Abkühlung reichte aus, um Anleger dazu zu veranlassen, die Aktie abzustrafen. Wir halten den Kursrückgang jedoch für eine kurzfristige Reaktion. Unsere langfristige These ist unverändert. Während Unternehmen die Digitalisierung ihrer betrieblichen Abläufe fortsetzen, versetzen die von Avalara angebotenen Produkte die Kunden in die Lage, ihre Steuer- und Compliance-Abläufe präzise zu steuern. Das Unternehmen ist gut positioniert, um von der zunehmenden Beliebtheit des Online-Handels, der immer größer werdenden steuerlichen und aufsichtsrechtlichen Komplexität und der vermehrten Nutzung von Cloud Computing zu profitieren.

Die Aktie von Encompass Health gab nach unerwartet schwachen Ergebnissen nach, die vor allem den Störungen in Verbindung mit COVID-19 sowie steigenden Lohnkosten zuzuschreiben waren. Das Unternehmen lieferte nähere Einzelheiten zur durchgeführten strategischen Überprüfung und beschloss, seine Sparte für häusliche Krankenpflege auszugliedern. Wir gehen davon aus, dass sich die aktuellen Probleme als vorübergehend erweisen werden. Encompass profitiert vom Alterungstrend der Bevölkerung, da hierdurch Rehabilitations- und Behandlungseinrichtungen an Bedeutung gewinnen dürften. Darüber hinaus trägt der Einsatz von Technologie dazu bei, die Ergebnisse für die Patienten zu verbessern und gleichzeitig die Rentabilität zu steigern.

Ausblick auf das Jahr 2022

Im Jahr 2021 wurden Lieferkettenstörungen für viele Sektoren wie etwa Halbleiter, globale Energie und Konsumgüter zu einem ernsthaften Problem. Diese Schwierigkeiten haben die Anfälligkeit der Architektur der globalen „Just-in-time“-Lieferkette bloßgelegt und deutlich aufgezeigt, wie blind viele Lieferketten Hinblick auf Umwelt-, Sozial- und Unternehmensführungsaspekte (ESG) in Bereichen wie Menschenrechte und Umweltverschmutzung sind. Dies dürfte auch 2022 ein wichtiges Thema bleiben, mit Auswirkungen auf die Inflation, geopolitische Spannungen in Ländern wie China und Taiwan, Menschenrechte und Energiesicherheit.

Wir gehen davon aus, dass das Marktumfeld im Jahr 2022 – wie schon während der letzten zwölf Monate – von anhaltenden Spannungen zwischen Unternehmen mit langfristigen Wachstumsperspektiven und Firmen, die von der „Wiedereröffnung“ der Weltwirtschaft im Nachgang der Pandemie profitieren, geprägt sein wird. Wir sind davon überzeugt, dass die starken langfristigen Wachstumstrends der Digitalisierung, Elektrifizierung und Dekarbonisierung eine wichtige Rolle bei der Entwicklung einer nachhaltigeren Weltwirtschaft spielen und dabei unzählige Investitionsmöglichkeiten eröffnen werden. Es mag zwar zu erhöhter Marktvolatilität kommen, während die Weltwirtschaft mit dem zunehmenden Inflationsdruck zu kämpfen hat, der durch die aktuellen wirtschaftlichen und versorgungsbezogenen Verwerfungen entstanden ist, wir würden Anlegern jedoch raten, sich nicht von dem unvermeidlichen Hin und Her zwischen Wachstums- und Substanzwerten beirren zu lassen. Eine Phase erhöhter Inflation dürfte für das Wachstum vieler der Unternehmen, in die wir investieren, von Vorteil sein kann, da sie die Wirtschaftlichkeit nachhaltiger Unternehmen attraktiver macht und die Investitionen in die Energiewende beschleunigt.

Wir halten weiterhin nach Unternehmen Ausschau, die aufgrund dieser Entwicklungen attraktive Wachstumsperspektiven aufweisen. Außerdem suchen wir nach Unternehmen mit einer guten Innovationskultur und finanzieller Belastbarkeit. Wir sind nach wie vor begeistert von den vielfältigen Chancen, die sich im Jahr 2022 und danach bieten werden.

 

Glossar

Wachstumswerte – Aktien von Unternehmen, die in der Regel überdurchschnittliche Gewinne aufweisen und deren Wachstum voraussichtlich deutlich über dem durchschnittlichen Marktwachstum liegen wird.

Substanzwerte bzw. Value-Aktien – Aktien von Unternehmen, die im Verhältnis zu den Fundamentaldaten des Unternehmens, wie Dividenden, Gewinne oder Umsätze, zu einem niedrigeren Kurs gehandelt werden.

Volatilität – Das Ausmaß, in dem der Preis eines Portfolios, eines Wertpapiers oder eines Index nach oben und unten schwankt. Die Volatilität ist ein Maßstab für das mit einer Anlage verbundene Risiko.

Der Fonds ist gemäß der Offenlegungsverordnung als Fonds nach Artikel 9 klassifiziert und verfolgt ein Nachhaltigkeitsziel.