Zeit für eine Renaissance in Europa?

Zentrale Erkenntnisse

  • Die weltweite Reaktion auf die COVID-19-Pandemie kann die Inflation in Europa beschleunigen, da Politiker milliardenhohe Wiederaufbauhilfen versprechen und versuchen, die enorme Schuldenlast zu reduzieren.
  • Wir gehen zwar nicht davon aus, dass die Inflation in naher Zukunft steigt, halten es aber für wichtig, die Faktoren zu hinterfragen, die US-Wachstumstiteln und Anleihen zehn Jahre lang einen guten Lauf beschert haben.
  • Andere Faktoren, wie etwa die zunehmende Berücksichtigung von Umwelt-, Sozial- und Unternehmensführungs-Kriterien (ESG) und die voraussichtlich dominierende Rolle Asiens im 21. Jahrhundert könnten dazu führen, dass Europa die USA überholt.

Seit Jahren treiben Momentum-Strategien US-Wachstumsaktien immer weiter nach oben, wobei die hohen Bewertungen den steil nach oben gerichteten Aktienkursen entsprechen. Value-Manager haben sich dagegen ein ganzes Jahrzehnt ins stille Kämmerchen zurückgezogen und abgewartet. Ich denke, dass sie jetzt ruhig rauskommen und ins Licht blinzelnd sagen können: „Guten Morgen Europa!“

Es wäre dumm zu behaupten, dass die Allokation auf US-Growth in den letzten zehn Jahren ein Fehler war. Ganz im Gegenteil. Wir haben von unserer Warteposition aus beobachtet, wie Nasdaq und Technologieaktien von einem Rekord zum nächsten gejagt sind. Anleger hatten also keinen Grund, einer derart phänomenalen Dynamik den Rücken zu kehren. Seit Beginn der quantitativen Lockerung (QE) nach der großen Finanzkrise 2008 gehörte das Aktienuniversum den USA und Wachstumsaktien sowie anleiheähnlichen Aktien. Das hat dem Value-Segment letztendlich jahrelang unterdurchschnittliche Ergebnisse beschert. Wir finden allerdings, dass sich hier bereits etwas bewegt und die recht beachtliche Hausse bei Momentum-Aktien sich möglicherweise ihrem Ende zuneigt. Das liegt nicht nur daran, dass viele europäische Aktien zyklisch sind oder dass Europa gemessen an grundlegenden Bewertungskennzahlen wie dem Kurs-Gewinn-Verhältnis einfach „billiger“ ist. Wir denken vielmehr, dass der Katalysator inzwischen bekannt ist, nämlich COVID-19.

COVID-19: ein Katalysator für die Inflation?

Genauer gesagt, glauben wir, dass die globale Reaktion auf die COVID-19-Pandemie die Inflation in Europa beschleunigen kann. Die Pandemie hat den Politikern die Chance beschert, die Hebel den Zentralbanken abzuringen und unter ihre Kontrolle zu bringen. Wie gehen davon aus, dass die Politiker mit diesen Hebeln die Inflation ankurbeln werden. Warum? Die Welt steht vor einer kolossalen Schuldenlast, die Politiker nur allzu gern durch die Auswirkungen der Inflation abmildern würden. Die Gelegenheit dazu bekommen sie mit einer koordinierten Reaktion auf die COVID-19-Pandemie.

DIE LANGFRISTIGEN INFLATIONSERWARTUNGEN IN EUROPA SIND GESUNKEN


Quelle: Bloomberg, Daten vom 30. April 2004 bis 11. September 2020. Unter Verwendung des täglichen Mid Swaps. Anmerkung: Der 5-Jahres-EUR-Inflation Swapsatz ist eine gängige Kennzahl, die von Zentralbanken und Händlern verwendet wird, um die zukünftigen Inflationserwartungen am Markt zu bewerten..

Die europäische Antwort auf die Pandemie war unter anderem „Helikoptergeld“. Dabei versuchen die Zentralbanken, die Wirtschaft anzukurbeln, indem sie Bürgern direkt Geld zukommen lässt. In Großbritannien wurden beispielsweise 10 £-Gutscheine für die Öffentlichkeit verteilt, nach dem Motto „Essen gehen und helfen“ und Beschäftigten in Schlüsselpositionen Lohnerhöhungen über dem Inflationsniveau gewährt. Im Mai 2020 stellte die Europäische Union (EU) den Aufbauplan „Next Generation EU“ vor, ein Konjunkturpaket mit einem Volumen von 750 Mrd. Euro.1 Das heißt, es wird direkte Transfers aus dem sparsamen Norden, allen voran Deutschland, in den verschwenderischen Süden, unter anderem Italien und Spanien, geben. Man kann mit Fug und Recht sagen, dass ein direkter Geldtransfer in dieser Höhe ohne die Pandemie nie in Frage gekommen wäre. Wir wären nicht überrascht, wenn weitere Transfers kommen würden. Ein Inflationsanstieg ist für all das von entscheidender Bedeutung: Wenn wir richtig liegen und die Inflation wieder steigt, können Europa und andere Value-Regionen es langsam wieder mit den USA aufnehmen.

Wir prognostizieren allerdings weder für heute, noch für morgen oder gar dieses Jahr eine Inflation. Was wir damit sagen wollen, ist, dass die Gefahr besteht, dass „das Undenkbare“ geschieht und die Inflation zurückkehrt, während die Welt aktuell beruhigt ist und sich mit Deflation und Disinflation einrichtet. Anleihemanager werden uns zwar mit dem Verweis auf den Verlauf der Renditekurve vielleicht für verrückt erklären, Aber wir meinen, dass es an der Zeit ist, zumindest die Frage zu stellen, welche Strategie in den letzten 10 Jahren am erfolgreichsten war.

Geopolitische Unterstützung

Ein weiterer Katalysator für Europa liegt auf der geopolitischen Ebene. Europa erlebt sozusagen einen „glimpflichen Pandemieverlauf“, in den USA ist es nach Ansicht vieler eher eine Katastrophe. Das liegt allerdings bei Weitem nicht nur an politischen Persönlichkeiten, wenngleich diese für viele wesentlich dazu beitragen. Dies bestärkt uns auch in unserer Auffassung, dass wir am Ende des amerikanischen und am Anfang des asiatischen Jahrhunderts stehen. Hier einige Hintergrundinformationen. Das neunzehnte Jahrhundert war von Europa und dem britischen Imperialismus dominiert. Bald darauf, im zwanzigsten Jahrhundert, stieg Amerika zur Weltmacht auf. Jetzt ist Asien auf dem Vormarsch. Prognosen zufolge wird der Kontinent bis 2040 mehr als 50% des weltweiten BIP erwirtschaften und fast 40% des globalen Konsums ausmachen.2 Unserer Meinung nach ist Europa erheblich besser aufgestellt, um von dem bevorstehenden asiatischen Jahrhundert zu profitieren als die USA.

Das grüne Rennen gewinnen

Wir müssen auch bedenken, dass ein neuer Wettlauf um erneuerbare Energien begonnen hat. Die Gewinner des Wettstreits im Technologierennen wurden bereits bekannt gegeben. Hier wurden die USA zum Sieger gekürt, aber wir denken, dass Europa gute Chancen hat, im Bereich ESG das Rennen zu machen. Die EU rückt Nachhaltigkeit in den Mittelpunkt und stellt mit dem Green Recovery Fund fast 550 Mrd. Euro für Projekte im Bereich erneuerbare Energien bereit. Dies ist das größte Klimaversprechen, das jemals gemacht wurde, und bringt den Wunsch der EU zum Ausdruck, den Schwung zu erhalten und ihre Führungsposition bei allen ESG-Themen auszubauen. Die USA lässt sich bei ESG-Themen dagegen deutlich mehr Zeit.s

Wir sind überzeugt, dass sich die Märkte einem wichtigen Wendepunkt nähern und dass Anlagen nach dem Grundsatz „kauf Wachstumswerte und vergiss sie“ vielleicht endlich wirklich hinterfragt werden. Unsere Anlagephilosophie und die von uns bevorzugten Aktien zeichnen sich unter anderem durch starke Bilanzen und Generierung von Cashflows aus. Das mag zwar manchmal altmodisch erscheinen, nicht zuletzt angesichts der großen Liebe zu „Disruptoren“ und anderen teuren Abenteuern. Vielleicht werden sich alt hergebrachte Grundsätze der Finanzwelt in Zeiten wie diesen aber bewähren. Wir glauben, dass die COVID-19-Pandemie als Wegbereiter für einen neuen politischen Zeitgeist gelten wird, der Hoffnungen für einige traditionelle Value-Sektoren des Aktienmarkts geweckt hat. Es könnte sogar das Undenkbare bedeuten, nämlich dass „Europäische Value-Aktien“ nun das Potential haben, das „US-Growth-Segment“ zu überholen. Vergessen Sie es lieber wieder.

 

 

1 Von der Europäischen Kommission am 27. Mai 2020 an das Europäische Parlament in Brüssel kommuniziert.

2 McKinsey Global Institute Diskussionspapier: Asia‘s future is now, vom 14. Juli 2019.

Aktienähnliche Anleihe Ein Anlageprodukt, das die Performance einer Anleihe nachbildet, aber keine Anleihe ist. Der Begriff kann für Aktien z. B. im Bereich Basiskonsumgüter und Versorger mit ihren oft „sicheren“ und vorhersehbaren, anleiheähnlichen Renditen verwendet werden, die aber höhere Renditen als der Anleihenmarkt haben können.

Kurs-Gewinn-Verhältnis: (KGV) Eine viel verwendete Kennzahl zur Bewertung der Aktien eines Unternehmens. Es wird ermittelt, indem der aktuelle Aktienkurs durch den Gewinn pro Aktie dividiert wird. Im Allgemeinen deutet ein hohes KGV darauf hin, dass die Anleger für die Zukunft ein hohes Gewinnwachstum erwarten, allerdings kann auch ein (vorübergehender) Gewinneinbruch zu einem hohen KGV führen.

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Janus Henderson Fund (der „Fonds“) ist eine SICAV nach luxemburgischem Rech, am 26. September 2000 gegründet, und wird von Henderson Management S.A. gemanagt.
    Specific risks
  • Aktien können schnell an Wert verlieren und beinhalten in der Regel höhere Risiken als Anleihen oder Geldmarktinstrumente. Daher kann der Wert Ihrer Investition steigen oder fallen.
  • Aktien kleiner und mittelgroßer Unternehmen können volatiler sein als Aktien größerer Unternehmen und bisweilen kann es schwierig sein, Aktien zu bewerten oder zu gewünschten Zeitpunkten und Preisen zu verkaufen, was das Verlustrisiko erhöht.
  • Wenn ein Fonds ein hohes Engagement in einem bestimmten Land oder in einer bestimmten Region hat, trägt er ein höheres Risiko als ein Fonds, der breiter diversifiziert ist.
  • Dieser Fonds kann im Verhältnis zu seinem Anlageuniversum oder anderen Fonds seines Sektors ein besonders konzentriertes Portfolio aufweisen. Ein ungünstiges Ereignis, das sich nur auf eine kleine Zahl von Positionen auswirkt, könnte zu einer erheblichen Volatilität oder zu erheblichen Verlusten für den Fonds führen.
  • Der Fonds kann Derivate einsetzen, um das Risiko zu reduzieren oder das Portfolio effizienter zu verwalten. Dies bringt jedoch andere Risiken mit sich, insbesondere das Risiko, dass ein Kontrahent von Derivaten seinen vertraglichen Verpflichtungen möglicherweise nicht nachkommt.
  • Wenn der Fonds Vermögenswerte in anderen Währungen als der Basiswährung des Fonds hält oder Sie in eine Anteilsklasse investieren, die auf eine andere Währung als die Fondswährung lautet (außer es handelt sich um eine abgesicherte Klasse), kann der Wert Ihrer Anlage durch Wechselkursänderungen beeinflusst werden.
  • Wertpapiere innerhalb des Fonds können möglicherweise schwer zu bewerten oder zu einem gewünschten Zeitpunkt und Preis zu verkaufen sein, insbesondere unter extremen Marktbedingungen, wenn die Preise von Vermögenswerten möglicherweise sinken, was das Risiko von Anlageverlusten erhöht.
  • Der Fonds könnte Geld verlieren, wenn eine Gegenpartei, mit der er Handel treibt, ihren Zahlungsverpflichtungen gegenüber dem Fonds nicht nachkommen kann oder will, oder als Folge eines Unvermögens oder einer Verzögerung in den betrieblichen Abläufen oder des Unvermögens eines Dritten.
Janus Henderson Horizon Fund (der „Fonds“) ist eine SICAV nach luxemburgischem Recht, die am 30. Mai 1985 gegründet wurde und von Henderson Fund Management S.A.
    Specific risks
  • Aktien können schnell an Wert verlieren und beinhalten in der Regel höhere Risiken als Anleihen oder Geldmarktinstrumente. Daher kann der Wert Ihrer Investition steigen oder fallen.
  • Wenn ein Fonds ein hohes Engagement in einem bestimmten Land oder in einer bestimmten Region hat, trägt er ein höheres Risiko als ein Fonds, der breiter diversifiziert ist.
  • Wenn der Fonds Vermögenswerte in anderen Währungen als der Basiswährung des Fonds hält oder Sie in eine Anteilsklasse investieren, die auf eine andere Währung als die Fondswährung lautet (außer es handelt sich um eine abgesicherte Klasse), kann der Wert Ihrer Anlage durch Wechselkursänderungen beeinflusst werden.
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  • Der Fonds weist ein hohes Maß an Kauf- und Verkaufsaktivitäten auf, sodass höhere Transaktionskosten entstehen als bei einem Fonds, der weniger häufig handelt. Diese Transaktionskosten fallen zusätzlich zu den laufenden Kosten des Fonds an.
  • Der Fonds könnte Geld verlieren, wenn eine Gegenpartei, mit der er Handel treibt, ihren Zahlungsverpflichtungen gegenüber dem Fonds nicht nachkommen kann oder will, oder als Folge eines Unvermögens oder einer Verzögerung in den betrieblichen Abläufen oder des Unvermögens eines Dritten.
Janus Henderson Fund (der „Fonds“) ist eine SICAV nach luxemburgischem Rech, am 26. September 2000 gegründet, und wird von Henderson Management S.A. gemanagt.
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  • Aktien können schnell an Wert verlieren und beinhalten in der Regel höhere Risiken als Anleihen oder Geldmarktinstrumente. Daher kann der Wert Ihrer Investition steigen oder fallen.
  • Aktien kleiner und mittelgroßer Unternehmen können volatiler sein als Aktien größerer Unternehmen und bisweilen kann es schwierig sein, Aktien zu bewerten oder zu gewünschten Zeitpunkten und Preisen zu verkaufen, was das Verlustrisiko erhöht.
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  • Der Fonds könnte Geld verlieren, wenn eine Gegenpartei, mit der er Handel treibt, ihren Zahlungsverpflichtungen gegenüber dem Fonds nicht nachkommen kann oder will, oder als Folge eines Unvermögens oder einer Verzögerung in den betrieblichen Abläufen oder des Unvermögens eines Dritten.