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Sind 60/40-Portfolios noch interessant?

Mario Aguilar De Irmay, CFA

Mario Aguilar De Irmay, CFA

Senior Portfolio-Strategin


Sabrina Geppert

Sabrina Geppert

Senior Portfolio-Strategin


Matthew Bullock

Matthew Bullock

Leiter des Bereichs EMEA – Portfoliokonstruktion und Strategie


12. Jul 2022
4 Minuten Lesezeit

Die Serie Signal and Noise vom Team für Portfoliokonstruktion und Strategie von Janus Henderson zielt darauf ab, historische Muster und Präzedenzfälle zu identifizieren, die uns helfen können, aktuelle Marktherausforderungen zu betrachten, dem rigiden Rahmen der Analyse zu entkommen und eine Reihe von brauchbaren Portfoliolösungen zu entwickeln.

Der erste und zweite Beitrag in unserer Reihe Signal and Noise zielten darauf ab,  Inversionen der Renditekurve zu entmystifizieren und das Rezessionsrisiko in den USA zu entschlüsseln. Beide Artikel befassten sich zwar mit der Beziehung zwischen wirtschaftlichen Rezessionen, Marktrenditen und den damit verbundenen Auswirkungen auf die Anlagen, aber die Frage, ob wir auf eine Rezession zusteuern oder nicht, ist im Moment nicht unbedingt die größte Sorge der Anleger. Nach den dramatischen Ausverkäufen sowohl bei Aktien als auch bei festverzinslichen Wertpapieren in diesem Jahr fragen sich viele Anleger, ob die hohen Korrelationen zwischen Aktien und Anleihen bedeuten, dass das traditionelle 60/40-Portfolio seinen Reiz verloren hat – d. h. das Diversifizierungspotenzial, das die Beziehungen zwischen Aktien und Anleihen in der Vergangenheit ausgemacht hat.

Die kurzfristigen Korrelationen zwischen Aktien und Anleihen sind derzeit hoch ... und jetzt?

Nachlaufende Sechsmonatskorrelation zwischen dem S&P 500® Index und US-Staatsanleihen

Quelle: Morningstar, Stand: 30. Juni 2022. Nachlaufende Sechsmonatskorrelation zwischen den Indizes S&P 500 Total Return USD und Bloomberg US Aggregate Total Return USD. Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein Hinweis auf die zukünftigen Renditen.

Wir sind der Meinung, dass der diesjährige parallele Rückgang von Aktien und festverzinslichen Wertpapieren darauf zurückzuführen ist, dass die Märkte angesichts der höchsten Inflation seit 40 Jahren und der Versuche der Zentralbanken, diese Inflation durch eine quantitative Straffung einzudämmen und die rekordniedrigen Zinssätze zu beenden, drastisch neu bewertet wurden. Diese Neubewertung ist zwar schmerzhaft, aber wir sind der Ansicht, dass sie als Marktkorrektur und nicht als Krise betrachtet werden sollte. Auch wenn viele befürchten, dass die hohe Korrelation zwischen Aktien und Anleihen das Ende des Diversifizierungspotenzials von Anleihen signalisiert, so zeigen doch die Ausverkäufe an den Märkten in der Vergangenheit, dass der Rentenmarkt in Krisenzeiten immer wieder als Ballast fungieren konnte.

Anleihen sorgten bei vergangenen Marktkorrekturen für eine Diversifizierung des Portfolios

Quelle: Morningstar, Stand: 30. Juni 2022. Nachlaufende Sechsmonatskorrelation zwischen den Indizes S&P 500 Total Return USD und Bloomberg US Treasury Total Return USD. Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein Hinweis auf die zukünftigen Renditen.

In den letzten 20 Jahren konnten Staatsanleihen die Diversifizierung bieten, die Anleger bei einem Ausverkauf am Aktienmarkt suchen. Bemerkenswert ist, dass dieses Diversifizierungspotenzial unabhängig von der Entwicklung der Zinssätze besteht:

  • Zu Beginn des Abschwungs 2011 waren die Zinsen ähnlich hoch wie heute. Damals wurde die Kreditwürdigkeit der USA herabgestuft, aber die Stärke von US-Treasuries als größte und liquideste der sicheren Anlageklassen war ungebrochen. Der Markt reagierte darauf, indem er – so unglaublich das klingen mag – US-Staatsanleihen kaufte. Mit anderen Worten: Die Fähigkeit der US-Regierung, ihre Schulden zurückzuzahlen, wurde herabgestuft, aber die Anziehungskraft als 'sicherer Hafen' blieb bestehen, und die Kreditkosten wurden infolgedessen günstiger.
  • Zu Beginn der COVID-19-Pandemie waren die Zinssätze etwa halb so hoch wie heute, und dennoch fielen die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen von 1,56% auf 0,76% und erreichten im Laufe des Aktienausverkaufs (19. Februar bis 23. März 2020) 5,31%.

Obwohl es unmöglich ist, vorherzusagen, wann und ob in den USA eine Rezession eintreten wird, halten wir es für wichtig zu erkennen, dass wir uns auf ein Umfeld mit langsamerem Wachstum zubewegen. Mit einer Rendite von 3,10 % für zehnjährige US-Staatsanleihen (Stand: 29. Juni 2022) ist das Renditepolster bei festverzinslichen Kernwerten relativ hoch. Anstatt sich über korrelationsbedingte nachteilige Entwicklungen Sorgen zu machen, sollten sich die Anleger unserer Meinung nach auf die potenziellen Vorteile einer Allokation in Kernanleihen als Risikodiversifizierer in ihren Portfolios konzentrieren.

Der seit Jahresbeginn anhaltende Ausverkauf an den Rentenmärkten bietet Anlegern zahlreiche Möglichkeiten, ihr Engagement in historisch defensiven Sektoren mit Renditen zu erhöhen, die in letzter Zeit eher Marktbereichen mit höherem Risiko vorbehalten waren. Unter diesen defensiven Sektoren sehen wir Möglichkeiten, in verschiedene Bereiche der Verbriefungsmärkte zu investieren - insbesondere in hypothekarisch gesicherte Wertpapiere (Agency Mortgage Backed Securities), deren Renditen tendenziell wesentlich höher sind als die vieler anderer defensiver Sektoren. Wir sind uns jedoch darüber im Klaren, dass diese defensiven Sektoren den größten Wert bieten, wenn sich das Wachstum deutlich verlangsamt und ab diesem Zeitpunkt tatsächlich ein Ausverkauf an den Aktienmärkten erfolgt.

Informationen zum Portfolio Construction and Strategy Team

Das PCS Team führt maßgeschneiderte Analysen von Anlageportfolios durch und bietet differenzierte, datengestützte Diagnosen. Aus einem breit gestreuten Universum von Tausenden von Modellen identifiziert das Team Trends, Themen und potenzielle Gelegenheiten für den Portfolioaufbau, die seiner Ansicht nach interessant und für jeden Anleger vorteilhaft sind.

Hinweis:

Eine Diversifizierung garantiert weder das Erzielen von Gewinnen noch eliminiert es das Risiko von Anlageverlusten.

Die Rendite zehnjähriger Treasuries ist der Zinssatz auf US-Staatsanleihen, die in zehn Jahren ab Kaufdatum fällig werden.

Der Bloomberg U.S. Aggregate Bond Index ist ein breit angelegter Maßstab für den Markt für festverzinsliche steuerpflichtige Anleihen mit Investment-Grade-Rating, die auf US-Dollar lauten.

Die Korrelation  misst den Grad, in dem sich zwei Variablen relativ zueinander bewegen. Ein Wert von 1,0 bedeutet, dass sie sich parallel bewegen, -1,0 bedeutet, dass sie sich in entgegengesetzte Richtungen bewegen, und 0,0 bedeutet, dass keine Beziehung besteht.

Beteiligungspapiere unterliegen Risiken, einschließlich des Marktrisikos. Die Renditen schwanken in Abhängigkeit von Emittenten sowie von politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen.

Festverzinsliche Wertpapiere unterliegen dem Zins-, Inflations-, Kredit- und Ausfallrisiko. Der Anleihemarkt ist volatil. Wenn die Zinsen steigen, fallen die Anleihekurse normalerweise und umgekehrt. Die Rückzahlung des Kapitals ist nicht garantiert, und die Kurse können sinken, wenn ein Emittent seine Zahlungen nicht pünktlich leistet oder wenn sich seine Bonität verschlechtert.

Hochzins- oder Ramschanleihen  bergen ein höheres Ausfall- und Volatilitätsrisiko und können plötzlichen und kräftigen Kursschwankungen unterliegen.

Hypothekenbesicherte Wertpapiere (MBS) können empfindlicher auf Zinsänderungen reagieren. Sie unterliegen dem Verlängerungsrisiko, bei dem die Kreditnehmer die Laufzeit ihrer Hypotheken bei steigenden Zinsen verlängern, und dem Vorfälligkeitsrisiko, bei dem die Kreditnehmer ihre Hypotheken bei sinkenden Zinssätzen früher abbezahlen. Diese Risiken können die Rendite schmälern.

Quantitative Straffung ist ein kontraktives geldpolitisches Instrument, das von den Zentralbanken eingesetzt wird, um die Liquidität oder Geldmenge in der Wirtschaft zu verringern.

Der S&P 500® Index spiegelt die Wertentwicklung US-amerikanischer Large Caps wider und repräsentiert die Entwicklung des breiten US-Aktienmarktes.

US-Staatsanleihen sind direkte Schuldverschreibungen, die von der US-Regierung begeben werden. Bei Staatsanleihen ist der Anleger ein Gläubiger der Regierung. Schatzwechsel und US-Staatsanleihen werden durch das volle Vertrauen und den Kredit der US-Regierung garantiert, gelten im Allgemeinen als frei von Kreditrisiken und weisen in der Regel niedrigere Renditen auf als andere Wertpapiere.

EineRenditekurvestellt die Renditen (Zinssätze) von Anleihen mit gleicher Bonität, aber unterschiedlichen Fälligkeiten dar. In der Regel bieten Anleihen mit längeren Laufzeiten höhere Renditen.

Die vorstehenden Einschätzungen sind die des Autors zum Zeitpunkt der Veröffentlichung und können von denen anderer Personen/Teams bei Janus Henderson Investors abweichen. Die Bezugnahme auf einzelne Wertpapiere, Fonds, Sektoren oder Indizes in diesem Artikel stellt weder ein Angebot oder eine Aufforderung zu deren Erwerb oder Verkauf dar, noch ist sie Teil eines solchen Angebots oder einer solchen Aufforderung.

 

Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein zuverlässiger Indikator für die künftige Wertentwicklung. Alle Performance-Angaben beinhalten Erträge und Kapitalgewinne bzw. -verluste, aber keine wiederkehrenden Gebühren oder sonstigen Ausgaben des Fonds.

 

Der Wert einer Anlage und die Einkünfte aus ihr können steigen oder fallen. Es kann daher sein, dass Sie nicht die gesamte investierte Summe zurückerhalten.

 

Die Informationen in diesem Artikel stellen keine Anlageberatung dar.

 

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