Angesichts der wirtschaftlichen Erholung könnten zyklische Wachstumswerte zusammen mit langfristig wachsenden Unternehmen die Gewinne im Technologiesektor mittelfristig nach oben katapultieren, so Denny Fish.

Wichtige Erkenntnisse:

  • Die Wiederbelebung der Weltwirtschaft dürfte Tech-Aktien Auftrieb verschaffen, die stärker von der Konjunkturentwicklung abhängig sind.
  • Zyklische Wachstumswerte, die sich auf der richtigen Seite der digitalen Kluft befinden, werden voraussichtlich ihre Aussichten mit jedem weiteren Konjunkturzyklus verbessern.
  • Unserer Auffassung nach verläuft die Entwicklung bestimmter Technologiewerte nach einem sich wiederholenden Muster, je nachdem, in welcher Phase der wirtschaftlichen Erholung sie sich befinden.

Die Performance von Tech-Aktien der vergangenen Monaten spiegelt die allgemeine Marktentwicklung wider, allerdings auf eine nuanciertere Art und Weise als das Narrativ, gemäß dem höhere Zinsen die Gewinne von wachstumsstarken Tech-Aktien unter Druck setzen würden. Steigende Zinsen sind vielmehr die Folge davon, dass die Anleger einen weltweiten wirtschaftlichen Aufschwung erwarten. Doch angesichts der Widrigkeiten des vergangenen Jahres sollte jeder Anleger diese Entwicklung begrüßen. Erwartungsgemäß erholten sich in der einsetzenden Erholung konjunktursensitivere Aktien zuerst. Diese Dynamik entfaltete sich im Tech-Sektor, da zyklischere und wertorientierte Titel zu den Marktführern des Jahres 2021 gehören.

Konvergierende positive Faktoren

Im Verlauf und bereits vor der Pandemie gab es zahlreiche Stimmen, die makroökonomische Faktoren für den übermäßigen Einfluss auf die Entwicklung der Finanzmärkte verantwortlich machten. Wir sind jedoch der Auffassung, dass in dem Maße, in dem die Wirtschaft zu einer gewissen Normalität zurückfindet, der primäre Treiber für die Aussichten eines einzelnen Aktientitels richtigerweise wieder die Erträge sein werden. Unserer Einschätzung nach ist das Potenzial für ein Gewinnwachstum im Technologiesektor hoch. Unser Optimismus speist sich aus dem Zusammenwirken zweier Kräfte: zum einen von einer globalen Erholung, von der die konjunktursensitiveren Teilsektoren profitieren dürften, und zum anderen von der anhaltenden Stärke langfristiger Themen, die im Pandemieverlauf in vielerlei Hinsicht an Bedeutung gewonnen haben, da sich Unternehmen und Haushalte an eine zunehmend digitale Weltwirtschaft angepasst haben.

Schrittweise Entwicklung

Mit dem Aufschwung der Wirtschaft stellen sich zahlreiche Branchen auf einen sprunghaften Nachfrageanstieg ein. Wir gehen davon aus, dass sich in den kommenden Monaten eine ähnliche Entwicklung vollziehen wird wie in anderen frühzyklischen Erholungsphasen. Dabei werden die Aussichten der Unternehmen davon abhängen, an welcher Stelle ihre Produkte in den Verlauf der wirtschaftlichen Erholung passen.

Der erste wichtige Faktor für die Erholung besteht darin, die Branchen in die Lage zu versetzen, ihre Produktion nach einem Jahr des Nachfragestaus wieder hochzufahren. Angesichts der zunehmenden Digitalisierung der Weltwirtschaft wird diese Anstrengung erhebliche halbleiterintensive Rechenkapazitäten erfordern. Industrieunternehmen, Automobilhersteller und alle Branchen, die mit dem Internet der Dinge (IoT) zu tun haben, werden sich wahrscheinlich darum reißen, in die Auftragsbücher der weltweiten Chiphersteller zu gelangen. Dieser Nachfrageschub bei Computerchips vollzieht sich in einer Phase, in der es zu den bekannten Lieferengpässen kommt, was den Halbleiterherstellern in die Karten spielt.

Steigender Konsum kristallisiert sich als zweiter wichtige Faktor für die Erholung heraus. Um in der Wahrnehmung der Verbraucher ganz vorne mitzuspielen, erhöhen die Unternehmen ihre Werbebudgets. Diese Initiativen machen sich bereits in steigenden Einnahmen der großen digitalen Werbeplattformen bemerkbar.

Sobald die Unternehmen die Aufmerksamkeit der Verbraucher auf sich ziehen, müssen ihre Käufe bezahlt werden. Von diesem dritten wichtigen Faktor profitieren Zahlungsdienstleister, die immer stärker digital agieren. Vor dem Hintergrund, dass diese Unternehmen in einem späteren Stadium des Erholungsverlaufs ins Spiel kommen und der grenzüberschreitende Handel nach wie vor schwach ist, dürften sich ihre Aussichten erst dann wesentlich verbessern, wenn der Aufschwung bereits deutlich an Fahrt aufnimmt.

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Zyklische Treiber erfassen

Im Laufe des Jahres 2021 lenken Anleger, die in den großen, von den Lockdowns profitierenden Internetplattformen investiert sind, ihre Aufmerksamkeit verstärkt auf Unternehmen, die bei einer breiteren wirtschaftlichen Erholung gut abschneiden dürften. Anleger müssen sich jedoch darüber im Klaren sein, dass nicht alle zyklischen Unternehmen gleich aufgestellt sind. Viele dieser Unternehmen mögen von einem ersten Strohfeuer einer Konjunkturbelebung profitieren, ihre längerfristigen Aussichten hingegen könnten sich unverändert als problematisch erweisen.

Stattdessen sollten Anleger unserer Meinung nach versuchen, sich auf Unternehmen zu konzentrieren, die als zyklisches Wachstumsunternehmen eingestuft werden. Solche Unternehmen sind zwar nach wie vor anfällig für konjunkturelle Schwankungen, befinden sich aber unserer Meinung nach auf der richtigen Seite der digitalen Kluft. Daher gehen wir davon aus, dass die Höhen und Tiefen, die diese zyklischen Wachstumsunternehmen verzeichnen werden, in jedem aufeinanderfolgenden Zyklus schrittweise höher ausfallen. Halbleiter sind hierfür ein gutes Beispiel. Während die Chip-Nachfrage unweigerlich zyklisch bleiben wird, dürfte die Breite der Produkte, die einen immer höheren Chip-Anteil verlangen, die Untergrenze eines jeden Zyklus schrittweise anheben.

Vor dem Hintergrund dieses zyklischen Auftriebs bergen die kommenden Quartale das Potenzial, eine beispiellose Phase für den Technologiesektor zu werden: Zyklische Wachstumsunternehmen sind unserer Ansicht nach gut positioniert, um von den Chancen des wirtschaftlichen Aufschwungs zu profitieren, wohingegen langfristig ausgerichtete Unternehmen von der Cloud, der künstlichen Intelligenz, dem IoT und der 5G-Konnektivität profitieren werden, die die Weltwirtschaft in eine digitale Zukunft führen.

Zyklische Unternehmen: Unternehmen, die sehr sensitiv auf Veränderungen in der Wirtschaft reagieren, d.h. Unternehmen, die erheblich von den Schwankungen der Gesamtwirtschaft beeinflusst werden.

Value-Unternehmen: Aktien, die vom Markt als unterbewertet eingeschätzt werden und in der Erwartung gekauft werden, dass ihr Aktienkurs steigen wird.