Glen Finegan, Leiter des Bereichs Schwellenländeraktien (Emerging Market Equities), gibt Einblick in die neusten Entwicklungen der Henderson Emerging Markets Strategy. Dabei geht er neben einem Ausblick für die Anlageklasse auf aktuelle Markttreiber, Performance und Aktivitäten ein.

Fondsperformance im 1. Quartal

Auf die kräftigen Kursverluste beim MSCI Emerging Markets Index im Januar folgte eine starke Rally im Februar und März, mit der die Anlageklasse das erste Quartal doch noch mit positivem Vorzeichen abschließen konnte.

In einem Markt mit allgemeiner Aufwärtstendenz entwickelten sich meine Fonds überdurchschnittlich. Günstig für die Wertentwicklung war die Anlage beim Goldproduzenten Newcrest Mining sowie das erhebliche Engagement bei Unternehmen, die an den wenig populären Märkten in Brasilien, Polen und Südafrika gelistet sind. Wenig erfreulich fiel dagegen die Performance der Fondsbestände in Ägypten und Nigeria aus, die im Quartal Kursverluste verbuchten.

Im letzten Jahr mussten die Fonds weniger Federn lassen als ihre Benchmark. Als Stütze für die Wertentwicklung erwies sich unsere Strategie, in Qualitätsunternehmen anzulegen, die seit Jahren die Erwartungen erfüllen und Mehrheitsaktionäre haben, deren Interessenlage mit unserer übereinstimmt.

Wesentliche Portfolioveränderungen

Während der Talfahrt an den Märkten im Januar verstärkten wir unsere Positionierung in Brasilien, die wir gegen Quartalsende wegen der rasant gestiegenen Bewertungen jedoch wieder etwas reduzierten. Wir sind überzeugt, dass die Fonds Qualitätsunternehmen mit starker Wettbewerbsposition halten, denen eine mögliche Konjunkturerholung zugutekommt. Der Zeitpunkt einer Erholung lässt sich natürlich nicht genau bestimmen, weshalb wir die Bewertungen auch weiterhin ganz genau im Auge behalten.

Konsum in den Schwellenländern

Im Quartal schlossen wir unsere Position bei SABMiller. Der Abschlag zum Kurs aus der Übernahmeofferte von Anheuser-Busch InBev (ABI) ist inzwischen erheblich geschrumpft, und noch immer hat die Transaktion nicht alle aufsichtsrechtlichen Hürden genommen. Im unwahrscheinlichen Fall, dass sie doch noch platzt, wäre mit erheblichen Kursverlusten der ABI-Aktie zu rechnen.

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Als Ergebnis unserer Suche nach angemessen bewerteten Qualitätsunternehmen aus dem Konsumgütersektor haben wir in Indien eine neue Position beim führenden Zementproduzenten Ultratech aufgebaut.

In einigen weniger entwickelten Märkten wird der Zementverbrauch durch die gleichen fundamentalen Faktoren angetrieben, die auch den Trend bei schnelllebigen Grundbedarfsgütern bestimmen: allen voran der steigende Lebensstandard. In Indien wird Zement überwiegend bar gekauft und die Nachfrage primär durch den hohen Bedarf an besseren Wohnungen angekurbelt. Dabei greifen die Inder meist auf ihr Erspartes zurück, und die Baumaßnahme besteht nicht selten darin, ein zusätzliches kleines Zimmer an eine bestehende Immobilie anzubauen. Über 90% des Zements wird in Indien nach wie vor in Säcken verkauft und nicht als Schüttgut. Das macht deutlich, dass es sich hierbei um einen verbrauchergetriebenen Markt handelt. Überdies ist der Pro-Kopf-Zement-Verbrauch nach wie vor gering und lässt damit Spielraum für einen weiteren Anstieg.

Ein Alleinstellungsmerkmal von Ultratech ist sein landesweites Netzwerk aus über 50.000 Händlern, die in ganz Indien Zement der Marke Ultratech verkaufen. Dieses Netzwerk stellt die der Wettbewerber weit in den Schatten und hat dem Unternehmen einen Marktanteil von fast 40% in ländlichen Gebieten beschert.

Ultratech gehört zu den Kronjuwelen der Aditya Birla Group, zu deren Umsatzerlösen es fast 10% beisteuert. Aditya Birla ist ein Industriekonzern im Familienbesitz unter der Leitung von Kumar Mangalam Birla. Nach dem Tod seines Vaters wurde er 2004 Vorstandsvorsitzender. Seitdem stellt er sein Geschick beim Aufbau starker, dauerhafter Marktpositionen in diversen Industriezweigen, die Zementindustrie eingeschlossen, immer wieder unter Beweis. Zudem gilt er als entschiedener Befürworter einer starken Unternehmensführung auf dem indischen Subkontinent.

Mit Unterstützung der Birla-Familie wird Ultratech unseres Erachtens auch künftig eine zentrale Rolle bei der Konsolidierung der stark fragmentierten und überschuldeten Zementindustrie spielen.

Privatunternehmen in China

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Die Position bei Fuyao Glass haben wir im Anschluss an ein Treffen mit dem Finanzchef weiter ausgebaut. Fuyao ist Chinas führender Glashersteller für die Automobilindustrie. Zu seinen Kunden gehören bekannte Autobauer in China und inzwischen auch in den USA und in Europa. In Sachen Unternehmensführung zählt Fuyao in China zu den Vorreitern dank seines weitsichtigen Mehrheitsaktionärs, der seit dem Börsengang 1993 auf der Anwendung internationaler Rechnungslegungsstandards besteht. Überdies misst er Investitionen in Forschung und Entwicklung zentrale Bedeutung bei, damit das Unternehmen auch langfristig Gewinne abwirft. In Anbetracht der guten Wachstumschancen halten wir die aktuelle Bewertung von Fuyao für attraktiv.

Künftige Anlagestrategie

Angesichts mangelnder Rechtsstaatlichkeit und zahlreicher fragwürdiger Entscheider in Politik und Wirtschaft gibt es für die günstigen Bewertungen in Teilen des Schwellenländeruniversums gute Gründe. Wir gehören nicht zu den erklärten Value-Anlegern und bemühen uns, uns nicht durch günstige Bewertungen zu Anlagen in zweitklassige Titel verleiten zu lassen. Zugleich investieren wir aber auch nicht ausschließlich in Wachstumswerte und machen weiterhin einen Bogen um unseres Erachtens überbewertete, wenngleich solide wachsende Konsumtitel aus Südasien. Als Bottom-up-Stockpicker werden wir wie gehabt die weniger beliebten Märkten nach guten, attraktiv bewerteten Unternehmen durchforsten.