Portfoliomanager Marc Pinto erklärt, wie wichtig es ist, während einer Abwärtsphase aktiv zu bleiben und sich für eine spätere Erholung zu positionieren.

  Zentrale Aussagen:

  • Während die Coronavirus-Pandemie fortschreitet, liegt der Fokus der Anleger derzeit darauf, Zahl und Schweregrad der Neuinfektionen zu ermitteln sowie die Fähigkeit von Regierungen und Gesundheitssystemen einzuschätzen, mit dem Ausbruch des Virus zurechtzukommen.
  • Solange keine ausreichende Klarheit hinsichtlich des Entwicklungspfads besteht, werden die Finanzmärkte es schwer haben, sich zu stabilisieren,
  • Während die meisten Marktteilnehmer noch auf Antworten warten, könnte es sich für geduldige Anleger auszahlen, sich auf Qualität zu fokussieren und ihre Portfolios für eine spätere Erholung zu positionieren.


Die globale Pandemie hat zu extremen Kursausschlägen und Unsicherheit an den Finanzmärkten gesorgt, während die Anleger die potentiellen sozialen und wirtschaftlichen Folgen zu evaluieren versuchen. Wie stellt sich der Entwicklungspfad bei Neuinfektionen dar? Wird sich das Virus in den USA in ähnlicher Weise ausbreiten wie in den bisher am stärksten betroffenen Ländern? Könnte die Entwicklung sogar schlimmer ausfallen? Und wann wird die Zahl der Infizierten ihren Höchststand erreichen? Angesichts dieser Fragen ist die gesamtwirtschaftliche Nachfrage beinahe zum Stillstand gekommen. Dadurch haben die umfangreichen geld- und fiskalpolitischen Anreize nur begrenzte Wirkung. Solange keine ausreichende Klarheit besteht, werden die Finanzmärkte es schwer haben, sich zu stabilisieren. Mangels Vorhersagbarkeit der weiteren Entwicklung erscheint es ratsam, sich defensiv zu positionieren, aber sich auch bewusst zu bleiben, dass es zu einer Erholung kommen wird, sobald die Ungewissheit schwindet.

Maßnahmen zur Stimulierung der Nachfrage

Da das Ausmaß des letztlich eintretenden Schadens unbekannt ist, richten wir das Augenmerk auf die derzeit getroffenen Maßnahmen zur Abmilderung der sozialen und wirtschaftlichen Auswirkungen, die aus unserer Sicht unvermeidlich sind. Dazu gehören Schritte auf Regierungsebene sowie stützende Maßnahmen der Geld- und Fiskalpolitik. Die US-Notenbank (Fed) hat zusätzlich zur Senkung des Leitzinses auf 0 % ein Programm zum Ankauf von Wertpapieren aufgelegt, um die Liquidität am Markt zu erhöhen. Gleichzeitig unternimmt die US-Regierung Schritte zur Entlastung von Arbeitnehmern und zur Rettung der vom Nachfrageeinbruch am stärksten betroffenen Wirtschaftsbranchen (z.B. Fluggesellschaften). Wie bereits erwähnt, wird die Wirkung von Anreizmaßnahmen begrenzt bleiben, solange die ausgeprägte Unsicherheit anhält. Doch sobald mehr Klarheit gewonnen wird, könnten die jetzt getroffenen Maßnahmen die Basis für zukünftiges Wachstum liefern.

Aktiv bleiben angesichts fluider Situation

Während ein Großteil der Bevölkerung – und damit der Wirtschaft – zur Untätigkeit gezwungen ist, halten wir es für wichtig, auf Portfolioebene aktiv zu bleiben. Das Marktgeschehen hängt bei fortschreitender Pandemie derzeit von der Nachrichtenlage und wechselhaften Daten ab, weshalb die Turbulenzen einen aktiven Ansatz nahelegen. Während eine defensive Allokation zum Schutz des Kapitals bei Aufwärtsbewegungen beitragen kann, sind ebenso Anpassungen möglich, um sich für eine künftige Erholung zu positionieren.

Die Erhöhung der Bonität im Anleihensegment und die Anpassung der Duration an sich ändernde Zinsen in den USA und weltweit können in turbulenten Marktchancen für Stabilität sorgen. In einigen Bereichen des Aktienmarkts sehen wir zwar Chancen, wir sind uns aber des Umfelds bewusst und halten es für klug, extrem selektiv vorzugehen. In Anbetracht der globalen Pandemie könnten sich Titel aus dem Gesundheitssektor weiterhin widerstandsfähig zeigen, da sie eine vergleichsweise geringe Konjunkturabhängigkeit aufweisen und das Segment Unternehmen enthält, die mit Therapien, Impfstoffen und anderen Maßnahmen zur Eindämmung des Virus beitragen werden.

Umgekehrt leidet die Reisebranche einschließlich Fluggesellschaften, Hotels und Kreuzfahrtunternehmen unter einem extremen Rückgang der Nachfrage. Zwar glauben wir, dass sich die Nachfrage in diesen Bereichen wieder erholen wird, jedoch illustrieren sie unsere Einschätzung, dass man jetzt bei Anlageentscheidungen sehr selektiv sein muss.

Ausrichtung auf höhere Qualität und Positionierung für eine Erholung

Legt man die Bewertungen zugrunde, beginnen sich Chancen zur Positionierung für eine künftige Erholung abzuzeichnen. Unternehmen, die von den derzeitigen Turbulenzen nicht betroffen sind, weiterhin Cashflows erzielen können und über solide Bilanzen verfügen, könnten dem unvermeidlichen wirtschaftlichen Abschwung widerstehen. Unternehmen, die weniger stark auf die Kapitalmärkte angewiesen sind, was Liquidität und Finanzierung angeht, sollten sich vergleichsweise gut halten und könnten sich im Anschluss an den Abschwung in einer besseren Wettbewerbsposition befinden. Andererseits haben Unternehmen, die höher verschuldet und von der Krise stärker betroffen sind, Schwierigkeiten bei der Kapitalbeschaffung, was ihre Perspektiven eintrübt. Nachdem es bei den Unternehmen allgemein zu einer Neubewertung gekommen ist, könnte es ratsam sein, wieder Chancen in Bezug auf den risikoadjustierten Ertrag ins Auge zu fassen.

Auch wenn wir uns noch mitten in der Krise befinden und an den Märkten weitere Unsicherheit erwarten, haben wir bereits vergleichbar schwierige Phasen erlebt. Wir sind zuversichtlich, dass Anleger mit einem Bewusstsein für das erhöhte Risiko, aber auch für mögliche Chancen, in diesen schweren Zeiten Kurs halten können.