Auch wenn die Volatilitätsschübe an den Märkten angesichts divergierender makroökonomischer Themen wahrscheinlich anhalten werden, beurteilt Portfoliomanager Doug Rao die Wachstumsaussichten für das kommende Jahr nach wie vor optimistisch.

Zentrale Erkenntnisse

  • Die hohen Verbraucherausgaben kollidieren mit der Ausbreitung von COVID-Varianten und zunehmenden Unterbrechungen in der Lieferkette, was das Wirtschaftswachstum dämpft und zu einem steigenden Inflationsdruck führt.
  • Allgemein ist die Finanzlage der Verbraucher unverändert solide, gestützt durch Konjunkturmaßnahmen, starke Kapitalmärkte und einen robusten Wohnungsmarkt. Wir gehen zwar davon aus, dass die durch Konjunkturmaßnahmen bedingten Ausgaben nachlassen werden, aber wir sind der Auffassung, dass die Verbraucherausgaben in einem angemessenen Tempo zunehmen können, was sowohl auf die erhöhten Sparquoten als auch auf die steigende Lohninflation zurückzuführen ist.
  • Wir sind davon überzeugt, dass der digitale Wandel auch in Zukunft ein wichtiger Motor für das Wirtschaftswachstum sein wird.

Zwar erreichten die Märkte in den letzten Monaten Allzeithochs, doch das Auftreten der COVID Omikron-Variante sorgte für Volatilität. Es ist noch zu früh, um die Stärke des neuen Virusstammes und seine möglichen wirtschaftlichen Auswirkungen zu beurteilen; allerdings sind die Impfraten jetzt deutlich höher als zu Beginn des Jahres, wobei etwa 70 % der US-Bevölkerung zumindest teilweise geimpft sind.1Diese höhere Impfrate könnte in Verbindung mit der bevorstehenden Einführung oral einzunehmender antiviraler Medikamente dazu beitragen, die von der Variante ausgehenden Gesundheitsrisiken zu vermindern. Bislang hatte jeder neue Virusstamm geringere wirtschaftliche Auswirkungen. Es ist daher unwahrscheinlich, dass die Regierung weitreichende Lockdowns wie zu Beginn der Pandemie verhängt.

Jedoch entwickelt sich die endemische Phase dieser Pandemie in einer unvorhersehbaren Weise. Eine der zentralen Fragen ist, ob wir uns im Jahr 2022 in einer „Groß-E“- oder „Klein-e“-Phase der Endemie befinden werden. Das wird davon abhängen, wie kontrollierbar das Virus in den kommenden Monaten wird. Auch wenn wir uns der anhaltenden Risiken durchaus bewusst sind, sind wir in puncto Wachstumsaussichten für Corporate America im kommenden Jahr nach wie vor von Zuversicht geprägt. Wir sind weiterhin der festen Überzeugung, dass die Anleger gut beraten sind, sich auf die Faktoren zu konzentrieren, die das langfristige Wachstum bestimmen, während wir uns weiter durch die steinige Ebene der Pandemie arbeiten.

Sicher, die Ausbreitung der COVID-Delta- und nun auch der Omikron-Variante, die zunehmenden Störungen in der Lieferkette und der Teuerungsdruck haben das Wachstum in gewissem Maße gedämpft, aber wir glauben, dass die Wirtschaftstätigkeit bis 2022 weiter in ruhigeres Fahrwasser vordringen kann. Daher erwarten wir ein solides Jahr für das Gewinnwachstum. Die Engpässe in der Lieferkette, die wir alle erlebt haben, waren sowohl auf angebots- als auch auf nachfragebedingte Faktoren zurückzuführen: Zunächst gab es zu Beginn der Pandemie panikartige Stornierungen von Bestellungen und durch COVID veranlasste Fabrikschließungen, die zu Lieferunterbrechungen führten. Die Reaktion darauf waren umfangreiche staatliche Konjunkturmaßnahmen sowie die Tatsache, dass die Verbraucher aufgrund der Pandemie nicht in der Lage waren, diese Mittel für Dienstleistungen wie Reisen und Restaurantbesuche auszugeben, was sich letztlich in einem über dem Trend liegenden Warenkonsum der amerikanischen Verbraucher widerspiegelte.

Wir sind zuversichtlich, dass sich diese Faktoren allmählich normalisieren. Damit jedoch die Wirtschaft zu einem solideren Gleichgewicht zwischen Waren und Dienstleistungen zurückfindet, ist ein günstigeres COVID-Umfeld erforderlich. Sobald die Normalisierung der Wirtschaft eintritt, wird auch eine Normalisierung der Zinssätze eintreten – das Tauziehen zwischen Zinssätzen und Bewertungen, das wir in den vergangenen Quartalen beobachten konnten, wird sich jedoch fortsetzen und die Wahrscheinlichkeit anhaltender Marktvolatilität erhöhen.

Wenn sich diese Faktoren normalisieren, dürften sich viele der derzeitigen Inflationssorgen als vorübergehend erweisen. Da sich die US-Wirtschaft jedoch von der Globalisierung abkoppelt, gelangen wir zu der Überzeugung, dass wir uns in den Anfängen einer anhaltenden Lohninflation im unteren Einkommensbereich befinden. Wir gehen davon aus, dass diese Lohninflation bei Unternehmen ohne Preissetzungsmacht zu einem gewissen Widerstand bei den Gewinnspannen führen wird. Allerdings dürfte dies durch ein höheres Niveau der allgemeinen Ausgaben in der Wirtschaft ausgeglichen werden. Wir sind der Meinung, dass in einem inflationären oder deflationären Umfeld eine der wichtigsten Geschäftseigenschaften die Preissetzungsmacht ist. Daher halten wir es für wichtig, in Unternehmen zu investieren, die in der Lage sind, die Preise nach eigenem Ermessen anzuheben.

Im Jahr 2021 verzeichneten zwar einige zyklische, wertorientierte Aktien eine kräftige Erholung, wir sind jedoch unverändert der Meinung, dass die Digitalisierung in allen Wirtschaftssektoren ein Haupttreiber für ein dauerhaftes Wachstum sein wird. Um diesen Punkt zu verdeutlichen: Es lässt sich ein Vergleich der voraussichtlichen Investitionsausgaben (Capex), welche Investitionen für künftige Wachstumsprojekte einschließen, für eine Aktie aus dem Energiesektor mit mehreren wachstumsorientierten Aktien anstellen. Während ExxonMobil im Jahr 2022 voraussichtlich 22 Milliarden US-Dollar für Investitionsausgaben vorsieht, wird Amazon voraussichtlich 46 Milliarden US-Dollar ausgeben. Auch eine Reihe weiterer Wachstumsunternehmen dürfte mindestens 28 Milliarden US-Dollar investieren.2

Auch wenn Inflation droht, erscheinen Aktien mit höheren Free-Cash-Flow-Renditen als andere Anlageklassen in Verbindung mit dem Potenzial hinsichtlich eines erheblichen Free-Cash-Flow-Wachstums auf relativer Basis attraktiv. Nach unserer Einschätzung dürften Unternehmen mit vielversprechenden Reinvestitionsmöglichkeiten, vertrauensvollen Beziehungen zu ihren Kunden und einem gewissen Maß an Preissetzungsmacht weiterhin erfolgreich sein, und zwar unabhängig davon, ob wir in ein inflationäres oder deflationäres Umfeld investieren.

 

1Quelle: Centers for Disease Control, Stand: 30.11.21.
2Quelle: Bloomberg und Unternehmenskommentar.