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Warum wir eine der kohlenstoffintensivsten Aktien in unserem Anlageuniversum halten

John Bennett

John Bennett

Director of European Equities | Portfoliomanager


Tom O’Hara

Tom O’Hara

Portfoliomanager


14. Mai 2021

John Bennett und Tom O'Hara, Portfoliomanager für europäische Aktien, erklären, warum sich Anlagen in Unternehmen mit hohem ESG-Risiko für aktive Manager durchaus lohnen können.

Zentrale Erkenntnisse:

  • Beim Ansatz „ESG durch Umgehen“ wird oft außer Acht gelassen, wie wichtig ein genauerer Blick auf Unternehmen mit hohen Kohlenstoffemissionen, wie z. B. Stahlhersteller, ist. Die Portfoliomanager finden es konstruktiver, diese Akteure zur Verantwortung zu ziehen.
  • Der von der Europäischen Union geplante „CO2-Grenzausgleich“ könnte aufgrund hoher Abgaben auf Importstahl die Margenvolatilität in Europa verändern und eine nachhaltige Angebots-/Nachfragedynamik fördern.
  • Das könnte sich positiv auf den ESG-Status als auch die Finanzkennzahlen in der Stahlindustrie auswirken.

Die Stahlindustrie ist angesichts niedriger Margen, volatiler Erträge, chronischem Überangebot, zyklischer Nachfrage und hohem Kohlenstoffausstoß seit über zehn Jahren für Anleger wenig attraktiv. ArcelorMittal zählt zu den kohlenstoffintensivsten Aktien in unserem Anlageuniversum. Der unabhängige Anbieter von ESG-Research und -Ratings Sustainalytics schreibt dem Unternehmen mit einem ESG-Risiko-Rating von 37,7 ein hohes Risiko zu. Wie kann also ein Anleger, der an einen klaren Zusammenhang zwischen den Kapitalkosten einer Aktie und den damit verbundenen ESG-Risiken glaubt, eine solche Anlage für sein Portfolio in Betracht ziehen? Genau wie bei vielen unserer Investments lautet auch hier die Antwort: In Veränderung investieren.

Wir halten „ESG durch Umgehen“ (Aktien und Branchen mit hohem Kohlenstoffausstoß einfach ausschließen) immer mehr für einen überholten und möglicherweise suboptimalen Anlageansatz, da er die bestehenden komplexen Herausforderungen ausblendet. Wenn kohlenstoffintensive Branchen sich nicht über die Kapitalmärkte finanzieren können, werden sie sich zunehmend um private Finanzierungsquellen mit eventuell deutlich geringeren Umweltkontrollen bemühen. Wir sind dagegen bestrebt, das Kapital unserer Kunden in Bereiche und Unternehmen mit einer glaubwürdigen Dekarbonisierungsstrategie zu investieren und ziehen sie mit Blick auf ihren Zeitplan und ihre Ziele zur Rechenschaft. Wir glauben, dass dies langfristig einen größeren Einfluss auf die Umwelt haben wird, anstatt das Kapital unserer Kunden ausschließlich Unternehmen anzubieten, die allein aufgrund ihres Asset-Light-Geschäftsmodells als „Umweltgewinner“ bezeichnet werden.

ArcelorMittal auf dem Weg zur Dekarbonisierung

Stahl zählt zu den an den besten wiederverwertbaren Materialien der Erde. Dennoch kann die Verfügbarkeit von Schrott den jährlichen Zuwachs des Kapitalstocks an Stahl in der Gesellschaft nicht decken. Denn dieser wird durch die Infrastrukturentwicklung in Schwellenländern und die Umstellung auf stahlintensive erneuerbare Energieerzeugung verstärkt. Die Stahlerzeugung basiert daher weiterhin stark auf der Umwandlung von Eisenerz. Dies ist ein sehr kohlenstoffintensiver Prozess. Eine Studie des Carbon Trust aus dem Jahr 2011 ergab beispielsweise, dass in Großbritannien jede Tonne Stahl, die aus Eisenerz hergestellt wird, aufgrund der für den Prozess benötigten Energie im Durchschnitt etwa 2,3 Tonnen CO2 verursacht.

ArcelorMittal hat zwei Hauptstrategien zur Dekarbonisierung des Stahlproduktionsprozesses definiert:

  1. smart Carbon – beinhaltet Technologien wie Kohlenstoffabscheidung, -speicherung und -wiederverwendung sowie den Ersatz von Kokskohle durch Bioenergieträger
  2. grüner Wasserstoff – Wasserstoff aus erneuerbaren Energiequellen, der im direkt reduzierten Eisenprozess (DRI) verwendet wird.

Dies ist mit enormen Kosten verbunden. Zum einen für den Umbau der Stahlwerke, vor allem aber für den Aufbau der gemeinsamen Infrastruktur für saubere Energie in der Gesellschaft, die für die Dekarbonisierung von Stahl, Zement, Heizung, Verkehr und anderen Emissionsquellen erforderlich sein wird.

Die Europäische Union (EU) erkennt an, dass für diesen komplexen Übergang und um globale Vorreiter bei der Dekarbonisierung in allen Branchen zu schaffen, politische Unterstützung notwendig ist. Die verantwortlichen EU-Politiker prüfen die Pläne für einen „CO2-Grenzausgleich“ für Stahl und Zement, der voraussichtlich 2021 eingeführt werden soll.

Szenario für CO2-Grenzausgleich im Stahlsektor

Ein in der EU ansässiges Unternehmen importiert eine Tonne Stahl aus einem Land, das keinen etablierten Kohlenstoffpreismechanismus wie das EU-Emissionshandelssystem (ETS) hat. Der Importstahl-Hersteller hat einen Kostenvorteil gegenüber einheimischen EU-Stahlherstellern, die für ihre Emissionen zur Kasse gebeten werden. Diese als „Carbon Leakage“ bezeichnete Situation birgt das Risiko, die Rentabilität der EU-Stahlindustrie zu untergraben und Investitionen in Dekarbonisierungstechnologien zu verhindern.

Szenario für CO2-Grenzausgleich im Stahlsektor

Das neue System sieht folgende Regelung vor: Wenn die Produktion einer Tonne Stahl zwei Tonnen CO2 verursacht, wird auf eine Tonne Importstahl eine Abgabe in Höhe des zweifachen Kohlenstoffpreises erhoben.

Bei einem Kohlenstoffpreis von 40 EUR/Tonne (t) würde die importierte Tonne Stahl mit einer Abgabe von 80 EUR/Tonne belastet werden.*

Die europäischen Stahlpreise lagen in den letzten zehn Jahren im Durchschnitt bei 600 Euro/t, mit niedrigen und volatilen EBITDA-Margen pro Tonne von etwa 25-75 Euro/t. Billigimporte, bei denen keine Kohlenstoffkosten im Inland oder am Ort der Einfuhr anfallen, haben maßgeblich zur finanziellen Schwäche der Industrie beigetragen.

Wenn die Hersteller für ihre Emissionen zur Verantwortung gezogen werden, könnte der wirtschaftliche Verfall der europäischen Stahlindustrie durch Billigimporte in den letzten zehn Jahren umkehren, die Volatilität der Margen gestoppt und die Industrie in die Lage versetzt werden, in Dekarbonisierung zu investieren.

Chinas Stahlpolitik ebenfalls auf dem Prüfstand

China war in den letzten Jahren Hauptexporteur von billigem Stahl. Inzwischen ergreift das Land mit einer Reihe von Initiativen allerdings Maßnahmen zur Rationalisierung der heimischen Stahlindustrie, um die umweltschädlichsten Kapazitäten auszuschalten und den Stahlexport weniger lohnend zu machen. China bezweifelt zu Recht, ob es sinnvoll ist, mehr als zwei Tonnen CO2 vor Ort zu produzieren, um eine Tonne Stahl mit oftmals wenig Gewinn zu exportieren. Eine Reduzierung der Stahlexporte aus China ist ebenfalls ein wichtiger Treiber für eine nachhaltigere Entwicklung des Verhältnisses zwischen Angebot und Nachfrage in der Stahlindustrie und deren Fähigkeit, in Dekarbonisierung zu investieren. Diese Veränderung könnte sich sowohl auf den ESG-Status als auch auf die Finanzergebnisse in der Stahlindustrie auswirken.

*Schätzungen, Stand: Mai 2021.

Glossar

EBITDA: Gewinn vor Dividende, Steuern und Abschreibungen.

Die vorstehenden Einschätzungen sind die des Autors zum Zeitpunkt der Veröffentlichung und können von denen anderer Personen/Teams bei Janus Henderson Investors abweichen. Die Bezugnahme auf einzelne Wertpapiere, Fonds, Sektoren oder Indizes in diesem Artikel stellt weder ein Angebot oder eine Aufforderung zu deren Erwerb oder Verkauf dar, noch ist sie Teil eines solchen Angebots oder einer solchen Aufforderung.

 

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Janus Henderson Fund (der „Fonds“) ist eine SICAV nach luxemburgischem Rech, am 26. September 2000 gegründet, und wird von Janus Henderson Investors Europe S.A. gemanagt. Janus Henderson Investors Europe S.A. kann beschließen, die Marketingvereinbarungen dieses Investmentfonds nach den einschlägigen Vorschriften zu beenden. Dies ist eine Werbeunterlage. Potenzielle Anleger sollten den Prospekt des OGAW und die wesentlichen Anlegerinformationen lesen, bevor Sie eine endgültige Anlageentscheidung treffen.
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  • Aktien/Anteile können schnell an Wert verlieren und beinhalten in der Regel höhere Risiken als Anleihen oder Geldmarktinstrumente. Daher kann der Wert Ihrer Investition steigen oder fallen.
  • Aktien kleiner und mittelgroßer Unternehmen können volatiler sein als Aktien größerer Unternehmen und bisweilen kann es schwierig sein, Aktien zu bewerten oder zu gewünschten Zeitpunkten und Preisen zu verkaufen, was das Verlustrisiko erhöht.
  • Wenn ein Fonds ein hohes Engagement in einem bestimmten Land oder in einer bestimmten Region hat, trägt er ein höheres Risiko als ein Fonds, der breiter diversifiziert ist.
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  • Wenn der Fonds Vermögenswerte in anderen Währungen als der Basiswährung des Fonds hält oder Sie in eine Anteilsklasse investieren, die auf eine andere Währung als die Fondswährung lautet (außer es handelt sich um eine abgesicherte Klasse), kann der Wert Ihrer Anlage durch Wechselkursänderungen beeinflusst werden.
  • Wenn der Fonds oder eine währungsabgesicherte Anteilsklasse versucht, die Wechselkursschwankungen einer Währung gegenüber der Basiswährung des Fonds abzumildern, kann die Absicherungsstrategie selbst aufgrund von Unterschieden der kurzfristigen Zinssätze zwischen den Währungen einen positiven oder negativen Einfluss auf den Wert des Fonds haben.
  • Wertpapiere innerhalb des Fonds können möglicherweise schwer zu bewerten oder zu einem gewünschten Zeitpunkt und Preis zu verkaufen sein, insbesondere unter extremen Marktbedingungen, wenn die Preise von Vermögenswerten möglicherweise sinken, was das Risiko von Anlageverlusten erhöht.
  • Der Fonds könnte Geld verlieren, wenn eine Gegenpartei, mit der er Handel treibt, ihren Zahlungsverpflichtungen gegenüber dem Fonds nicht nachkommen kann oder will, oder als Folge eines Unvermögens oder einer Verzögerung in den betrieblichen Abläufen oder des Unvermögens eines Dritten.
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