Trotz der vorherrschenden Marktrisiken bleibt Portfoliomanager Jeremiah Buckley in Bezug auf US-Aktien optimistisch und erwartet, dass viele langfristige Wachstumsthemen Bestand haben werden.

Zentrale Erkenntnisse:

  • Die Delta-Variante des Coronavirus und der Inflationsdruck haben die Erholung erschwert. Dennoch beobachten wir eine zunehmend positive Dynamik in der US-Wirtschaft.
  • Wir sind der Meinung, dass sich der jüngste Anstieg der Inflation als vorübergehend erweisen wird, sind uns jedoch auch der Tatsache bewusst, dass einige verbleibende inflationäre Effekte von Dauer sein könnten.
  • Auch wenn die Märkte in den letzten Monaten auf oder in der Nähe ihrer Allzeithochs gehandelt wurden, bleiben wir im Hinblick auf US-Aktien optimistisch und glauben, dass die langfristigen Wachstumsthemen, die sich während der Pandemie beschleunigt haben, nach wie vor intakt sind.

Die Delta-Variante des Coronavirus hat eine bereits komplexe Wiedereröffnung der Wirtschaft gebremst. Eine Kombination aus Lieferketten- und Arbeitsmarktproblemen (die länger andauern, als wir und die meisten Anleger ursprünglich erwartet hatten) hat die Inflation angeheizt. Trotz dieser Herausforderungen stellen wir nach wie vor fest, dass der Konjunkturaufschwung weiter an Fahrt gewinnt.

Stärke der US-Verbraucher

Im Laufe des Jahres 2021 ist die am Verbraucherpreisindex (VPI) gemessene Inflation deutlich angestiegen. Andere wichtige Wirtschaftsindikatoren wie Arbeitslosigkeit, Erwerbsbeteiligung, Einzelhandelsumsätze und Einkaufsmanagerindizes (PMI) hingegen tendieren weiterhin in eine positive Richtung. Für die US-Wirtschaft, die stark von den Ausgaben der Verbraucher abhängig ist, waren die Einzelhandelsumsätze zu Beginn der vorweihnachtlichen Einkaufssaison besonders ermutigend. Im Oktober legten die vorläufigen Einzelhandelsumsätze saisonal bereinigt um 1,7 % gegenüber dem Vormonat zu1 – ein Beleg dafür, dass die Konsumbereitschaft und die Kaufkraft der Verbraucher trotz des inflationären Gegenwinds stark sind.

Einzelhandelsumsätze zu Beginn des Weihnachtsgeschäfts

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Quelle: U.S. Census Bureau, vorläufige monatliche Umsätze im Einzelhandel und der Gastronomie, monatlich, saisonbereinigt, Stand: 17. November 2021.

In der Tat sind wir davon überzeugt, dass die hohen Ersparnisse der Verbraucher, die erheblichen Wertsteigerungen an den Aktien- und Immobilienmärkten und das stärkere Beschäftigungswachstum den Verbrauchern in den kommenden Quartalen einen robusten Konsum ermöglichen werden. Die laufenden Impfkampagnen, die Entwicklung zusätzlicher medizinischer Fortschritte bei der Behandlung von COVID-19 und die Abschwächung der Delta-Variante sollten allmählich dazu führen, dass wieder mehr Menschen eine Arbeit aufnehmen. Außerdem dürften sie zur Bewältigung der aktuellen Engpässe in den Lieferketten beitragen. Und auch wenn einige verbleibende inflationäre Effekte von Dauer sein könnten, gehen wir davon aus, dass sich der jüngste Anstieg der Inflationsrate größtenteils als vorübergehend erweisen wird. Darüber hinaus glauben wir, dass die US-Notenbank (Fed) – sofern es bei den Daten nicht zu erheblichen Überraschungen kommt –weiterhin Geduld an den Tag legen und tendenziell eher ein stärkeres Wirtschaftswachstum riskieren wird, als ihre Leitzinsen präventiv anzuheben.

Daher bleiben wir in Bezug auf US-Aktien weiterhin optimistisch, auch wenn die Märkte in den letzten Monaten auf oder in der Nähe ihrer Allzeithochs gehandelt wurden. Dies gilt insbesondere im Vergleich zu Rentenwerten, deren Spreads sich weiterhin auf einem historisch engen Niveau bewegen. Auch wenn die Treasury-Renditen zugelegt haben, seitdem die Fed erkennen lässt, dass sie möglicherweise auf eine weniger lockere Geldpolitik umschwenken könnte, erscheint die Ertragsrendite des S&P 500® Index im Vergleich zur Rendite zehnjähriger US-Treasuries immer noch relativ attraktiv.

Wachstumsthemen nach wie vor intakt

Viele der langfristigen Wachstumsthemen, die schon vor der Pandemie zu beobachten waren – und sich aufgrund dieser beschleunigt haben – sind nach wie vor intakt. Dazu zählen der Übergang zum elektronischen Handel und die damit verbundene Beschleunigung des elektronischen Zahlungsverkehrs, das Wachstum von Cloud Computing und Software-as-a-Service-Anwendungen sowie Innovationen im Gesundheitswesen.

Während der Pandemie konnten wir beobachten, dass einzelne Unternehmen, die über die nötige Größe und Bilanzstärke verfügten, um in die digitale Transformation zu investieren, Marktanteile gewinnen konnten, die in einem normaleren Marktumfeld erst nach mehreren Jahren erreicht worden wären. Wir sehen eine klare Chance, dass die Digitalisierung das Wachstum in sämtlichen Wirtschaftssektoren weiter vorantreiben könnte – auch in weniger offensichtlichen Marktsegmenten wie etwa der Industrie. So sind wir beispielsweise der Meinung, dass Investitionen in die Infrastruktur der Lieferketten und die Automatisierung von Fertigungsprozessen das Wachstum von Unternehmen, die sich auf diese Trends einstellen, ankurbeln können. Dieses Wachstumspotenzial wird unserer Meinung nach vom Markt womöglich nicht vollständig erkannt.

Fokus auf Chancen, ohne dabei die Risiken außer Acht zu lassen

Wir haben im Zuge der konjunkturellen Erholung eine solide Entwicklung in zyklischen Sektoren beobachten können. Allerdings sind wir der Meinung, dass Anleger bei ihren Engagements in diesen Bereichen selektiv vorgehen müssen. Viele Titel in Bereichen wie Werkstoffe und Investitionsgüter sind aufgrund des raschen Anstiegs der Rohstoffpreise deutlich über das vor der Pandemie vorherrschende Niveau angestiegen. Wir sind der Meinung, dass in diesen Bereichen Vorsicht geboten ist, während der Markt ermittelt, ob die Ungleichgewichte zwischen Angebot und Nachfrage fortbestehen und die Rohstoffpreise hoch bleiben werden.

Innerhalb der Reisebranche haben sich einige Unternehmen so stark erholt, dass ihr Unternehmenswert heute deutlich höher ist als vor der COVID-Krise – auch wenn es noch Jahre dauern könnte, bis sie wieder Gewinne und Cashflows wie vor der Pandemie erwirtschaften. Im Gegensatz dazu ist es einigen Unternehmen mit stärkeren Bilanzen gelungen, ihren Marktanteil durch gezielte Investitionen zu vergrößern, sodass sie sich im Nachgang der Pandemie nun nicht auf einen Schuldenabbau konzentrieren müssen.

Somit sehen wir – auch wenn wir uns der fortbestehenden Risiken bewusst sind – weiterhin große Chancen auf dem Markt. Wir werden die Inflation der Inputkosten sowie der Arbeitskosten weiterhin genau beobachten und prüfen, wie sich diese Faktoren nach Jahren allgemein besser werdender Rentabilität auf die Gewinnspannen der Unternehmen auswirken werden. Aus unserer Sicht ist es nach wie vor wichtig, Unternehmen zu identifizieren, die sowohl Preismacht als auch dauerhafte Wettbewerbsvorteile aufweisen, welche ihnen helfen können, eine potenzielle Inflation zu bekämpfen. Zudem verfolgen wir die politischen Entwicklungen im Zusammenhang mit dem Infrastrukturgesetz, der Schuldenobergrenze und der Steuerreform sehr aufmerksam. Im Hinblick auf die Steuerreform wird es wichtig sein, die Auswirkungen auf die Ausgaben der Verbraucher zu beobachten. Auf der Ebene der Unternehmen liegt das Augenmerk vor allem auf den Folgen für die Aktionärsrenditen und das zukünftige Investitionsniveau.

In einer Zeit, die von erhöhter Volatilität und steigender Inflation geprägt sein könnte, halten wir es weiterhin für wichtig, Unternehmen zu identifizieren, die ihren Kunden erheblichen wirtschaftlichen Mehrwert bieten und gleichzeitig einen beständigen freien Cashflow erwirtschaften und ihr Kapital erfolgreich einsetzen. Unserer Meinung nach sind diese Unternehmen besser für langfristiges Wachstum positioniert – ganz gleich, wie sich das Anlageumfeld auf kurze Sicht ändert.

1Quelle: U.S. Census Bureau, vorläufige monatliche Umsätze im Einzelhandel und der Gastronomie, monatlich, saisonbereinigt, Stand: 17. November 2021. https://fred.stlouisfed.org/series/RSAFS