Was verheißt die wirtschaftliche Erholung für Aktien 2021?

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Was verheißt die wirtschaftliche Erholung für Aktien 2021?

Wie geht es an den Aktienmärkten jetzt weiter? Matt Peron, Leiter des Aktien-Research, beleuchtet die normalerweise für robuste Aktienmärkte erforderlichen Komponenten und beurteilt den aktuellen Hintergrund. Er analysiert die Bedeutung von Unternehmensgewinnen, die Auswirkungen niedriger Zinsen und hebt Szenarien hervor, die den ansonsten positiven Ausblick für 2021 gefährden könnten.

Zentrale Erkenntnisse:

  • In der jüngsten Anhebung der Gewinnprognosen spiegelt sich eine Aufhellung der Wirtschaftsdaten wider, und wir gehen davon aus, dass sich dieser Trend bis 2021 fortsetzen wird.
  • Führende Unternehmen haben die Chance, gestärkt aus der Krise hervorzugehen, da sie nach Übernahmezielen Ausschau halten und von Fehltritten ihrer Konkurrenten profitieren.
  • Neben der Ungewissheit über die Dauer der Pandemie ist es wichtig, wachsam zu sein für potenzielle Veränderungen des Regulierungsumfelds und eine mögliche Überraschung in Sachen Inflation.

In den letzten Jahren gab es bei allen Kursgewinnen an den Aktienmärkten auch Zweifler. Sie kritisierten die teuren Bewertungen oder andernfalls die unverhältnismäßig hohen Indexgewichtungen der Technologie- und Internetriesen. 2019 scherten sich die steil aufwärts tendierenden Märkte nicht um den Handelskrieg, 2020 zeigte sich die Markterholung zur Jahresmitte unbeeindruckt vom Ausmaß der Pandemie und profitierte stattdessen von einer Flut von Unterstützungsmaßnahmen.

Obwohl die Rolle solcher Faktoren für die Richtung an den Aktienmärkten ergründet werden muss, ist und bleibt ein günstiges Gewinnklima unseres Erachtens Haupttreiber für einen robusten Aktienmarkt (wie Grafik 1 unterstreicht). Wir finden, dass diese unabdingbare Voraussetzung kurz vor dem Jahreswechsel erfüllt ist. Außerdem sind wir zuversichtlich, dass dieses heitere Klima anhalten wird, da die Wirtschaft sich seit den Lockdowns im ersten Halbjahr 2020 unerwartet kräftig erholt hat und Unternehmen sich rasch an veränderte Geschäftsbedingungen anpassen können.

Grafik 1: Aktienmärkte orientieren sich in der Regel am Gewinnniveau

Die Aktienkurse folgen in der Regel den Gewinnen. Die jüngste Anhebung der Gewinnprognosen für das kommende Jahr (2021 werden die Gewinne voraussichtlich die Zahlen von 2019 in den Schatten stellen) spiegelte sich in der Rallye in der zweiten Jahreshälfte 2020 wider.

Quelle: Bloomberg, Stand 10. November 2020. Bei den Gewinnen je Aktie (EPS) 2020-2022 handelt es sich um Schätzungen; Stand des S&P 500 Index zum Jahresende, außer für 2020, wo der Stand vom 31. März angegeben ist (durchgezogene Linie), gefolgt von einer Erholung zum Jahresende bis zum 10. November (gestrichelte Linie).

Willkommene V-förmige Erholung ist unverkennbar

Es mag zwar unpassend erscheinen, wenn wir mitten in der COVID-19-Pandemie, die unsägliches menschliches Leid verursacht hat, unsere optimistischen Aussichten für Aktien präsentieren. Wir sollten gleichwohl bedenken, dass die Produkte und Dienstleistungen verschiedener Sektoren wesentlich dazu beigetragen haben, Unternehmen und Privathaushalte in dieser unsicheren Zeit zu unterstützen. Während dieser Beitrag verfasst wird, steigen die Fallzahlen in Europa und den USA, sodass wir in den kommenden Monaten mit einer anhaltend hohen Nachfrage nach Telearbeit und E-Commerce-Lösungen rechnen. In letzter Zeit stehen innovative Pharma- und Biotechnologieunternehmen im Rennen um einen Impfstoff und andere Therapien im Mittelpunkt. Der Mehrwert dieser Sektoren für die Wirtschaft spiegelt sich in ihren Marktrenditen wider, die bis dato zu den höchsten 2020 zählen. Seit Kurzem reiht sich auch der Werkstoffsektor in diese Kategorie ein, da er von der fiskalischen Expansion in China profitiert. Für den Reise- und Energiesektor könnte es dagegen schwierig bleiben, da es noch keinen allgemein verfügbaren Impfstoff gibt (der trotz der Fortschritte vermutlich noch in weiter Ferne liegt) und die Wirtschaftstätigkeit dementsprechend insgesamt zurückgeht. Banken leiden unverändert unter anhaltend niedrigen Zinsen und entsprechendem Druck auf die Margen.

Dennoch sind wir überzeugt, dass es andere Sektoren den Spitzenreiter von 2020 gleichtun können, da sich die Anzeichen für eine „V-förmige“ Erholung mehren. Die Wirtschaftsdaten verbessern sich auf breiter Front deutlich. Die führenden Einkaufsmanagerindizes drehen weltweit wieder ins Plus, wie Grafik 2 zeigt. Diese Frühindikatoren decken sich mit den Konsensprognosen, die für 2020 einen Rückgang der globalen Wirtschaftsleistung um 3,9% erwarten und für nächstes Jahr einen Anstieg um 5,2% sowie 2022 um 3,6%.

Anhang 2: Wirtschaft mit Blick auf eine Rückkehr zu Wachstum zuversichtlicher

Der historisch einmalige Einbruch - und die anschließende Erholung - der Einkaufsmanagerindizes deutet darauf hin, dass andere Daten die Annahme stützen, dass sich die Weltwirtschaft schneller als erwartet erholt.

Quelle: Bloomberg, Stand 10. November 2020. Die Einkaufsmanagerindizes basieren auf Monatsberichten und Umfragen aus dem verarbeitenden Gewerbe und dem Dienstleistungssektor. Sie liefern Hinweise zu wirtschaftlichen Trends und Geschäftsklima.

Regional sieht es ganz danach aus, dass führende Schwellenländer und Asien (ohne Japan) dieses Jahr ein positives Wirtschaftswachstum verbuchen werden. In den USA wurde das Wachstum auf -4,0% nach oben korrigiert und übertrifft damit die angeschlagene Eurozone und Großbritannien. 2021 werden dann voraussichtlich alle wichtigen Regionen wieder auf Wachstumskurs zurückkehren.

Von den insgesamt 21 Millionen US-Arbeitsplätzen, die in der schwärzesten Phase des Pandemie-bedingten Lockdowns verloren gegangen waren, sind 12 Millionen wiederhergestellt. Der Konsumsektor erholte sich, gemessen an den Kernumsätzen im Einzelhandel, in der ersten Jahreshälfte rasch, gefolgt von einer erneuten Belebung der Unternehmensausgaben. Diese monatlichen Verbesserungen in den USA wurden zwar ausgehend von einer niedrigen Vergleichsbasis verzeichnet, und es ist durchaus möglich, dass Unternehmen und Privathaushalte bei einer unkontrollierten Virusausbreitung den Gürtel wieder enger schnallen. Zahlreiche Länder sind jedoch der einhelligen Auffassung, dass bestimmte wirtschaftliche Aktivitäten weiterhin unerlässlich sind, und viele Unternehmen haben gelernt, ihre Geschäftsmodelle an das veränderte Kundenverhalten anzupassen.

2021 wird die Weltwirtschaft voraussichtlich wieder auf einen positiven Wachstumskurs zurückkehren

Dynamische Unternehmen in der Praxis

Die Aufhellung der Wirtschaftslage spiegelt sich bereits in den Unternehmensgewinnen und nach oben korrigierten Prognosen für die kommenden Quartale wider. Die meisten Unternehmen im S&P 500® Index hatten als dieser Artikel geschrieben wurde bereits ihre Gewinne für das dritte Quartal gemeldet. 82% davon übertrafen die Konsensschätzungen um durchschnittlich 17%. Für das Gesamtjahr 2020 wird zwar mit einem Gewinnrückgang der S&P 500-Unternehmen um fast 9% gegenüber 2019 gerechnet, für 2021 wird jedoch ein Anstieg um 22% und für 2022 um weitere 15,7% prognostiziert. Bei dem für 2021 erwarteten Gewinnwachstum führen Industrie, Nicht-Basiskonsum und Werkstoffe das Feld an. Alle drei Sektoren hängen in der Regel von einem breit angelegten Wirtschaftswachstum ab.

Nur wenige Geschäftsmodelle können einem Umsatzrückgang von 50% standhalten. Die Bewertung von Unternehmen angesichts solcher „Tail-Risiken“ ist ebenfalls schwierig. Dennoch ist die Lage vieler Unternehmen weitaus besser, als wir noch vor wenigen Monaten erwartet hatten. Das ist zum großen Teil den Lehren aus der globalen Finanzkrise und der anschließenden langsamen Erholung zu verdanken. Die Unternehmen haben ihre Prozesse gestrafft, ihre Bilanzen in Ordnung gebracht und die Branchen haben ihre Rationalisierung fortgesetzt. Dieses Mal scheint das Drehbuch ähnlich, wenngleich mit höherem Tempo und stärkerer staatlicher Unterstützung.

Ein günstiges Gewinnklima ist und bleibt unseres Erachtens der Haupttreiber für einen robusten Aktienmarkt.“

Quelle: Bloomberg Konsensschätzungen, Stand 11. November 2020.

Wir wissen seit Langem, dass die nächste Krise möglicherweise unmittelbar bevorsteht, und auch den führenden Unternehmenslenkern ist das bewusst. Wir sind überzeugt, dass risikobewusste und solide Unternehmen häufig gestärkt aus einer Krise hervorgehen. Sie schaffen das unter anderem durch Konsolidierung, eine kaum beachtete Methode. Wir gehen davon aus, dass Unternehmen mit Spielraum in ihren Bilanzen nach Geschäftsbereichen Ausschau halten werden, die ihr Kernangebot ergänzen und ihnen den Weg zu Verbesserungen ihrer Kostenstruktur und Preismacht ebnen.

Eine derartige Rationalisierung haben wir zuletzt in der Halbleiterindustrie beobachtet, wo sich Unternehmen verbündet haben, um Überkapazitäten und niedrige Preise zu bekämpfen. Zu den Kandidaten, die diesen Ansatz im Zuge der Pandemie wahrscheinlich anwenden werden, gehören der Energiesektor sowie Reisen und Tourismus mit angrenzenden Bereichen. Nur wenige Sektoren sind gegen die COVID-19-bedingten Umwälzungen immun. Unternehmen sind unseres Erachtens gut beraten, sich jetzt aktiv selbst zu helfen, statt sich morgen von widrigen Umständen ihr Schicksal diktieren zu lassen. Banken stehen zum Beispiel im aktuellen Niedrigzinsumfeld akut unter Druck. Finanzakteure sind nicht in der Lage, höhere Nettozinsmargen zu erzielen und versuchen daher, ihre Rentabilität zu steigern, indem sie sich von margenschwachen Geschäftsbereichen trennen und potenziell lukrativere Sparten, wie die Vermögensverwaltung, ausbauen.

Mehr als eine Zinsstrategie

Die Notenbanken verfolgen mit ihrer Niedrigzinspolitik und den Anleihenkäufen unter anderem das erklärte Ziel, Investoren Risikoanlagen schmackhaft zu machen. Die hohen Aktienkurse bedeuten allerdings mehr, als dass Aktien eine Alternative zu mageren Anleihenrenditen bieten. Das Niedrigzinsklima kommt Unternehmen und ihren Aktienkursen in vielfältiger Weise zugute. So haben Firmen die ultraniedrigen Zinsen eifrig genutzt, um sich zu refinanzieren und so ihre Zinslast zu senken und möglicherweise ihre Gewinne entsprechend zu steigern. Dank der niedrigen Zinsen werden Kapitalprojekte auch leichter rentabel. Das dürfte die Ausgaben ankurbeln und dadurch die Produktivität und Rentabilität beflügeln. Dementsprechend und wie Grafik 3 zeigt gehen niedrige Zinsen in der Regel Hand in Hand mit höheren Bewertungen.

Grafik 3: Niedrige Zinsen gehen in der Regel Hand in Hand mit höheren Bewertungen

In einem Niedrigzinsumfeld sind die Aktienbewertungen meistens vergleichsweise hoch. Steigen die Zinsen, sinkt normalerweise der Preis, den ein Anleger für Erträge zu zahlen bereit ist.

Quelle: Bloomberg, Stand 10. November 2020. Fed = US-Notenbank Federal Reserve Forward-KGV = Eine häufig verwendete Kennzahl zur Bewertung der Aktien eines Unternehmens. Es wird ermittelt, indem der aktuelle Aktienkurs durch den Gewinn pro Aktie dividiert wird. Ein vergleichsweise hohes KGV bedeutet, dass Anleger für die Zukunft mit solidem Gewinnwachstum rechnen.

Bekannte und verdeckte Risiken

Die Kursgewinne am Aktienmarkt basieren unserer Ansicht nach zwar auf günstigen Fundamentaldaten, dennoch lauern zahlreiche Risiken, die einen rasanten Kursrutsch auslösen könnten. Letztes Jahr um diese Zeit hatte kaum jemand von COVID-19 gehört. Das unkontrollierbare Wiederaufflammen des Virus zählt nach unserer Meinung zu den Risiken, die Anleger am meisten beunruhigen sollten. Selbst wenn ein sicherer und wirksamer Impfstoff gefunden wird, könnte es länger als vermutet dauern, bis er in ausreichender Menge weltweit zur Verfügung steht, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen. Bis dahin würde sich der Schaden aufgrund der wirtschaftlichen Beschränkungen weiter vergrößern.

Zudem konnten sich die Trump-Administration und der Kongress, wie befürchtet vor der Wahl nicht auf ein weiteres Hilfspaket verständigen. Obwohl sich alle Parteien einig sind, dass die Wirtschaft weitere Finanzhilfen benötigt, könnte die Ungewissheit über den letztlichen Umfang des Pakets und darüber, ob es ausreicht, um ins Wanken geratene Wirtschaftszweige zu unterstützen, die Aussichten für Unternehmen überschatten.

Die Teilung der Regierung, mit den Demokraten im Weißen Haus und einer Senatsmehrheit der Republikaner, wurde von Anlegern bejubelt. Doch angesichts des Rennens um die beiden Senatssitze in Georgia steht dieses Szenario auf wackligen Füßen. Das Ergebnis dürfte Anfang Januar bekannt gegeben werden, ebenso wie die Besetzung der wichtigsten Posten im Kabinett des designierten US-Präsidenten Biden. Beides wird maßgeblich bestimmen, wie aggressiv die neue Regierung ihre Steuer- und Regulierungspolitik verfolgt. Wir rechnen trotz des Regierungswechsels damit, dass sich der jüngste Trend zur Deglobalisierung und die größere Zurückhaltung in den Handelsbeziehungen zwischen den USA und China fortsetzen werden.

Wir rechnen trotz des Regierungswechsels damit, dass sich der jüngste Trend zur Deglobalisierung und die größere Zurückhaltung in den Handelsbeziehungen zwischen den USA und China fortsetzen werden.“

Der Inflationsanstieg ist ebenfalls ein potenzielles Risiko, dem unserer Meinung nach zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt wird. Wir gehen in unserem Basisszenario nicht von einem rasanten Anstieg der Teuerungsrate aus, aber die Zutaten für eine Überraschung in Sachen Inflation sind vorhanden. Die im Rahmen der geldpolitischen Unterstützung bereitgestellte Liquidität ist schwindelerregend. In den Jahren unmittelbar nach der globalen Finanzkrise markierte das Bilanzvolumen der Federal Reserve (Fed) im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) bei knapp über 26% einen Höchststand. Letzten Juni betrug das Bilanzvolumen 40%. Sofern ein wirksamer und sicherer Impfstoff gefunden wird und sich die Wirtschaftstätigkeit normalisiert, während die Fed der Inflation freien Lauf lässt, das 2%-Ziel zu übersteigen, könnten die Preise leicht aus dem Ruder laufen und die Bemühungen um ihre Eindämmung leicht zunichtemachen.

Wir denken angesichts des Volumens an frischem Geld, das in den Bilanzen schlummert, dass es ausreichen würde, wenn die Umlaufgeschwindigkeit, mit der das Geld durch die Wirtschaft zirkuliert, nicht weiter sinkt, um die Preise nach oben zu treiben. Längerfristig könnten die während der Pandemie rasant gestiegenen Staatsschulden den Dollar-Wert schmälern und so zu einer „importierten Inflation“ in Form von teureren ausländischen Waren führen.

Zahlungsausfälle von Unternehmen bereiten uns weniger Kopfzerbrechen. Aufgrund jahrelang niedriger Zinsen und nach der Refinanzierungswelle, als die Leitzinsen in der ersten Jahreshälfte Richtung 0% rutschten, erscheinen die Bilanzen weitgehend solide und die Ausfallraten sind niedriger als während der globalen Finanzkrise. Die Fed wollte mit ihrer Intervention am Markt 2020 eine Liquiditätskrise abwenden, die Fragen zur Solvenz bleiben jedoch. Obwohl diese Bedenken nicht ausgeräumt sind, wurden sie beschwichtigt durch die wirtschaftliche Belebung Mitte des Jahres und die Zusage der Fed, die Wirtschaft weiter zu unterstützen, insbesondere durch den Kauf von Anleihen unterschiedlicher Bonität.

Relevante Szenarien

  • Wenn wir uns die Fundamentaldaten von Unternehmen und die makroökonomischen Daten ansehen, gehen wir davon aus, dass 2021 für Aktien ein gutes Jahr wird. Die Kursgewinne an den Aktienmärkten könnten dementsprechend breiter gestreut sein, da sich das Wirtschaftswachstum vor allem im stark angeschlagenen Konsumsektor ausweitet. Die durch technologische Innovationen beflügelten Sektortrends dürften ebenfalls positiv zu den Aktienrenditen beitragen, da sich ihre Annahme während der Pandemie beschleunigt hat. Wenn wir uns die Art dieses Abschwungs näher ansehen und bedenken, dass die Weltwirtschaft vor der Pandemie in einer guten Verfassung war, könnten wir die Höchststände an den Aktienmärkten 2020 rückblickend als Vorboten eines neuen Bullenmarktzyklus werten. Die letzten fünf dieser Zyklen dauerten jeweils länger als fünf Jahre.
  • Wir halten Ausschau nach Inflation. Sollte ein unerwartet massives Konjunkturpaket geschnürt und ein Impfstoff rasch an die Bevölkerung verteilt werden, könnte es zu einer Rotation zugunsten des Finanzsektors, auf den rund 14% der Value-Aktien entfallen, des Energiesektors sowie anderer „Preismacher“ kommen, die ihre Kosten an die Kunden weitergeben können. Bei diesem Szenario könnten bestimmte Konsumtrends einknicken, da die Haushalte ihre Budgets neu einteilen.
  • Erneute Lockdowns mit entsprechend schmerzhaften Folgen für die Wirtschaft sind nicht auszuschließen. Zudem ist ungewiss, ob ein wirtschaftsfreundliches Regulierungsumfeld einkehren oder der freie Welthandel zurückkehren wird. Bei einer uneinheitlichen Entwicklung des Wachstums werden Anleger voraussichtlich in den entsprechenden Bereichen nach Wachstumspotenzial suchen, also bei den langfristigen Sektortrends, die mit Technologie, Schwellenländerkonsum und einer alternden Bevölkerung in Industrieländern verknüpft sind.

Insgesamt sehen wir dem neuen Jahr was Aktien anbelangt optimistisch entgegen. Unterstützt werden wir in unserer Einschätzung durch solide Gewinnwachstumserwartungen und die unerwartet rasche Erholung von der Pandemie. Wie bereits erwähnt, gibt es für diesen Ausblick erhebliche Herausforderungen, die sorgfältig beobachtet werden müssen. Im Moment wirken die Fundamentaldaten, vorausschauenden Managementteams und niedrigen Zinsen allerdings wohl wie starke Katalysatoren, die den Aktienmärkten helfen, die widrigen Umstände zu überwinden.

BIP, Beschäftigungszahlen, Ergebnisse und Prognosen zu Unternehmensgewinnen, Höhe des Vermögens der US-Notenbank Federal Reserve und die Zusammensetzung von Value-Aktien stammen alle von Bloomberg mit Stand: 10. November 2020.

Glossar

Bullenmarkt: Ein Finanzmarkt, an dem die Wertpapierpreise steigen, vor allem wenn dies über einen langen Zeitraum geschieht. Gegenteil eines Bärenmarkts.

Fundamentaldaten von Unternehmen: Informationen, die zur Bewertung eines Wertpapiers beitragen, wie z. B. die Gewinne des Unternehmens, die Evaluierung der Unternehmensleitung und allgemeine wirtschaftliche Faktoren.

Unternehmensausfälle: Unfähigkeit eines Schuldners (z. B. eines Anleiheemittenten, und in diesem Fall eines Anleiheemittenten im Unternehmenssektor), Zinsen oder einen ursprünglich geliehenen Betrag bei Fälligkeit zu bezahlen bzw. zurückzuzahlen.

Kreditrating: Eine Bewertung, die einem Kreditnehmer auf der Grundlage seiner Kreditwürdigkeit zugewiesen wird. Das Rating kann eine Regierung oder ein Unternehmen betreffen, oder auch einzelne Schuldtitel oder Finanzverbindlichkeiten dieser. Eine Körperschaft, die Investment-Grade-Anleihen ausgibt, hat in der Regel ein höheres Kreditrating als eine, die hochverzinsliche Anleihen ausgibt.

Gewinn je Aktie: Der jeder Aktie des Unternehmens zurechenbare Anteil am Unternehmensgewinn. Anleger verwenden diese Kennzahl besonders gerne, um die Rentabilität eines Unternehmens zu beurteilen.

Fiskalische Expansion/fiskalische Stimulierung/fiskalische Unterstützung: Die staatliche Zins- und Ausgabenpolitik. Sie unterscheidet sich von der Geldpolitik, die in der Regel von einer Zentralbank vorgegeben wird. Der Begriff fiskalische Expansion (oder „Stimulierung“) bezeichnet eine Erhöhung der Regierungsausgaben und/oder die Senkung von Steuern. Unter einer fiskalischen Sparpolitik versteht man die Erhöhung von Steuern und/oder die Senkung von Ausgaben, um die staatliche Verschuldung zu verringern.

Bruttoinlandsprodukt: Wert aller von einem Land innerhalb eines bestimmten Zeitraums (normalerweise Vierteljahr oder Jahr) produzierten fertigen Erzeugnisse und Dienstleistungen. Wird in der Regel als Prozentsatz im Vergleich zu einem vorangegangenen Zeitraum angegeben und ist eine umfassende Kennzahl für die Gesamtwirtschaftstätigkeit eines Landes.

Liquidität: Möglichkeit zum Kauf oder Verkauf eines bestimmten Wertpapiers oder Assets am Markt. Als liquide gelten Assets, die am Markt problemlos gehandelt werden können (ohne eine größere Kursbewegung auszulösen).

Geldpolitische Stimulierung/Geldpolitik: Die Politik einer Zentralbank, die darauf abzielt, die Inflation und das Wachstum in einer Volkswirtschaft zu beeinflussen. Hierzu zählt die Steuerung der Zinssätze und der Geldmenge. Der Begriff geldpolitische Stimulierung bezieht sich auf die Erhöhung der Geldmenge durch eine Zentralbank und die Senkung der Kreditkosten. Mit geldpolitischer Straffung werden Maßnahmen der Zentralbanken bezeichnet, die darauf abzielen, die Inflation einzudämmen und das Wirtschaftswachstum zu verlangsamen, indem die Zinsen erhöht und die Geldmenge verringert werden.

Einkaufsmanagerindizes: Sie basieren auf Monatsberichten und Umfragen aus dem verarbeitenden Gewerbe und dem Dienstleistungssektor. Sie liefern Hinweise zu wirtschaftlichen Trends und Geschäftsklima.

Tail-Risiken: Risiko von Extremereignissen mit nur geringer Eintrittswahrscheinlichkeit, die jedoch bei Eintritt erhebliche Auswirkungen auf die Performance haben könnten.

V-förmige Erholung: Bezeichnet den Verlauf einer Linie basierend auf Daten von den Finanzmärkten oder Wirtschaftsindikatoren. Das V steht für einen steilen Abfall und einen anschließenden entsprechend steilen Anstieg während der Erholung. 

Die vorstehenden Einschätzungen sind die des Autors zum Zeitpunkt der Veröffentlichung und können von denen anderer Personen/Teams bei Janus Henderson Investors abweichen. Die Bezugnahme auf einzelne Wertpapiere, Fonds, Sektoren oder Indizes in diesem Artikel stellt weder ein Angebot oder eine Aufforderung zu deren Erwerb oder Verkauf dar, noch ist sie Teil eines solchen Angebots oder einer solchen Aufforderung.

 

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