US-Wachstumsaktien

Starke Faktoren sprechen für eine Erholung des US-Reise- und Freizeitsektors

US-Wachstumsaktien

Starke Faktoren sprechen für eine Erholung des US-Reise- und Freizeitsektors

Portfoliomanager Jeremiah Buckley und der stellvertretende Portfoliomanager David Chung sprechen über die Aussicht auf eine kräftige Erholung im Reise- und Freizeitsektor angesichts der Lockerung der COVID-Beschränkungen.

Zentrale Erkenntnisse

  • Der Reise- und Freizeitsektor hat während der COVID-Pandemie vielleicht mehr als jeder andere Wirtschaftszweig unter den Kontaktbeschränkungen gelitten.
  • Eine Kombination aus mehreren Faktoren, angefangen vom Impf-Rollout auf breiter Front über den signifikanten Nachfragestau, solide Verbraucher-Ersparnisse bis hin zu massiven geld- und fiskalpolitischen Stimulierungsmaßnahmen führen langsam zu einer Belebung der Aktivitäten.
  • Obwohl sich der genaue Zeitpunkt nicht vorhersagen lässt, könnten ausgewählte Aktien aus diesen Sektoren in der zweiten Jahreshälfte 2021 und darüber hinaus profitieren, wenn die US-Wirtschaft wieder anspringt und der Nachfragestau abgebaut wird.

Die Sektoren Reisen und Freizeit haben vielleicht am stärksten unter den Kontaktbeschränkungen aufgrund der COVID-Pandemie, gelitten. Einige starke Faktoren deuten jedoch auf einen kräftigen wirtschaftlichen Aufschwung in den USA 2021 hin, angefangen vom Impf-Rollout auf breiter Front über den signifikanten Nachfragestau, solide Verbraucher-Ersparnisse bis hin zu massiven geld- und fiskalpolitischen Stimulierungsmaßnahmen. Diese Faktoren fördern vor allem in diesen am Boden liegenden Sektoren langsam eine Belebung und könnten eine kräftige Erholung bescheren, sobald die Wirtschaft wieder ganz geöffnet werden kann.

Lösung der Gesundheitskrise schürt Optimismus

Die Fortschritte bei den Impfungen haben zu einem spürbaren Rückgang der COVID-Fallzahlen und der stationären Behandlungen geführt und schüren Hoffnungen auf eine vollständige Wiederöffnung der Wirtschaft. Als dieser Artikel verfasst wurde, waren in den USA fast 100 Millionen Impfungen verabreicht worden und hatten fast 20% der Amerikaner mindestens eine Dosis erhalten.1 Einige Bundesstaaten (z. B. Texas, South Dakota, Montana, Mississippi und Iowa) haben mit Verweis auf rückläufige Infektionszahlen und Zunahme der Impfungen begonnen, Kontaktbeschränkungen und Maskenpflicht aufzuheben. In anderen Bundesstaaten werden Beschränkungen gelockert und beispielsweise Zusammenkünfte von mehr Menschen in Restaurants, Theatern, Casinos, Sport- und Unterhaltungsstätten gestattet, was auf eine vollständige Wiederöffnung der Wirtschaft hindeutet. Hochansteckende Virusvarianten und frühere Fälle, in denen die Lockerung der Beschränkungen zu einem sprunghaften Anstieg der Fallzahlen geführt hatte, bereiten allerdings erhebliche Sorgen.

Abbau des Nachfragestaus

Die Resultate sind zaghafte Anzeichen für eine Belebung der Reisetätigkeit, insbesondere bei Freizeitreisen, sowie Hinweise auf einen erheblichen Nachfragestau, der sich lösen wird, sobald die Beschränkungen gelockert werden und sich die Märkte wieder für den Tourismus öffnen. Viele Verbraucher mussten 2020 ganz auf Urlaub verzichten und wollen daher unbedingt bald verreisen: 34% der Amerikaner wollen in diesem Frühjahr eine Reise ins Ausland unternehmen und weitere 35% planen dies für den Sommer2, während 76% eine Wunschliste für zukünftige Reiseziele erstellen.3

Das Gesamt-Passagieraufkommen an US-Flughäfen liegt zwar nach wie vor deutlich unter dem Niveau vor der Pandemie, ist aber wie Grafik 1 zeigt auf den höchsten Stand seit Beginn der Pandemie gestiegen.

Grafik 1: Gesamt-Passagierdurchsatz

Quelle: TSA.gov, Stand: 14. März 2021.

Eine große Hotelkette rechnet damit, dass bis Mitte 2021 im Wesentlichen alle Zimmer ihres Netzwerks wieder verfügbar sein werden. Die Belegungsrate über den Feiertag „Presidents' Day“ im Februar 2021 war die höchste an einem langen Wochenende seit Beginn der Pandemie. Während Freizeitreisen und Buchungen von Zielen, die mit dem Auto zu erreichen sind, weiterhin deutlich vor Geschäfts- und Fernreisen liegen, wird sich die Nachfrage nach Geschäfts- und Gruppenreisen (z. B. Fachkonferenzen) in der zweiten Jahreshälfte 2021 und bis in das Jahr 2022 hinein voraussichtlich erholen, da einige Unternehmen diese Reisen und Veranstaltungen für ihre Geschäftstätigkeit als wichtig einstufen. Die meisten Hotelreservierungen erfolgen aber immer noch innerhalb einer Woche vor Reiseantritt, und für internationale Reisen gelten unverändert starke Beschränkungen. Diese mangelnde Transparenz begrenzt die Prognosen zu künftigen Trends, deutet aber darauf hin, dass stärker auf regionale Reisen ausgerichtete Unternehmen anfangs profitieren und ihren Marktanteil in diesem Zeitraum möglicherweise ausbauen könnten.

Die erneute Reisenachfrage könnte sich auch abseits der offensichtlichen Nutznießer wie Fluggesellschaften und Hotels positiv auswirken. Im März meldete ein führender US-Fahrdienst zum ersten Mal seit Beginn der Pandemie die höchste Anzahl von Fahrten in einer Woche und ein Wachstum des Fahrdienst-Volumens im Vergleich zum Vorjahr. Gleichzeitig verzeichnen elektronische Zahlungsnetzwerke durch die internationalen Reisebeschränkungen einen erheblichen Rückgang des grenzüberschreitenden Volumens, während die Pandemie die Akzeptanz elektronischer Zahlungen beschleunigt hat.

Solide Finanzlage der Verbraucher könnte als Katalysator wirken

Obwohl immer noch Millionen Menschen arbeitslos sind und unter den Folgen des Virus leiden, scheint die finanzielle Situation der US-Verbraucher allgemein solide. Dies könnte daher die Erholung dank zusätzlicher Ersparnisse (Grafik 2) und eines Vermögenszuwachses aufgrund der Erholung am Aktienmarkt und der hohen Immobilienwerte vorantreiben. Die persönliche Sparquote in den USA hat sich gegenüber dem Vorjahr fast verdreifacht und lag im Januar 2021 bei 20,5% gegenüber 7,6% im Januar 2020. Grund hierfür dürften die enormen fiskalischen Stimulierungsmaßnahmen sein. Mit dem vor Kurzem geschnürten Konjunkturpaket von weiteren 1,9 Billionen Dollar wird die Sparquote voraussichtlich noch weiter steigen. Die privaten Sparguthaben beliefen sich im Januar 2021 auf 3,9 Billionen USD gegenüber 2,3 Billionen USD im Dezember. Größtenteils war dies auf den Ende Dezember verabschiedeten Coronavirus Response and Relief Supplemental Appropriations (CRRSA) Act zurückzuführen.

Grafik 2: Persönliche Sparquote

Quelle: U.S. Bureau of Economic Analysis, Personal Saving Rate [PSAVERT], erhoben von FRED, Federal Reserve Bank of St. Louis, Stand: 03. März 2021.

Die Verbraucher können die Ersparnisse für Waren und Dienstleistungen ausgeben oder sie anderweitig verwenden, z. B. um Schulden zu tilgen oder für Kapitalanlagen. Diese Entscheidungen werden den Verlauf der wirtschaftlichen Erholung letztlich entscheidend bestimmen. Es gibt erste Anzeichen dafür, dass die Sparneigung der Verbraucher seit 2020 sinkt. Die Einzelhandelsumsätze erholen sich, wie Grafik 3 zeigt. Im Januar sind die vorläufigen Einzelhandelsumsätze um 7,6% gestiegen, wobei ein größerer Anteil der Ausgaben in Nicht-Basiskonsumgüter geflossen ist. Obwohl die vorläufigen Daten für Februar im Vergleich schwächer ausfielen, lagen die Umsätze über dem Niveau von 2020. Wir gehen davon aus, dass die Konsumausgaben im Laufe des Aufschwungs tendenziell steigen werden.

Grafik 3: Vorläufige Einzelhandelsumsatzzahlen (Einzelhandel und Gastronomie)

Quelle: U.S. Census Bureau, Advance Retail Sales: Einzelhandel und Gastronomie, Gesamtzahl [MARTSMPCSM44X72USS], von der FRED, Federal Reserve Bank of St. Louis, Stand: 16. März 2021.

Im Januar sind beispielsweise die Einzelhandelsumsätze in Geschäften für Elektronik und Haushaltswaren sowie in Warenhäusern um 16,7% bzw. 20,6% (Grafik 4) gestiegen. Wenn sich dieser Trend fortsetzt, könnten die Sparguthaben das Wachstum deutlich ankurbeln, da der private Konsum mehr als zwei Drittel des US-Bruttoinlandsprodukts (BIP) ausmacht.

Grafik 4: Vorläufige monatliche Umsatzzahlen für Einzelhandel und Gastronomie nach Geschäftsart

Quelle: U.S. Census Bureau, Advance Monthly Sales for Retail and Food Services by Kind of Business, Veränderung in Prozent, saisonbereinigt, von FRED, Federal Reserve Bank of St. Louis, Stand: 16. März 2021.

Kurz- und langfristige Wachstumstreiber

Während der Pandemie sind Anlagethemen rund um die massive Digitalisierung in Schwung gekommen. Wir gehen davon aus, dass ein breit angelegter Konjunkturaufschwung diese langfristigen Trends weiter verstärken wird. Hierzu zählen der Umstieg auf den Online-Handel, die zunehmende Akzeptanz digitaler Zahlungssysteme, der Übergang zur Cloud und zu Software-as-a-Service bei Telearbeit, Unterricht und Unterhaltung sowie die zunehmende Innovationstätigkeit im Gesundheitssektor in den Bereichen Pharma, Medizintechnik, personalisierte Medizin und Diagnosekapazitäten.

Ungeachtet der seit Kurzem steigenden Inflationserwartungen und Zinsen sind wir weiterhin der Meinung, dass das Umfeld für Aktien dank anhaltender fiskalischer Anreize und der lockeren Geldpolitik allgemein nach wie vor günstig ist. Dies und die bessere Gesundheitssituation, der erhebliche Nachholbedarf und die finanzielle Stärke der Verbraucher bescheren für bestimmte Unternehmen aus dem Freizeit- und Reisesektor Wachstumspotenzial.

Dennoch ist bei der Analyse dieser Sektoren ein selektiver Ansatz nach wie vor extrem wichtig, da die Bewertungen einiger Aktien trotz wesentlich schlechterer Bilanzen über dem Niveau vor der Pandemie liegen. Mitunter haben die Unternehmen das Aktienkapital auch durch die Emission zusätzlicher Aktien verwässert. Unternehmen, vor allem aus dem Reise- und Freizeitsektor, die von einer Erholung profitieren können und über intakte Bilanzen verfügen, könnten gut für einen Aufschwung aufgestellt sein, wenn die Wirtschaft wieder anspringt und sich erholt.

1 Centers for Disease Control and Prevention, 10. März 2021.

2 Online-Umfrage in den USA, durchgeführt von The Harris Poll im Auftrag von Ad Age zwischen dem 23. und 25. Februar 2021 unter 2.032 US-Erwachsenen im Alter von 18 Jahren und älter.

3 American Express Travel: 2021 Global Travel Trends Report.

Die vorstehenden Einschätzungen sind die des Autors zum Zeitpunkt der Veröffentlichung und können von denen anderer Personen/Teams bei Janus Henderson Investors abweichen. Die Bezugnahme auf einzelne Wertpapiere, Fonds, Sektoren oder Indizes in diesem Artikel stellt weder ein Angebot oder eine Aufforderung zu deren Erwerb oder Verkauf dar, noch ist sie Teil eines solchen Angebots oder einer solchen Aufforderung.

 

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