Nach Einschätzung von Portfoliomanager Jeremiah Buckley werden sich die Schwankungen fortsetzen, mit denen die Märkte auf die weltweite Ausbreitung des Coronavirus reagieren. Klarere Einschätzungen zum neuartigen Lungenvirus und mögliche Konjunkturmaßnahmen könnten den Motor der Weltwirtschaft 2021 aber wieder ankurbeln. Ein Übriges dürften die bis dahin abgeschlossenen Präsidentschaftswahlen in den USA tun.

   Zentrale Erkenntnisse

  • Für die nächsten Wochen rechnen wir mit stärkerer Volatilität an den Märkten, da Anleger die Ausbreitung der neuen Atemwegserkrankung genau beobachten und die von Regierungen aufgelegten Konjunkturprogramme unter die Lupe nehmen werden.
  • Aus unserer Sicht sind negative Auswirkungen auf das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) in diesem Jahr wahrscheinlich. Wir halten aber auch einen kräftigen Aufschwung im nächsten Jahr für möglich, wenn mehr Klarheit über das Virus herrscht und Konjunkturmaßnahmen die Nachfrage ankurbeln. Mit den bis dahin abgeschlossenen Präsidentschaftswahlen in den Vereinigten Staaten könnte eine weitere Quelle der Unsicherheit wegfallen.
  • Zudem hat sich der Ausblick für langfristige Wachstumstrends, wie z.B. die Zunahme des globalen Reiseverkehrs, unseres Erachtens kaum verändert. Unternehmen mit soliden Bilanzen und starken freien Cashflows sollten in der Lage sein, kurzfristigen Schwankungen die Stirn zu bieten.

 

In den nächsten Wochen dürften wir klarer sehen, was die Ausbreitung des SARS-CoV-2-Virus und die Folgen für die Weltwirtschaft anbelangt. Rund um den Globus werden neue COVID-19-Fälle bekannt. Die jüngsten Nachrichten aus China, dem Epizentrum der Epidemie, geben jedoch Anlass zu vorsichtigem Optimismus, dass sich dort die Ausbreitung verlangsamt. Unternehmen berichten, dass erste Läden wieder öffnen und in Fabriken die Arbeit wieder aufgenommen wird. Das könnte den Konsum anfachen und die für eine funktionierende Wirtschaft so wichtigen Lieferketten wieder ans Laufen bringen. Diese ersten Signale und die Maßnahmen der Zentralregierung werden wir genau beobachten, um den Weg der Erholung in Chinas Wirtschaft zu verfolgen.

Konjunkturpakete für einen Neustart des Wachstumsmotors?

Im Kampf gegen das Virus scheint China in die nächste Phase einzutreten. Dabei muss das Land den Fokus darauf richten, wie der Wirtschaftsmotor wieder auf Touren zu bringen ist. Reisebeschränkungen und die Verlagerung von Ressourcen im Bemühen, das Virus einzudämmen, haben ihn mächtig ausgebremst. Der Lungenerreger hat eine bis dahin beispiellose Situation mit Engpässen bei Arbeitskräften und Schließung von Unternehmen hervorgerufen. Herkömmliche fiskalische und geldpolitische Maßnahmen zum Ankurbeln der Nachfrage werden daher größere Wirkung zeigen, wenn die normalen Geschäftsaktivitäten wieder aufgenommen werden können.

Angesichts der weltweiten Ausbreitung des Virus bereiten sich andere Länder auf die unvermeidlichen Auswirkungen auf ihre Bevölkerung und Wirtschaft vor. Aus unserer Sicht ist ein Rückgang des globalen BIP-Wachstums in diesem Jahr wahrscheinlich. Aber es sind bereits Entwicklungen im Gange, die ein Wiederanspringen des Konjunkturmotors ermöglichen und für mehr Klarheit über den weiteren Verlauf der Krise sorgen können. So scheinen etwa die Zentralbanken zu wichtigen Impulsen bereit. Vor wenigen Tagen senkte die US-Notenbank in einem ungewöhnlichen Schritt zwischen ihren regulären Sitzungen den Leitzins um 50 Basispunkte. Mit solchen Impulsen könnte die aufgestaute Nachfrage wieder in Gang kommen, denn das auf dem Höhepunkt der Ungewissheit verloren gegangene Wachstum löst sich vermutlich nicht gänzlich in Luft auf, sondern verschiebt sich nur auf einen späteren Zeitraum. Mit wieder hochschnellender Nachfrage könnten auch die Lagerbestände wieder aufgefüllt werden, die wegen des langwierigen Handelskriegs zwischen den USA und China ohnehin ziemlich abgeschmolzen waren. Auch hier gilt: Solange die Verunsicherung groß ist, werden Konjunkturmaßnahmen möglicherweise nur eingeschränkt wirken. Wenn sich jedoch der Nebel lichtet, könnten die nun ergriffenen Maßnahmen die Weichen für künftiges Wachstum stellen.

Präsidentschaftswahlen in den USA

Auch die anstehenden Präsidentschaftswahlen in den Vereinigten Staaten befeuern die Turbulenzen, wenn auch in geringerem Maße. Der Erfolg Bernie Sanders macht den Marktteilnehmern Sorgen, gilt der Senator aus Vermont doch als weniger marktfreundlich verglichen mit den gemäßigteren Anwärtern auf die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten. In den nächsten Monaten werden die Wähler bestimmen, wen sie von den Demokraten für die Präsidentschaftswahlen nominieren. Wenn das Rennen dann im November entschieden ist, fällt eine weitere Quelle der Unsicherheit weg. Auch das dürfte einer möglichen Konjunkturerholung den Weg bereiten.

Langfristige Auswirkungen

Für eine abschließende Beurteilung zu Dauer und Schwere des Coronavirus-Ausbruchs und seiner Folgen ist es noch zu früh. Gleichwohl ist unsere Einschätzung zu starken Langfristtrends unverändert. So sind wir beispielsweise überzeugt, dass die Coronavirus-Krise den Trend zu Cloud-Computing und Software als Dienstleistung kaum beeinflussen wird. Die weltweite Zunahme des elektronischen Zahlungsverkehrs ist ein weiteres langfristiges Anlagethema, dem aus unserer Sicht struktureller Rückenwind auf Jahre hinaus Auftrieb geben wird. Besonders hart trifft die Epidemie kurzzeitig zwar die globale Reisebranche. Aber die Konsumenten haben ein kurzes Gedächtnis, und schließlich wird die Nachfrage wieder anziehen. Unternehmen mit soliden Bilanzen und der Fähigkeit, starke freie Cashflows zu generieren, werden kurzzeitige Schwankungen vermutlich besser überstehen und im Vergleich zu ihren Mitbewerbern gestärkt aus der Krise hervorgehen. Weiterhin werden wir die Lage genau auf Hinweise für eine dauerhafte Wachstumseintrübung beobachten. Bislang aber hat sich am langfristigen Ausblick für den Markt nach unserer Einschätzung wenig geändert.

Ganze Technologiebranchen können durch überholte Technik, kurze Produktzyklen, fallende Preise und Gewinne, harten Wettbewerb durch Marktneulinge und die allgemeine Wirtschaftslage erheblich unter Druck geraten. Mit einer konzentrierten Anlage in nur eine Branche können größere Schwankungen in der Wertentwicklung einhergehen verglichen mit einer weniger konzentrierten Anlage und dem Markt als Ganzes.