Schwellenländer – deutliche Unterschiede

Zentrale Erkenntnisse

  • Einige Schwellenländer haben in den letzten Jahren bereits Pandemien erlebt und waren daher besser vorbereitet als die Industrieländer, um auf den Aufbruch des Coronavirus zu reagieren.
  • Länder, die auf wirtschaftliche Entwicklung durch Exporte setzen, könnten damit künftig Schwierigkeiten haben, wenn die protektionistischen Tendenzen zunehmen.
  • Große Binnenmärkte wie China könnten am besten positioniert sein, um längerfristige Anlagechancen zu bieten, wenn nicht mehr so große Exportmärkte verfügbar sind wie bisher.

Das Coronavirus hat seinen Ursprung in Wuhan, China, doch die Infektions- und Sterblichkeitsraten weisen unter den Schwellenländern ebenso große Unterschiede auf wie die aktuellen wirtschaftlichen Auswirkungen. Wir glauben deshalb, dass manche Länder – und die Unternehmen, die von diesen Ländern aus operieren – besser positioniert sein werden als andere, um sich zu erholen und schließlich langfristig zu wachsen.

Mehrere Schwellenländer haben bereits Erfahrungen mit Pandemien wie SARS, MERS und der asiatischen Schweinegrippe und waren daher besser vorbereitet, um auf den Ausbruch des Coronavirus zu reagieren. Länder wie China und Vietnam, die kompetente, geschlossen agierende und proaktive Regierungen haben, haben die Situation effizient gemanagt. Sie profitierten von Testkapazitäten, der Möglichkeit, einen Lockdown zu verhängen, und der Bereitschaft, sich über Datenschutzbedenken hinwegzusetzen und Technologien einzusetzen.

Wenn das Virus unter Kontrolle ist

In bestimmten Schwellenländern waren die Regierungen durch die Coronavirus-Pandemie gezwungen, mehr auszugeben, als sie sich leisten konnten, und unkonventionelle geldpolitische Experimente zu machen. Sie dürften die wirtschaftlichen Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie längerfristig zu spüren bekommen. So hat beispielsweise die Reserve Bank of India (RBI) in einer eigenen Version der „Operation Twist“ begonnen, langfristige Staatsanleihen zu kaufen und gleichzeitig kurzfristige Anleihen zu verkaufen, um die längerfristigen Zinsen zu senken und die indische Wirtschaft zu beleben.

Sorge bereiten uns die Verschuldungsgrade von Ländern wie Argentinien, Nigeria und Südafrika sowie größerer Schwellenländer wie Brasilien, Indien und Indonesien. Wir glauben, dass diese Länder ihre Haushaltsdefizite unter Kontrolle bekommen müssen, wenn die Pandemie vorüber ist, ein Prozess, der in der Vergangenheit häufig zu längeren Phasen unterdurchschnittlichen Wachstums geführt hat.*

Zu den Aktienmärkten, die unter der COVID-19-Pandemie am meisten gelitten haben, zählen diejenigen, deren Staatsanleihen zu einem großen Teil in ausländischer Hand sind, wie Mexiko, Südafrika und Indonesien. Der Verkauf dieser Anleihen durch Anleger, die ihr Geld abziehen, setzt in der Regel die Währung des betreffenden Landes unter Druck. Auch Länder, die vor dem Ausbruch der Pandemie eine aggressive Geldpolitik verfolgten, wie die Türkei und Brasilien, haben mit schwierigen Aktienmarktbedingungen zu kämpfen.

Länderanalysen sind wichtig

Unserer Einschätzung nach werden die nächsten 20 Jahre für Schwellenländer nicht so positiv verlaufen wie die vergangenen 20 Jahre. Erstens ist das goldene Zeitalter der Globalisierung vorüber. Länder, die auf wirtschaftliche Entwicklung durch Exporte setzen, werden damit künftig Schwierigkeiten haben, weil die protektionistischen Tendenzen zunehmen. Zweitens reduzieren künstliche Intelligenz (KI) und Automatisierung den komparativen Vorteil billiger Arbeitskraft und erschweren somit die wirtschaftliche Entwicklung auf Basis der Industrialisierung. Und schließlich wandelt sich die Wachstumsstory Chinas von einer rohstoffintensiven Wirtschaft – und dem Import von Investitionsgütern – hin zu einer konsumorientierten Wirtschaft, wodurch andere Schwellenländer weniger Unterstützung erhalten.

Wir erwarten daher zwischen den Schwellenländern ein enormes Gefälle, mit Erfolgsstorys, aber auch Ländern, die scheitern werden, sodass die Länderselektion wichtig ist.

Governance-Faktoren weiter von entscheidender Bedeutung

Nicht alle Mehrheitsaktionäre in der Anlageklasse der Schwellenländer überwachen ihr Unternehmen zum Wohle aller – d.h. auch zum Wohle von Minderheitsaktionären wie uns. Nicht alle politischen Regime geben vorhersehbare Gesetze und aufsichtsrechtliche Standards vor. Wir bleiben daher vorsichtig mit Anlagen in staatlichen Unternehmen, die gezwungen sein könnten, sich an „nationalen Diensten“ zu beteiligen, d.h. Weisungen der Regierung zu befolgen, in deren Auftrag zu handeln. Wir bevorzugen weiterhin kleinere und mittelständische Unternehmen, die die Interessen aller Aktionäre im Auge haben.  Wir glauben, dass diese Unternehmen die Zukunft der Schwellenländer darstellen.

Ein Fokus auf großen Binnenmärkten

Länder mit großen Binnenmärkten wie China könnten jetzt, wo nicht mehr so große Exportmärkte verfügbar sind wie bisher, am besten positioniert sein, um längerfristige Anlagechancen zu bieten. Dies vorausgeschickt, sehen wir Vietnam weiterhin positiv, denn in das Land floss zuletzt ein überproportionaler Anteil der ausländischen Direktinvestitionen im Verhältnis zu anderen Schwellenländern. Angesichts der laufenden Verbesserungen in der Infrastruktur des Landes und der jungen und gebildeten Bevölkerung ist Vietnam eine naheliegende Alternative zur Diversifizierung der Lieferketten weg von China. Das einzige Hindernis besteht darin, dass für ein Stockpicking nur ein begrenzter Pool an liquiden (leicht handelbaren) Aktien zur Verfügung steht.

Auf Einzeltitelebene halten wir auch Ausschau nach Unternehmen, die geistiges Eigentum produzieren, und zwar nicht nur Technologiepatente, sondern auch Marken. Ebenso wie in den Industrieländern werden auch in den stärkeren Schwellenländern Themen wie das Wachstum des E-Commerce und die Digitalisierung von Zahlungen weiter an Bedeutung gewinnen. Wir sind der Meinung, dass erfolgreiche Länder und Unternehmen eine reformfreudige Regierung benötigen, die mit politischen Maßnahmen dazu beiträgt, dass diese Faktoren zusammen Wirkung entfalten.

Aus unserer Sicht müssen Schwellenländer bestimmte wesentliche Faktoren erfüllen, um erfolgreich zu sein:

  • Ein großer Binnenmarkt vor dem Hintergrund der Deglobalisierung
  • Schaffung von geistigem Eigentum (Technologiepatente und Marken)
  • Reformfreudige oder innovative Regierung

WIR HALTEN NICHT  ALLE SCHWELLENLÄNDER FÜR GUT AUFGESTELLT

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Quelle: Janus Henderson Investors, Stand: 31. Mai 2020

Auf Basis dieser Faktoren und der Dynamiken, die in der Welt nach COVID-19 entstehen dürften, wird es zwischen den einzelnen Ländern deutliche Unterschiede geben. Die attraktivsten Chancen sehen wir längerfristig in den Schwellenländern Asiens, wo Innovation stattfindet und eine wachsende Mittelschicht mit kaufkräftigen Verbrauchern vorhanden ist. Klar ist jedoch, dass man bei der Analyse der relativen Vorzüge der einzelnen Vertreter der Anlageklasse sorgfältig vorgehen muss, da das Gefälle zwischen Gewinnern und Verlierern wächst.

*Unterdurchschnittliches Wachstum: Wachstum, das unter dem Durchschnitt oder den Erwartungen liegt

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  • Der Fonds ist in Schwellenmärkten einer höheren Volatilität und einem größeren Verlustrisiko ausgesetzt als in entwickelten Märkten. Schwellenmärkte sind anfällig für nachteilige politische und wirtschaftliche Ereignisse und können schlechter reguliert sein und daher weniger strenge Verwahrungs- und Abrechnungsverfahren aufweisen.
  • Der Fonds könnte Geld verlieren, wenn eine Gegenpartei, mit der er Handel treibt, ihren Zahlungsverpflichtungen gegenüber dem Fonds nicht nachkommen kann oder will.