Nick Maroutsos, Co-Head of Global Bonds, beleuchtet die Chancen und Risiken, die er 2020 für Rentenanleger vor dem Hintergrund eines keineswegs sicheren geldpolitischen Kurses der US-Notenbank sieht.

Zentrale Erkenntnisse

  • Wir gehen davon aus, dass die Zentralbanken weltweit im Lockerungsmodus verharren. An den Anleihemärkten könnte die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) jedoch die Weichen stellen. Vermutlich hofft sie, weitere Zinssenkungen solange aufschieben zu können, bis sie durch eine schwächere Wirtschaft eher gerechtfertigt sind.
  • Da Aktien und Unternehmensanleihen bereits hoch bewertet sind, sollten Anleger aus unserer Sicht auf der Suche nach Rendite keine zusätzlichen Risiken eingehen und nicht aus Staats- in Unternehmensanleihen umschichten.

Wo sehen Sie 2020 interessante Anlagechancen?

Das Umfeld an den Anleihemärkten dürfte sich 2020 nicht wesentlich von dem im Vorjahr unterscheiden. Als vorherrschenden Trend erwarten wir daher eine weiter entgegenkommende Zentralbankpolitik. Entsprechend dürften sich nach wie vor gute Chancen an Märkten ergeben, an denen Renditen und Zinsen auf dem Rückzug sind.

Wir finden weiterhin Finanzwerte interessant, allen voran quasi-monopolistische in Ländern wie Australien, Hongkong und Singapur. Dort sind die Renditen dank der guten Kapitalausstattung der Finanzunternehmen attraktiv. Gefallen finden wir auch an Emissionen von US-Banken, besonders den großen Einlageninstituten. Wir raten insgesamt dazu, dem Hang zum Heimatmarkt nicht nachzugeben. Das gilt gerade in Ländern mit Negativzinsen. Dort bieten sich Anlegern bessere Chancen, wenn sie in Ländern mit nach wie vor positiven Renditen anlegen.

Was sind 2020 die zentralen Risiken für die Märkte?

Für 2019 hatte die Fed für sich eigentlich die Rolle des untätigen Beobachters vorgesehen. Aber mit zunehmenden Sorgen um das Wachstum der Weltwirtschaft sah sie sich von den Märkten zum Handeln gezwungen. Die Politik der Fed stellt daher ein Risiko dar, das besondere Aufmerksamkeit verdient. Niedrigere Nominalrenditen sind unseres Erachtens ein Trend, der sich auf Jahre fortsetzen wird und von dem auch die USA nicht ausgenommen sind. Früher oder später wird die Fed die Zinsschraube wieder anziehen. Aber weil der Zeitpunkt ungewiss ist, geht hiervon ein Risiko für die Märkte aus. Viele Anleger haben inzwischen ein düsteres Szenario eingepreist, wie sich an der flacheren Renditekurve von US-Staatsanleihen ablesen lässt. Wir sehen weder einen drohenden Untergang, noch glauben wir, dass uns in nächster Zeit eine Rezession bevorsteht. Nach dem Kommentar der Fed vom Oktober haben die Akteure an den Terminmärkten ihre Zinssenkungserwartungen für 2020 nach unten geschraubt. Aber immer noch gehen sie von mehr Zinsschritten nach unten aus als die Fed selbst. Sollten die Währungshüter an ihrem Plan festhalten und die Renditekurve steiler werden, könnte es zu einer Neubepreisung bei einer ganzen Reihe von Risikoaktiva kommen.

Im Blick behalten sollten Anleger auch die Lage am US-Markt für Repogeschäfte. Die Häufung der Finanzierungsspitzen ist aufschlussreicher als ihr Volumen. Noch ist es für ein abschließendes Urteil zu früh. Aber die Entwicklung deutet auf größeren Stress im System hin. Und wir haben doch gewisse Zweifel, ob die amerikanische Zentralbank die Ursache des Problems angeht.

Geben Handel und Politik mehr Anlass zur Sorge?

Bei der Suche nach einem Ausweg aus dem festgefahrenen Handelsstreit zwischen den USA und China ist man zwar vorangekommen. Eine tragfähige Lösung, die dem schrumpfenden verarbeitenden Sektor und dem schwachen Handel neues Leben einhauchen könnte, ist bislang aber nicht in Sicht. Ein Großteil der Zuversicht, die zum Abschluss des Jahres 2019 in die Kurse riskanterer Anlageklassen eingepreist wurde, stützt sich auf eine Entspannung im Handel. Die hohen Bewertungen sowohl von Unternehmensanleihen wie auch Aktien könnten sich rasch umkehren, wenn die beiden Länder die Handelsbarrieren wieder erhöhen.

In Europa hängt die Brexit-Saga weiter wie ein Damoklesschwert über den Märkten. Fraglich ist zudem, ob es der Europäischen Zentralbank (EZB) mit ihren wieder aufgenommenen Anleihekäufen gelingt, die Konjunktur anzukurbeln. Zumal wenn die Regierungen Fiskalimpulsen weiter eine Absage erteilen. Als neues Risiko kommt die Unsicherheit für die Märkte durch den Präsidentschaftswahlkampf in den USA hinzu. Zahlreiche Branchen, angefangen von Gesundheit über Energie bis hin zu Technologie und Finanzen, könnten durch die Vorschläge der aussichtsreichsten Präsidentschaftskandidaten unter Druck geraten.

Wir sind zwar überzeugt, dass ein starker Konsum in den USA und entgegenkommende Zentralbanken ein Abgleiten der Weltwirtschaft in eine Rezession verhindern werden. Wegen dieses Cocktails an Risiken sollten Anleger aber mit höheren Schwankungen am Anleihemarkt rechnen. Diese könnten sich vor allem am längeren Ende der US-Treasury-Kurve manifestieren. Enge Spreads könnten zudem bedeuten, dass das Aufwärtspotenzial bei US-Unternehmensanleihen begrenzt ist. Besser positioniert scheinen in dieser Hinsicht Märkte, deren Zentralbanken fest im Lockerungsmodus verharren und an denen Unternehmensanleihen möglicherweise nicht so hoch bewertet sind wie ihre Pendants aus den USA.