Hamish Chamberlayne, Head of Global Sustainable Equities, macht sich Gedanken über die Entwicklungen im 3. Quartal 2021 und betrachtet die künftigen Chancen im Bereich Nachhaltigkeit.

Zentrale Erkenntnisse:

  • Der zunehmende Klimawandel zeigte sich auch in diesem Quartal. Die Feststellungen des Weltklimarats waren enttäuschend und es kam zu Klimaereignissen, wie Überflutungen und Waldbränden, die sich auf die Nahrungsversorgung auswirkten.
  • Das Schwanken zwischen langfristigem Wachstumskurs und dem Recovery Trade nach der Pandemie war ein vorherrschendes Thema und Finanzen, Energie und Informationstechnologie gehörten am Ende des Quartals zu den Spitzenreitern.
  • Wir konzentrieren uns weiter auf Digitalisierung, Elektrifizierung und Dekarbonisierung, die weiterhin die entscheidenden Faktoren für die Nachhaltigkeit der globalen Wirtschaft sind.

Es gab viele Gründe für den Anstieg der Aktienmärkte im vergangenen Jahr. So gab es zahlreiche geld- und fiskalpolitische Anreize, um die Liquidität der Verbraucher und Unternehmen während der Lockdownmaßnahmen zu erhalten. Viele Unternehmen passten sich mit beeindruckender Anpassungsfähigkeit und neuen Geschäftsmodellen der Digitalisierung und Virtualisierung an diese neue Welt an. Mit dem Lockdown der Reisebranche und des Gaststättengewerbes kehrte sich bei vielen Verbrauchern der Trend von Ausgaben für Erlebnisse zu Ausgaben für Dinge wieder um und das Gewinnwachstum verschob sich unerwartet. Die erhöhte Nachfrage zusammen mit einer strikten Ausgabenkontrolle führte zu einem beeindruckenden operativen Leverage und zu einem starken Gewinnwachstum im Gesamtmarkt. Hinzu kamen die Erwartungen langfristiger Niedrigzinsen.

Die Lieferketten, die einst so effizient schienen, erwiesen sich jedoch angesichts eines starken Nachfrageanstiegs nicht mehr so effizient. Es kam zu Engpässen beim Transport und zu Werksschließungen, als aufgrund der COVID-Maßnahmen zu wenige Arbeitskräfte zur Verfügung standen. Diese Reibungen wiederum ließen die Preise steigen, höhere Zinsen erwarten und Bedenken entstehen, ob die Unternehmen imstande sind, die erwarteten Mengen zu den geplanten Kosten zu liefern. Zu alldem kamen die Sorgen über die Verschuldung des Immobilienentwicklungssektors in China sowie der dortige unsichere politische Kurs hinzu. Die geringe Performance globaler Aktien im Quartal ist daher mehr als verständlich.

Als Aktienanleger sind wir von dieser Makro-, Mikro- und Aktienmarktdynamik fasziniert und wir verfolgen sie aufmerksam. Aber als Aktienanleger mit einem Fokus auf Nachhaltigkeit interessieren uns noch mehr die Entwicklungen, die uns helfen, den aktuellen Übergang zu einer nachhaltigeren Weltwirtschaft besser zu verstehen.

Klimawandel in Theorie und Praxis

Schonungslose Warnungen kamen deutlich aus zwei Richtungen – von der Veröffentlichung des sechsten Sachstandsberichts des Weltklimarats (IPCC) und von den spürbaren und dramatischen Auswirkungen des Klimawandels auf die weltweite Nahrungsversorgung. Eine der bemerkenswertesten Erkenntnisse des IPCC-Sachstandsberichts war, dass selbst in den Szenarien einer äußerst ehrgeizigen Reduzierung der Emissionen die Wahrscheinlichkeit weniger als 50 % beträgt, dass die Erderwärmung unter dem Zielwert des Pariser Abkommens von 1,5 % bleibt. Bei den aktuellen Emissionsraten wird der Wert außerdem bereits in fünfzehn Jahren erreicht sein.

Die Gefahren des Klimawandels zeigten sich auch in zahlreichen Fällen der Zerstörung von Agrarland, die Schlagzeilen machten: Frostschäden in Brasilien, Überflutungen in China und Deutschland, Trockenheit und Flächenbrände in den USA und in Kanada. Die Ernteschäden und die sich daraus ergebende Nahrungsmittelknappheit und die dramatischen Preisanstiege waren eine weitere Warnung, dass der Klimawandel unsere Wirtschaft und Gesellschaft heute trifft und nicht irgendwann in ferner Zukunft.

Ermutigende Fortschritte hin zu einer nachhaltigen Weltwirtschaft

Ermutigend waren beispielsweise ausgewogene Maßnahmen. Wir haben sie in prominenten politischen Programmen gesehen, wie zum Beispiel dem EU-Plan „Fit for 55“, einem Paket von Rechtsvorschriften zur Reduzierung der Treibhausgasemissionen um mindestens 55 % bis zum Jahr 2030. Wir haben sie in dem von der japanischen Regierung vorgestellten Energieplan gesehen, mit dem der Anteil fossiler Brennstoffe zur Stromerzeugung im Land von 75 % im Jahr 2020 auf 41 % im Jahr 2030 gesenkt werden soll. Und wir haben sie in einigen innovativen Lösungen gesehen, die Unternehmen, mit denen wir im Gespräch stehen, entwickeln, um diese Probleme zu lösen. Solche Lösungen können patentierte Technologien zur Abscheidung des Kohlenstoffs bei der Zementherstellung (einer der emissionsstärksten Prozesse) oder Elektroflugzeuge für Kurzstrecken sein. Ganz sicher ermutigend ist, dass sowohl Politik als auch Innovation uns auf dem Weg zu einer nachhaltigeren Zukunft weiterbringen.

Kurzfristig haben wir die bevorstehende UN-Klimakonferenz in Glasgow im Auge. Auf dieser Konferenz, an der führende Delegationen aus über 190 Ländern teilnehmen, wird zwölf Tage lang über den Klimawandel und seine Bekämpfung gesprochen. Im vergangenen Jahr haben die einflussreichsten Regierungen der Welt zahlreiche ehrgeizige Verpflichtungen zur Bekämpfung des Klimawandels übernommen. Von der UN-Klimakonferenz erwarten wir weitere Zusagen und Aktionspläne. Die Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5°C ist von grundlegender Bedeutung und wir hoffen, dass weitere Vereinbarungen geschlossen werden, um dieses Ziel zu erreichen.

Unsere wichtigsten Fragestellungen

Dieses Quartal ließ viele Fragen offen, die wir erwägen müssen.

Wenn eine Zeit anhaltender Inflation angebrochen ist, bedeutet das dann, dass die Effizienz (d.h. mehr zu erreichen mit weniger Aufwand) schnell gesteigert werden muss? Unseres Erachtens wird dies so sein. Daher bleibt Effizienz eines unserer zehn Themen mit positiven Auswirkungen. Nach einer so langen Zeit relativer Ruhe an den globalen Aktienmärkten ist eine Zeit höherer Volatilität längst überfällig und wir erwarten weitere Schwankungen, da die Weltwirtschaft noch Störungen der Lieferkette und einen negative Inflationsdruck auf Unternehmen verdauen muss. Uns ist jedoch stets bewusst, dass höhere Preise bereits den Ansatz zu ihrem Verfall in sich tragen, da sie Unternehmen dazu bewegen, in Effizienz oder Substitution zu investieren. Schließlich kommt unseres Erachtens eine steigende Inflation dem Wachstum von Unternehmen mit einem robusten Geschäftsmodell zugute, das eine positive Auswirkung auf Umwelt und Gesellschaft hat.

Verstärkt die Knappheit von Halbleitern in den Lieferketten weltweit die Nachfrage bei Entwicklern und Herstellern dieser immer wichtigeren Komponenten und wird die Halbleiterindustrie damit von einer zyklischen zu einer strukturellen Wachstumsbranche? Werden steigende Energiepreise fossiler Brennstoffe den Bedarf an Investitionen in erneuerbare Energien, Technologien und Anschlussinfrastruktur steigern statt reduzieren? Und wird die Aussage der Facebook-Whistleblower noch größere Aufmerksamkeit auf Kultur, Mission und das ethische Verhalten des Managements von Unternehmen lenken, an denen unsere Rentenfonds und langfristigen Sparer beteiligt sind? Unserer Meinung nach sind diese Fragen alle zu bejahen.

Eine Auswahl verschiedener Spitzenreiter

Eines der dominanten Themen der globalen Aktienmärkte in diesem Jahr war das Schwanken zwischen langfristigem Wachstumskurs und dem Recovery Trade. In der ersten Hälfte des dritten Quartals verbuchten viele Unternehmen, die sich in langfristigen Trends engagieren, gute Halbjahresergebnisse und Sektoren wie Informationstechnologie und Gesundheit entwickelten sich überdurchschnittlich. Die Lage kehrte sich gegen Ende August jedoch allmählich um, als Lieferkettenunterbrechungen und Anzeichen einer anhaltenderen Inflation eine Rotation zu den eher zyklischen Marktbereichen auslösten. Aufgrund dieser Schwankungen schlossen die globalen Aktienmärkte das Quartal mehr oder weniger unverändert ab. Die Sektoren mit der besten Performance waren Finanzen, Energie und Informationstechnologie.

Bei den Aktien leisteten die drei größten Beiträge zur Performance im dritten Quartal der Softwareentwickler im Bereich Projektmanagement Atlassian, der globale Anbieter von Risikomanagement- und Versicherungsdienstleistungen AON und der Hersteller von Fahrradkomponenten Shimano.
EM equities: notes from the road in China | Janus Henderson Investors

Atlassian entwickelt Software für das kooperative Projektmanagement, vor allem für IT-Entwickler. Diese Software wurde de facto Standard und ist eine der anspruchsvollsten Anwendungen in diesem Bereich. Das Unternehmen ist bestrebt, das Leistungspotenzial jedes Teams zu nutzen und dabei die Auswirkung auf den Planeten und die Gesellschaft zu berücksichtigen. Das Unternehmen meldete im Juli beeindruckende Ergebnisse im vierten Quartal. Der Übergang zu einem Cloud-basierten Modell ließ die Nachfrage weiter steigen, beschleunigte die Produktentwicklung und steigerte die Kundenakzeptanz. Die Aktien von AON stiegen, nachdem die Übernahme von Willis Towers Watson ohne größere Folgen einvernehmlich beendet worden war. Auch AON erzielte im Juli gute Ergebnisse. Dem Unternehmen kamen seine hohe Werthaltigkeit und robuste Margen zugute. Da neue und komplexe Risiken wie Klimawandel und Cyber-Bedrohungen zunehmend an Bedeutung gewinnen, positioniert sich AON erfolgreich als Marktführer. Da das Unternehmen diese Risiken für seine Kunden reduziert, sehen wir eine deutliche positive Wirkung.

Shimano wurde zu einem weltweit führenden Hersteller von Fahrradkomponenten und ist für seine hochwertige Arbeit bekannt. Der Hersteller wies ein solides Umsatz- und Auftragswachstum aus, das durch knappe Bestände am Fahrradendmarkt beflügelt wurde. Aufgrund struktureller Änderungen der Lebensweise im Bereich Freizeit und Mobilität ist die globale Nachfrage nach Fahrrädern seit Beginn der Pandemie stark angestiegen. Die Produkte von Shimano fördern nicht nur eine gesunde Lebensweise, sondern stehen auch für eine umweltfreundliche Art der Mobilität, die in vielen Regionen der Welt unterstützt wird.

Gegenwind aus China schlägt sich auf die Wirtschaftstätigkeit nieder

Zu den größten Negativposten im Quartal gehörten der Laserhersteller IPG Photonics, das Finanztechnologieunternehmen Linklogis und der Anbieter von Customer-Relationship-Software Zendesk. IPG Photonics (IPGP) meldete zwar ein gutes Umsatzwachstum im Vergleich zum Vorjahr. Der Aktienkurs fiel jedoch, nachdem das Unternehmen im August hinter den Schätzungen zurückblieb. Die schwache Entwicklung war auf die geringe Leistung in China zurückzuführen, wo die Wirtschaftstätigkeit von Energieknappheit, dem Ausbruch der Delta-Variante und einem Rückgang im Immobiliensektor beeinträchtigt wurde. Nach wie vor sehen wir IPGP wegen seiner effizienten Lasertechnologie positiv, die in den Prozessen der industriellen Herstellung, in der Medizintechnik und der Unterhaltungselektronik vielfach eingesetzt wird.

Linklogis, ein Unternehmen, in das wir bei seinem Börsengang in der ersten Jahreshälfte investiert haben, hatte als Aktiengesellschaft einen schweren Start. Das Unternehmen nutzt künstliche Intelligenz und Blockchain-Technologie, um die Kosten der Finanzierung von Beschaffungen und des Betriebskapitals für kleine und mittlere Unternehmen in China zu senken. Durch Block-Chaining von Forderungen gegen größere Unternehmen können sie diese als eine Art Sicherheit verwenden, um günstigere Kredite von Banken zu erhalten. Dadurch wird die Wirtschaft in diesem Sektor angekurbelt, was sich auf die Schaffung von Arbeitsplätzen und das Einkommenswachstum in ganz China auswirkt. Da einer der wichtigsten Märkte des Unternehmens der Immobiliensektor ist, ein Bereich, der angesichts der Finanzprobleme einiger der größten Immobilienentwickler gegenwärtig einer Kontrolle unterliegt, sah sich das Unternehmen einem Gegenwind ausgesetzt. Schließlich gingen die Aktien von Zendesk zurück, und dies trotz der Meldung eines Umsatzwachstums von fast 30 % und einer starken Kundenakzeptanz. Zendesk hilft seinen Kunden, ihre Kunden-Helpdesks einzurichten und zu betreiben, ein kritischer Punkt für Unternehmen beim Aufbau guter Kundenbeziehungen. Die Produkte von Zendesk bieten Unternehmen die Flexibilität, sich auf Innovation und Produktivität zu konzentrieren. Da unsere Wirtschaft zunehmend digitalisiert wird, wird der Wert des Angebots von Zendesk weiter steigen.

Weiterhin konzentriert auf langfristig nachhaltige Themen

Wir konzentrieren uns weiter auf Digitalisierung, Elektrifizierung und Dekarbonisierung, die zu den entscheidenden Faktoren unserer globalen Wirtschaft werden und die Grundlage für unsere Anlageentscheidungen und die Portfoliokonstruktion bilden. Unser Anlageansatz dreht sich um die Identifizierung von Unternehmen, die für die langfristigen Nachhaltigkeitsthemen richtig positioniert sind und die eine positive Rolle bei der Transformation der Weltwirtschaft in Richtung Nachhaltigkeit spielen. Wir suchen nach Unternehmen mit attraktiven Wachstumschancen, einer guten Innovationskultur und finanzieller Belastbarkeit.

 

Glossar der Fachbegriffe

Übernahme: Eine Unternehmenstransaktion, bei der ein Unternehmen die Anteile eines anderen Unternehmens ganz oder teilweise aufkauft, um die Kontrolle über dieses Unternehmen zu erhalten.

Zyklisch: Zyklische Branchen sind anfällig für Konjunkturzyklen und laufen in Zeiten eines Konjunkturaufschwungs normalerweise besser. Entsprechend erzielen zyklische Branchen in einem Konjunkturabschwung geringere Umsätze.

Fiskalpolitik: Die staatliche Zins- und Ausgabenpolitik. Sie unterscheidet sich von der Geldpolitik, die in der Regel von einer Zentralbank vorgegeben wird.
Inflation: Teuerungsrate von Waren und Dienstleistungen in einer Volkswirtschaft.

Leverage: Aufnahme von Kapital zur Finanzierung der Geschäftstätigkeit.

Geldpolitik: Die Politik einer Zentralbank, die darauf abzielt, die Inflation und das Wachstum in einer Volkswirtschaft zu beeinflussen. Hierzu zählt die Steuerung der Zinssätze und der Geldmenge. Der Begriff geldpolitische Stimulierung bezieht sich auf die Erhöhung der Geldmenge durch eine Zentralbank und die Senkung der Kreditkosten.

Volatilität: Das Ausmaß, in dem der Preis eines Portfolios, eines Wertpapiers oder eines Index nach oben und unten schwankt.