Hamish Chamberlayne, Portfoliomanager und Head of Global Sustainable Equities, beleuchtet mit Blick auf das dritte Quartal wichtige Neuigkeiten in punkto Nachhaltigkeit und analysiert die Wertentwicklung der Strategie.

Zentrale Erkenntnisse:

  • Sowohl die Europäische Union (EU) als auch die chinesische Regierung haben weitere Schritte hin zu einer Verringerung von CO2-Emissionen angekündigt. Dabei gab die EU ihre Absicht bekannt, die Emissionen bis 2030 um 55 % zu senken, während China eine CO2-Neutralität bis 2060 anstrebt.
  • Im Quartalsverlauf entwickelte sich im MSCI World Index das Segment Informationstechnologie überdurchschnittlich, während die Kurse im Energiesektor um mehr als 15 % einbrachen.
  • Die rasche Ausbreitung digitaler Trends trägt zur Verringerung einiger negativer Umweltauswirkungen der Wirtschaftsaktivität bei. Wir glauben aber, dass nach wie vor dringender Bedarf besteht, die Investitionen in den Übergang zu einer CO2-armen Energiewirtschaft zu beschleunigen.

Während des Lockdowns war es mitunter schwer zu erfassen, welche enormen Auswirkungen das Coronavirus auf die Weltwirtschaft gehabt hat. So sind viele Menschen zuhause geblieben und die Online-Aktivitäten haben zugenommen wie noch nie zuvor. Zwar war die Digitalisierung für uns bereits seit mehreren Jahren ein wichtiger Anlagetrend, doch hat die Pandemie diesen zweifellos beschleunigt. Wir glauben, dass die Digitalisierung zu den entscheidenden treibenden Faktoren hinter dem Anlageerfolg der nächsten zehn Jahre gehören wird. Eng mit der Digitalisierung verknüpft ist der Übergang zu einer CO2-armen Energiewirtschaft. Dieser Trend hat auch im laufenden Jahr Unterstützung erfahren. So gab es Absichtserklärungen der Politik im Hinblick auf Investitionen in erneuerbare Energien, die Elektrifizierung von Transportmitteln, energieeffiziente Technologien und nachhaltige Infrastruktur. Es war für uns ermutigend zu sehen, dass die fiskalpolitischen Anreizmaßnahmen der Regierung auf umweltfreundliche Projekte abzielen, die im Einklang mit unserer Anlagephilosophie in Bezug auf nachhaltige Entwicklung, Innovation und kontinuierliches langfristiges Wachstum stehen.

Politische Schritte hin zu einer CO2-armen Wirtschaft

Die Europäische Union (EU) hat 30 % ihres 750 Milliarden € umfassenden COVID-19-Wiederaufbaupakets für nachhaltige Projekte reserviert – in den Bereichen erneuerbare Energie und Energiespeicher, nachhaltige Gebäude und öffentliche Verkehrsmittel. Weitere positive Impulse kamen von der neuen Vorsitzenden der EU-Kommission, die Vorhaben zur Verringerung von CO2-Emissionen um mindestens 55 % bis 2030 anstatt der bisher angestrebten 40 % in den Raum stellte. Weitere willkommene Nachrichten umfassten die Absichtserklärung Chinas, seine CO2-Emissionen nach 2030 nicht weiter steigen zu lassen und bis 2060 CO2-Neutralität zu erreichen. China ist die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt und der größte Emittent von CO2. Deshalb stellt die Ankündigung einen großen Fortschritt in Richtung auf eine nachhaltige Weltwirtschaft dar, und wir hoffen, dass diese Ziele rasch erreicht und übertroffen werden können.  Des Weiteren haben mehr als 20 Länder Daten festgelegt, ab denen keine Verbrennungsmotoren mehr verkauft werden dürfen. Es gibt einen ausgeprägten Trend hin zu Dekarbonisierungszielen weg von einem vagen Zeitpunkt zur Mitte des Jahrhunderts hin zu einem genau umrissenen Ziel für das Jahr 2030. Damit stehen wir vor einem Jahrzehnt der Innovation.

Im dritten Quartal begann die Weltkonjunktur sich zu erholen, da die Regierungen eine Balance zwischen der Notwendigkeit des Wiederhochfahrens der Volkswirtschaften und der Ausbreitung des Coronavirus herstellen mussten. Vor diesem Hintergrund beendeten die globalen Aktienmärkte das Quartal im Plus. So erzielte der MSCI World Index einen Gesamtertrag von 7,9 % (in US-Dollar). Am besten schnitten Titel aus den Sektoren Informationstechnologie (IT), Zyklischer Konsum und Industrie ab. Unterdurchschnittlich entwickelten sich dagegen die Bereiche Energie, Finanzen und Immobilien, wobei die Notierungen von Energiewerten um mehr als 15 % einbrachen.

Outperformance infolge Ausrichtung auf CO2-arme Energiewirtschaft

Während das Portfolio von unserer Positionierung auf Sektorebene (Übergewichtung im Bereich IT und Untergewichtung im Energiesegment) profitierte, leistete unsere Aktienauswahl den größten Beitrag zur Outperformance der Strategie im Quartalsverlauf. Besonders hervorzuheben ist, dass sich unter den zehn Titeln mit dem größten positiven Beitrag zum Anlageerfolg nur eine Technologieaktie befand. Dies illustriert die Diversifikation und Breite unseres Portfolios. Sehr gut entwickelten sich unsere Anlagen, die auf den Übergang zu einer CO2-armen Energiewirtschaft ausgerichtet sind. Dazu gehörten die Projektentwickler für erneuerbare Energien Boralex und Innergex, der Hersteller effizienter Elektromotoren Nidec, der Anbieter CO2-armer Baustoffe Kingspan sowie Xylem, ein Unternehmen aus dem Bereich Wassertechnologie und -infrastruktur.

Den größten Beitrag zur Wertentwicklung der Strategie leistete die Aktie von Tesla. Im laufenden Jahr war das Unternehmen der einzige größere Anbieter aus dem Automobilsektor, der ein Umsatzwachstum verzeichnete. Im dritten Quartal erreichte Tesla einen wichtigen Meilenstein, da die Firma zum vierten Mal in Folge einen Gewinn ausweisen konnte. Damit kommt das Unternehmen für die Einbeziehung in den S&P 500 Index in Betracht. Tesla ist sehr gut positioniert, was den Übergang zu einer CO2-armen Energiewirtschaft angeht und verfolgt im Hinblick auf das nächste Jahrzehnt eine enorm ehrgeizige Wachstumsstrategie. Einen weiteren erheblichen Beitrag leistete Salesforce. Das Unternehmen gab bekannt, dass seine cloud-basierte Plattform zunehmend Verbreitung findet, da die Kunden ihre Vorhaben zur digitalen Transformation beschleunigten. Im Rahmen unseres Investmentansatzes zielen wir auf Unternehmen ab, die in finanzieller Hinsicht Wachstum und Widerstandsfähigkeit zeigen. Die Ergebnisse von Salesforce spiegelten beides umfassend wider. So führten die exzellenten Ergebnisse im zweiten Quartal zu einem Kursanstieg von 25 % am Tag nach ihrer Bekanntgabe.

Sehr gut entwickelt sich außerdem Titel aus unserem Themenbereich „Quality of Life“. Einige davon haben von der Verlagerung hin zu E-Commerce und direktem digitalen Vertrieb profitiert. So kauften bei Nintendo mehr Kunden direkt online beim Unternehmen ein. Adidas erholte sich vom Rückschlag infolge der Coronavirus-Krise und gab stark wachsende Online-Umsätze bekannt.

Mit die größten negativen Beiträge zur relativen Wertentwicklung unserer Strategie ergaben sich aus dem Verzicht auf Anlagen in Apple, Amazon und Nvidia, deren Kurse sich sehr gut entwickelten. Unter den im Portfolio vertretenen Titeln belasteten vor allem Positionen im Technologiebereich die relative Wertentwicklung. So litt ASML unter einer erneuten Verschärfung des Handelskonflikts zwischen den USA und China. Gleichzeitig kam es bei einigen unserer Engagements im Softwarebereich, zum Beispiel bei Autodesk und Avalara, nach sehr guter Wertentwicklung in der ersten Jahreshälfte zu einer Kurskonsolidierung.

Kann die Digitalisierung die nachteiligen Umwelteffekte wirtschaftlicher Aktivitäten verringern?

Während sich die Regierungen schwer damit tun, Lockdown-Beschränkungen zu lockern, beeinträchtigt dies weiterhin Wirtschaftszweige, die vom physischen Miteinander der Menschen abhängig sind. Dem steht die Beobachtung gegenüber, dass sich die Digitalisierung beschleunigt. Auch wenn die Coronavirus-Krise beschleunigend gewirkt hat, werden viele dieser digitalen Trends unseres Erachtens anhalten, da die Menschen die bequeme Nutzung, die erhöhte Produktivität und Effizienz schätzen, die mit der Digitalisierung einhergehen.

Trotz der optimistisch stimmenden Ausbreitung digitaler Trends, die aus unserer Sicht komplementär zur Verringerung der negativen Umwelteffekte wirtschaftlicher Tätigkeit ist, erinnert uns die zunehmende Häufigkeit und Ausprägung klimabezogener Ereignisse daran, dass beschleunigte Investitionen in den Übergang zu einer CO2-armen Energiewirtschaft dringend erforderlich sind. Glücklicherweise scheint die Pandemie in dieser Hinsicht keine erheblichen negativen Auswirkungen gehabt zu haben. Hinter der Energiewende baut sich eine zunehmende Dynamik auf, die bedeutenden Innovationen bei umweltfreundlicher Energietechnologie sowie starker regulatorische Unterstützung durch zahlreiche Regierungen zu verdanken ist.

Nirgendwo wurde dieses Innovationsumfeld deutlicher als im Rahmen von Teslas jüngstem Report, der einen klaren Investitionsplan zur beschleunigten Verbreitung von Elektrofahrzeugen und umweltfreundlicher Energieproduktion umfasste. Bis 2030 will Tesla eine Batterieproduktion mit einer Kapazität von mehreren Terawatt aufbauen, um die Produktion von 20 Millionen erschwinglichen Elektroautos pro Jahr zu ermöglichen. Außerdem sollen Einrichtungen zur Energiespeicherung im großen Stil errichtet werden, die Systeme zur Erzeugung von Strom aus erneuerbaren Quellen unterstützen sollen. Wir rechnen damit, dass die ehrgeizige Vision von Tesla der Auslöser für verstärkte Investitionen in der gesamten Automobilindustrie und im Energiesektor ist.

2020 war ein Jahr voller Herausforderungen, doch sind wir optimistisch, dass die Weltwirtschaft aus der Coronavirus-Pandemie robuster hervorgeht und sich danach auf einem nachhaltigeren Entwicklungspfad als zuvor befindet. Wir sind zuversichtlich, dass die aktuelle Krise keine negativen Effekte zeitigt, sondern im Gegenteil verdeutlicht, wie attraktiv nachhaltige Investments sind und wie sie zu besseren Ergebnissen führen – nicht nur für die Anleger, sondern auch für Umwelt und Gesellschaft.