Anlagen im Gesundheitssektor nach COVID-19

Zentrale Erkenntnisse:

  • Die COVID-19-Pandemie verhilft Innovationen im Bereich der Biotechnologie zu Aufmerksamkeit und kann unser Verständnis von neuen Medikamentenplattformen verbessern, die potenzielle Anwendungen für andere Krankheitskategorien hervorbringen können.
  • Die weltweite Suche nach einem Mittel gegen COVID-19 könnte die Stimmung gegenüber der Biopharmaindustrie verbessern und die politischen Entscheidungsträger veranlassen, bei künftigen Gesundheitsreformen einen moderateren Ansatz zu wählen.
  • Die Nachfrage nach Telemedizin ist kräftig gestiegen, und dies ist ein Trend, der sich nach der Pandemie fortsetzen könnte. Ähnlich könnte die Biotech-Branche in China durch den Wettbewerb um die Entwicklung von Behandlungen gegen COVID-19 gestärkt aus der Krise hervorgehen.

Der Gesundheitssektor hat während der COVID-19-Pandemie eine führende Rolle übernommen, und viele Anleger belohnen Unternehmen, die an der Entwicklung von Behandlungen gegen das neuartige Virus oder an Möglichkeiten zur Gesundheitsversorgung auf Distanz (Fern- oder Telemedizin) arbeiten. So wurde zwar auch dieser Sektor nicht von Verlusten verschont, schnitt aber im März, als die Aktienmärkte weltweit einbrachen, besser ab als die meisten anderen Marktbereiche. Wir glauben, dass sich diese Dynamik fortsetzen könnte, insbesondere deshalb, weil die Pandemie zu einer Beschleunigung der Wachstumstrends im Gesundheitswesen beiträgt und sich durch sie langfristig die Stimmung gegenüber dem Sektor verbessern könnte.

Biotech-Innovationen glänzen

Nachdem mittlerweile bei Millionen von Menschen COVID-19 diagnostiziert wurde, hat die Suche nach einem Medikament oder Impfstoff oberste Priorität. In der Vergangenheit konnte die Entdeckung und Entwicklung eines Medikaments Jahre dauern, aber inmitten der aktuellen Pandemie konnten für einige Impfstoffkandidaten bereits nach wenigen Monaten klinische Studien begonnen werden. Diese Beschleunigung wird möglich durch die Fortschritte des letzten Jahrzehnts in den Bereichen genetische Sequenzierung, strukturbasierte Medikamentenentwicklung und Tools für molekulare Forschung.

Hinzu kommt dass der intensive Fokus auf einem Mittel gegen COVID-19 dazu beiträgt, einen Teil der Wissenschaft zu kalibrieren. An der Technologie der Messenger-Ribonukleinsäure (mRNA), die den Körper veranlasst, spezifische zur Krankheitsbekämpfung benötigte Proteine zu produzieren, wird seit Jahren geforscht. Anwendungsmöglichkeiten gibt es in der Onkologie, bei genetisch bedingten Erkrankungen und Infektionskrankheiten.  Bis jetzt ist noch keine mRNA-Therapie für den kommerziellen Einsatz zugelassen, aber es laufen mittlerweile mindestens zwei klinische Studien mit mRNA-Impfstoffen gegen COVID-19. Es sind noch umfangreiche Studien erforderlich, um die Sicherheit und Wirksamkeit der Impfstoffe gegen das neuartige Coronavirus nachzuweisen, aber längerfristig könnte die Krise zu einer enormen Beschleunigung des wissenschaftlichen Verständnisses und des Einsatzes dieser Technologie beitragen.

AKTIEN DES GESUNDHEITSSEKTORS SIND DIE OUTPERFORMER

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Quelle: Bloomberg, Stand 15. Mai 2020. Daten umbasiert auf 100 per 31. Dezember 2019.

Biopharma: Die Stimmung könnte sich verbessern

Die intensiven Bemühungen, COVID-19 in den Griff zu bekommen, könnten auch die Einstellung der Öffentlichkeit gegenüber der Biopharmaindustrie verbessern, die in den letzten Jahren wegen steigender Medikamentenpreise und Spesen in der Kritik stand. Im April ergab eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Harris in den USA, dass 40% der Amerikaner die Branche positiver sehen als vor Beginn der Pandemie.[1] Das bedeutet aber nicht, dass die Kritik verstummt ist. Als die US-Gesundheitsbehörde FDA Gilead Sciences für Remdesivir den Orphan-Drug-Status erteilte, nachdem es sich bei schweren Fällen von COVID-19 als wirksam erwiesen hatte, erfolgte ein öffentlicher Aufschrei (weil dieser Status Gilead sieben Jahre Marktexklusivität zusichert). Gilead bat die FDA daraufhin, den Status zurückzunehmen, und spendete 1,5 Millionen Dosen Remdesivir weltweit.

Wir gehen davon aus, dass die Pharmaunternehmen die Preise von Medikamenten gegen COVID-19 so gestalten werden, dass der Zugang gesichert ist. (Beispielsweise hat Gilead Lizenzvereinbarungen mit fünf Generikaherstellern zur Herstellung von Remdesivir geschlossen und jedem dieser Unternehmen gestattet, den Preis selbst festzulegen.) Auch Regierungen könnten künftig der Forschung und Entwicklung der Biotech-Branche eine größere Wertschätzung entgegenbringen und versuchen, ein Gleichgewicht zwischen Erschwinglichkeit und der Notwendigkeit, Innovationen zu sichern, herzustellen. Unterm Strich würde dies eine besser beherrschbare Gesundheitsreform bedeuten – und weniger Unsicherheit für den Sektor.

Auch die Zusammenarbeit wächst. Mehrere innovative Small-Cap-Biotech-Firmen sind auf der Suche nach Behandlungen für COVID-19 Partnerschaften mit großen Biotech-Unternehmen eingegangen. Diese Partnerschaften verbinden die neuesten Technologien kleiner Unternehmen mit den Produktions- und Vertriebskapazitäten des Biopharmasektors, all dies in der Hoffnung, der Welt schneller zu helfen. So arbeitet zum Beispiel das deutsche Unternehmen BioNTech gemeinsam mit dem chinesischen Pharmaunternehmen Fosun Pharma und dem US-Unternehmen Pfizer an der Entwicklung eines mRNA-basierten Impfstoffs. Die ersten klinischen Studien mit dem Impfstoff, der auf der mRNA-Plattform von BioNTech basiert, laufen bereits.  Wenn die Ergebnisse positiv ausfallen, werden Fosun und Pfizer ihre Ressourcen einsetzen, um die Studien zu erweitern und die Produktion in China, den USA und Europa hochzufahren. Solche Partnerschaften – wenn sie nach der Krise fortgesetzt werden – könnten helfen, neue Therapien künftig schneller auf den Markt zu bringen.

Fernmedizin hebt ab

Die Social-Distancing-Maßnahmen haben den Zugang zur Gesundheitsversorgung erheblich eingeschränkt. Elektive Behandlungen, Operationen und ein Teil der Routineversorgung gingen drastisch zurück. Nach Schätzungen der American Hospital Association haben die Krankenhäuser in den USA von März bis Juni wegen der Kosten durch COVID-19 und entgangener Einnahmen USD 203 Mrd. verloren.[2] Gleichzeitig erlebte aber die Telemedizin einen kometenhaften Aufstieg. Möglich wurde dies teilweise durch Reformen, die den Patienten leichteren Zugang zu Fernmedizin ermöglichten. In Deutschland stärkte das Digitale-Versorgung-Gesetz, das Ende 2019 erlassen wurde, die Inanspruchnahme von Videosprechstunden und erlaubt nun Ärzten, digitale Gesundheits-Apps zu verschreiben, deren Kosten die Krankenversicherungen übernehmen. Seit der Pandemie hat die Nutzung von Telemedizin in Deutschland enorm zugenommen. Unternehmen wie TeleClinic verzeichneten von einer Woche zur anderen ein Wachstum von 60%.[3] In den USA schnellten die täglichen Besuche bei dem führenden Telemedizinanbieter Teladoc Anfang April gegenüber dem Vormonat um 100% in die Höhe.[4]

Wir gehen davon aus, das Verbraucher auch nach der Pandemie weiter telemedizinische Angebote wahrnehmen werden, weil sie praktisch sind und zunehmend von den Krankenversicherungen übernommen werden. Was elektive Behandlungen betrifft, so gehen wir davon aus, dass sich die Nachfrage verschoben hat und nicht verloren ist. Wann diese Behandlungen wieder aufgenommen werden, könnte je nach Verlauf der Pandemie unterschiedlich sein und für eine gewisse Volatilität bei den Aktien von Krankenhausbetreibern und Medizingeräteherstellern sorgen. Langfristig dürften aber die Fundamentaldaten dieser Branchen intakt bleiben.

Der Aufstieg der chinesischen Biotechbranche      

Und schließlich hat die Pandemie gezeigt, wie stark die globale Biotechbranche in den letzten Jahren gewachsen ist, vor allem in China. Während des SARS-Ausbruchs Anfang der 2000er Jahre hatte China kaum eigene pharmazeutische oder diagnostische Kapazitäten, um die Situation alleine zu bewältigen. Nach SARS leitete die chinesische Regierung eine Generalüberholung des Gesundheitssystems ein, um die Krankheitsüberwachung und -berichterstattung zu verbessern sowie Zugang zu hochwertigen Versorgungsgütern und zu Prävention und Kontrolle von Epidemien zu haben. Wenn wir im Zeitraffer zum Ausbruch von COVID-19 weiterspulen, sehen wir heute eine ganz andere Situation. China ist kein Land mehr, dass lediglich Generika und pharmazeutische Wirkstoffe herstellt. Vielmehr hat China heute eigene Fachleute und technologische Fähigkeiten, um neue Diagnostika zu entwickeln und innovative Medikamente zu erforschen. Viele chinesische Unternehmen sind jetzt auch an klinischen Studien für potenzielle Impfstoffe beteiligt.

DAS RENNEN UM DEN COVID-19-IMPFSTOFF

China ist mit seiner aufstrebenden Biotechbranche eines der ersten Länder, die Impfstoffkandidaten in klinischen Studien testet.

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Quelle: World Health Organization, Stand 11. Mai 2020.

Wir glauben außerdem, dass die chinesische Biotechbranche durch die beschleunigte Unterstützung und Bereitstellung von Ressourcen gestärkt aus der Krise hervorgehen wird. Healthy China 2030, die 2016 aufgelegt nationale Gesundheitsstrategie Chinas, setzt ehrgeizige Ziele für die Verbesserung der Gesundheitsversorgung in der chinesischen Bevölkerung, inklusive eines besseren Zugangs zu innovativen Medikamenten. In den letzten Jahren haben wir erlebt, dass das Interesse von Seiten multinationaler Unternehmen und innovativer Biotechunternehmen in der Region China enorm gestiegen ist. Unseres Erachtens haben Branchenteilnehmer weltweit erkannt, dass der chinesische Markt an einem Wendepunkt steht, was die Marktaussichten und Chancen für Partnerschaften für den Zugang zu der Region betrifft.

[1] https://www.fiercepharma.com/marketing/pharma-industry-reputation-jumps-during-covid-19-harris-poll-finds-positive-surge

[2] American Hospital Association, “Hospitals and Health Systems Face Unprecedented Financial Pressures Due to COVID-19,” Mai 2020.

[3] https://Gtai.de/gtai-en/invest/industries/life-sciences/digital-health-64408

[4] https://teladochealth.com/newsroom/press/release/teladoc-health-previews-first-quarter-2020-results/

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