Die Wertentwicklung von Aktien kam im dritten Quartal 2021 ins Stocken. Niedrige Anleiherenditen bedeuten niedrige Erträge in der Zukunft. Paul O'Connor, Leiter des Multi-Asset-Teams in Großbritannien, gibt einen aktuellen Marktüberblick und erklärt, warum Anleger angesichts einiger aktueller Performancetreiber über alternative Anlagen nachdenken sollten.      

Zentrale Erkenntnisse:

  • Beschwingt durch die historisch lockere Geldpolitik investieren Anleger ihr Geld weiterhin in Aktien, obgleich die Zentralbanken eine Verringerung der Liquidität im kommenden Jahr signalisieren.
  • Gleichzeitig sind die Renditen und Spreads von Investment-Grade- und Hochzinsanleihen fast auf historische Tiefststände gesunken. Das könnte das künftige Ertragspotenzial im Festzinssegment schmälern.
  • Vor diesem Hintergrund sollten Anleger auf der Suche nach diversifizierten Renditen alternative Anlagen in Betracht ziehen, unter anderem in neuen langfristigen Wachstumssektoren wie erneuerbare Energien und Logistik.

Wer den anscheinend unaufhaltsamen Anstieg des S&P 500® Index beobachtet - neun von zehn Monaten bis August 2021 im Plus - könnte zu Recht meinen, dass sich die Aktienmärkte rund um den Globus immer noch in einem starken Aufwärtstrend befinden. Die Wirklichkeit ist allerdings komplizierter. In diesen letzten Wochen des 3. Quartals wird deutlich, dass der US-Leitindex in diesem Quartal eine Rendite von 3% erzielt hat, während die Industrieländer außerhalb der USA bis dato eine Rendite von -1% verzeichnen (siehe Abbildung 1 mit Renditeangaben für das 3. Quartal). Noch gravierender ist die Situation in Schwellenländern, wo staatliche Regulierungsmaßnahmen und Sorgen über die Finanzstabilität dem MSCI China Index einen Rückgang um über 30% von seinem Höchststand am 17. Februar bis zum 20. August beschert haben, mit entsprechenden Kollateralschäden für die gesamte Region. Auch in Lateinamerika (LATAM) hatten es Aktienanleger nicht leicht. Der brasilianische Markt ist in diesem Quartal gemessen in USD um 17% eingebrochen. Japan war in den letzten Monaten ein Lichtblick mit einer Rendite von 9% im 3. Quartal, nachdem es im ersten Halbjahr allerdings nicht Schritt gehalten hatte.

Abbildung 1: Aktien trüben sich im 3. Quartal ein

Die Wertentwicklung der führenden Indizes driftet zunehmend auseinander. 

Quelle: Bloomberg, Stand: 17. September 2021. Die Zahlenangaben sind gerundet Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein zuverlässiger Indikator für die künftige Wertentwicklung.

Konsenserwartungen für Aktien unverändert optimistisch

Dennoch belegen die meisten Zahlen zur Positionierung, dass Privatanleger und institutionelle Investoren vollständig in Aktien investiert sind. Trotz der bisher eingetrübten Performance im dritten Quartal haben globale Aktien von Anfang 2020 bis zum 17. September 2021 um mehr als ein Drittel zugelegt. Damit ist selbst bei Anlegern, die ihre Hände einfach in den Schoß gelegt haben, die Aktienallokation in diesem Zeitraum deutlich gestiegen.

Anleger sind allerdings nicht untätig geblieben, sondern haben in diesem Jahr Rekordsummen in Aktien investiert. Wenn das im derzeitigen Tempo so weitergeht, werden sich die Nettozuflüsse in globale Aktien 2021 auf über 1 Bio. USD summieren. Das wäre mehr als die kumulierten Zuflüsse in den letzten 20 Jahren. Aus der Umfrage der Bank of America (BofA) unter Fondsmanagern weltweit geht hervor, dass die Zahl der in Aktien übergewichteten Manager inzwischen fast auf Rekordniveau liegt (siehe Abbildung 2). Die Portfoliomanager haben ihr Aktienengagement erstaunlicherweise nicht im Gleichschritt mit der Herabstufung ihrer Wachstumserwartungen reduziert. Grund hierfür ist wahrscheinlich das ungebrochene Vertrauen der Fondsmanager in die Geldpolitik. Die BofA-Umfrage ergab, dass unter dem Strich so viele Anleger wie zuletzt im Juli 2007 die Liquiditätsbedingungen positiv einschätzen. Anleger, die gegen den Strom schwimmen, könnten sich darauf konzentrieren, dass die globale Finanzkrise (GFC) just in diesem Monat begann.

Abbildung 2: Umfrage unter globalen Fondsmanagern

Die Portfoliomanager haben ihr Aktienengagement trotz gesenkter Wachstumserwartungen nicht reduziert.

Quelle: Bank of America Global Fund Manager Survey, Stand: 14. September 2021. ÜG = Übergewichtet. Übergewichtung von Aktien linke Skala in der Abbildung. Nettoanteil, der mit kräftiger Wirtschaft rechnet, dargestellt auf der rechten Skala in der Abbildung.

Liquiditätshöhepunkt?

Es lässt sich kaum bestreiten, dass die Liquiditätsbedingungen an den Finanzmärkten äußerst entgegenkommend sind. Tag für Tag pumpen die Zentralbanken über Anleihekaufprogramme (quantitative Lockerung, QE) und historisch niedrige Zinsen Milliarden von US-Dollar in die Märkte.

Nun zeichnet sich allerdings ein Kurswechsel ab. Die Zentralbanken werden ihre Anleihekäufe voraussichtlich von 8,5 Bio. USD 2020 auf 2,3 Bio. USD in diesem Jahr und 0,3 Bio. USD 2022 drosseln (siehe Abbildung 3). Auch der Zinszyklus dürfte sich nächstes Jahr langsam nach oben bewegen. Mit Zinserhöhungen durch die Europäische Zentralbank ist voraussichtlich frühestens 2023 oder 2024 zu rechnen. Die Bank of England (BoE) wird die Zinsen dagegen voraussichtlich im zweiten Quartal 2022 um 15 Basispunkte1 (Bp.) anheben, gefolgt von einem zweiten Zinsschritt um 25 Bp. im weiteren Jahresverlauf. Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) wird Prognosen zufolge Ende 2022 die erste Zinserhöhung vornehmen, sobald sie ihr QE-Programm beendet hat. Diese Prognosen sind mit ungewöhnlich hohen Risiken verbunden. Die Anleger werden daher die nächsten Sitzungen der BoE und der Fed aufmerksam verfolgen, um weitere Hinweise zur geplanten schrittweisen Beendigung der Anleihekäufe und zu den Zinserhöhungen zu erhalten.

Abbildung 3: Anleihekäufe der Zentralbanken

Quelle: Janus Henderson Investors, Bank of America, Stand: 9. Juni 2021. Die Daten basieren auf Prognosen der US-Notenbank, der Bank of England, der Europäischen Zentralbank und der Bank of Japan. Bio. USD = Billionen USD.

Das Pfeifen im Walde

Unternehmensanleihen haben in den letzten Jahren stark von den Maßnahmen der Zentralbanken profitiert, da die Geldpolitik die Staatsanleiherenditen und die Kreditspreads gedämpft hat.2 Die Renditen und Spreads liegen im Investment-Grade- und im High-Yield-Segment unweit ihrer historischen Tiefststände. Natürlich sind die Renditen in der Eurozone deutlich niedriger als die US-Renditen (Abbildung 4). Zum ersten Mal in der Geschichte liegen die Renditen europäischer Hochzinsanleihen unter der Inflationsrate. Es ist bemerkenswert, wie völlig unbeeindruckt sich die Unternehmensanleihemärkte in führenden Ländern von der Ausweitung der Schuldenkrise in China gezeigt haben. Diese hat die High-Yield-Renditen in China zuletzt auf über 15% katapultiert, da die Sorgen über eine mögliche Ansteckung durch die finanzielle Schieflage des chinesischen Immobilienentwicklers Evergrande Group zunehmen.

Ein Engagement in Investment-Grade- und Hochzinsanleihen der führenden Volkswirtschaften hat sich in der Zeit nach der weltweiten Finanzkrise/QE im Allgemeinen gelohnt. Inzwischen sind viele Positivmeldungen bereits eingepreist. Niedrige Renditen bedeuten in der Regel auch niedrige Erträge in der Zukunft - geringe Spreads bedeuten geringen Spielraum für Fehler. Ein überraschend positives Wachstum könnte die Staatsanleiherenditen beflügeln - negative Wachstumsüberraschungen könnten eine Spreadweitung bewirken. Von nun an müssen Anleger zur Kenntnis nehmen, dass sich der Bullenmarkt bei Unternehmensanleihen zunehmend eintrübt und der Renditeausblick im Verhältnis zum Risiko mager ist.

Abbildung 4: Kreditspreads auf historischem Tiefstand


Quelle: Janus Henderson Investors, Bloomberg, Stand: 3. September 2021. Die Daten basieren auf dem Bloomberg US Corporate Bond Index (USD) und dem Bloomberg US Corporate High Yield Index (USD).

Es gibt Alternativen

Alternative Anlagen können Anlegern effektive Lösungen für die aktuellen Herausforderungen der Vermögensallokation bieten. Die Palette börsennotierter alternativer Anlagen, die Anlegern zur Verfügung stehen, hat sich in den letzten Jahren enorm vergrößert, und die Marktliquidität in diesen Sektoren ist deutlich gestiegen. In einer Zeit, in der möglicherweise übertrieben in Aktien investiert wird und Anleihen nur begrenztes Renditepotenzial bieten, sollten Anleger über alternative Anlagen nachdenken. Sie bieten Diversifizierungsvorteile, Potenzial für attraktive Einkommensströme und ein Engagement in vielen neuen langfristigem Wachstumssektoren, wie etwa erneuerbare Energien, Infrastruktur und Logistik.

 

1Ein Basispunkt (Bp.) entspricht einem Hundertstel Prozent. 1 Bp. = 0,01 %, 100 Bp. = 1 %.

2Kreditspread bezeichnet die Renditedifferenz zwischen Wertpapieren mit ähnlicher Restlaufzeit, aber unterschiedlicher Bonität. Eine Spread-Weitung deutet im Allgemeinen auf eine Verschlechterung der Bonität von Emittenten hin, eine Verengung dagegen auf eine Verbesserung der Bonität.