In diesem Artikel erläutert Steve Johnstone, Fondsmanager der Janus Henderson Global Equity Market Neutral Strategie, weshalb Anleger einen Aktienfonds in Betracht ziehen sollten, der unabhängig von der Marktlage positive absolute Renditen und niedrige Volatilität anstrebt.

Zentrale Erkenntnisse

  • Historisch betrachtet waren die Aktienbewertungen im aktuellen Marktzyklus getragen von der weltweit extrem akkommodierenden Geldpolitik durchweg hoch.
  • Aktienmarktneutrale Strategien sollen eine Absicherung gegen Marktfaktoren bieten, um die risikobereinigten Renditen zu verbessern, umfangreiche Verluste zu vermeiden und hoffentlich im Laufe der Zeit die Renditen für Anleger zu steigern.

Die Hausse in der letzten Dekade ist von bislang einmaliger Dauer und wurde durch eine außergewöhnliche und nachhaltige Unterstützung seitens der Regierungen und Zentralbanken untermauert. Das Ende dieses fortgeschrittenen Zyklus rückt näher. Hinzu kommt eine Flut von neuen Risikofaktoren, angefangen von den Brexit-Verhandlungen über das Spektakel rund um die bevorstehende US-Präsidentschaftswahl bis hin zum Ausbruch des Coronavirus. Sollten sich Anleger daher überlegen, welche Optionen sie haben?

Lang anhaltende Haussephasen enden in der Regel jäh

Je länger eine Hausse dauert, desto größer ist das Potenzial starker Verluste. Betrachtet man die fünf längsten Bullenmärkte in den USA im letzten Jahrhundert (siehe Anhang 1), betrug der durchschnittliche Verlust am Aktienmarkt in den darauffolgenden 12 Monaten 19,2%.

Anhang 1: Jede Hausse geht irgendwann zu Ende

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Quelle: FRED (Wirtschaftsdaten der US-Notenbank Federal Reserve), S&P Dow Jones Indizes. In diesem Szenario „endet“ eine Hausse, wenn der betreffende Aktienmarkt ausgehend von seinem Höchststand um mindestens 20 Prozent gefallen ist.

Die Hausse nach der globalen Finanzkrise wurde weitgehend von der weltweit extrem entgegenkommenden Geldpolitik getragen. Diese geht voraussichtlich langsam zu Ende. Angesichts der aktuell tiefen Verunsicherung halten wir eine marktneutrale Absolute Return Strategie für eine vernünftige Option, über die Anleger nachdenken sollten.

Zu den wichtigsten Vorteilen einer globalen marktneutralen Strategie zählt die begrenzte Korrelation zu den breiter gefassten Aktienmärkten und anderen alternativen Optionen. Ein Blick auf den letzten Marktzyklus vom 1. Oktober 2007 bis zum 31. Dezember 2019 zeigt, dass die Performance-Korrelation zwischen dem HFRX - Equity Market Neutral Total Return Index und den wichtigsten Aktienmärkten der Welt unter 0,3 lag. Das ist ein Niveau, das wir absolut betrachtet als niedrig einstufen würden (siehe Anhang 2). Die Index-Performance ist ein Durchschnitt aus einem breiten Spektrum marktneutraler Fonds. Dabei lässt sich zwischen den Strategien differenzieren, indem Sie Ihr marktneutrales Engagement weiter differenzieren und Produkte auswählen, die ihre geringe Korrelation mit Hilfe unterschiedlichen Ansätzen erreichen:

Anhang 2: Geringe Korrelation zu den führenden globalen Aktienindizes

Korrelation zum HFRX – Equity Market Neutral Total Return Index
S&P 500 Index 0,24
MSCI Europe Index 0,15
TOPIX 0,09
Russell 2000 0,30
MSCI Emerging Markets Index 0,18

Quelle: Janus Henderson Investors. Analysezeitraum vom 1. Oktober 2007 bis zum 31. Dezember 2019 in USD. Die Korrelationen in der Vergangenheit sind keine Garantie für zukünftige Korrelationen. Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein Indikator für die zukünftige Wertentwicklung.

Warum nicht einfach in einen Index investieren?

Kostengünstige passive/ETF-Investments haben in den letzten Jahren rasant an Beliebtheit gewonnen. Günstige Finanzierungsbedingungen für Unternehmen und die Flut von Stimulierungsmaßnahmen im Rahmen der quantitativen Lockerung haben die Preise von Vermögenswerten mit in die Höhe getrieben. Dieses Klima des „freien Geldes“ war für passive Strategien eine glänzende Zeit, in der sie Anleger mit niedrigen Kosten angelockt haben, und nur wenige Phasen deutlicher Verluste die Stimmung trübten. Dieser „Buying the Index“-Ansatz bescherte aufgrund des extrem günstigen wirtschaftlichen und geldpolitischen Umfelds üppige Renditen. Dabei haben Anleger immer mehr Geld in dieselben Aktien investiert und damit einen positiven Rückkopplungseffekt auf die Aktienkurse erzielt.

Diese Strategie birgt aber auch Risiken. Denn Anlagen, die nicht auf Fundamentaldaten basieren, sind potenziell riskant, wenn sich Risikoaversion breit macht. Denn dann finden verkaufswillige Anleger möglicherweise nur schwer Käufer und sind daher gezwungen, fundamental unattraktive Aktien zu behalten oder mit hohem Abschlag zu verkaufen.

Zahlreiche gute Beispiele veranschaulichen, was bei einer Wende an den Märkten geschehen kann, so die jüngste Volatilität an den globalen Aktienmärkten, die durch das Coronavirus/den Ölpreisverfall ausgelöst wurde. Im Dezember 2018 zwang eine Anhäufung von Sorgen den führenden US-Aktienmarkt vorübergehend in die Knie, darunter der Handelskonflikt mit China, die Besorgnis über den Straffungskurs der US-Notenbank und der Stillstand der US-Regierung. Damals stieg die Volatilität an den globalen Aktienmärkte sprunghaft an und gipfelte in einem massiven kurzfristigen Ausverkauf von Aktien. Historisch betrachtet sind solche plötzlichen Aktienmarktverluste nicht ungewöhnlich, aber viele Marktteilnehmer hatten die Risiken ignoriert.

2018 und 2019 beliefen sich die Verluste während der schlimmsten 10 Monate für Aktien insgesamt auf 9,9%. In denselben 10 Monaten gab der HFRX EH Equity Market Neutral Total Return Index nur 0,5% nach.

Wie federn aktienmarktneutrale Strategien Risiken ab?

Aktienmarktneutrale Strategien sollen eine Absicherung gegen Marktfaktoren bieten, um die risikobereinigten Renditen zu verbessern sowie große Verluste zu vermeiden und hoffentlich im Laufe der Zeit die Renditen für Anleger zu steigern. Sie können zwar unterschiedlich anlegen, gehen aber in der Regel Long-Positionen auf gut geführte Unternehmen mit solider Marktstellung oder mit attraktiven Aussichten ein. Gleichzeitig eröffnen sie Short-Positionen auf Aktien, die nicht die gleichen positiven Eigenschaften aufweisen. Diese Strategie wird als „Pair Trading“ bezeichnet. Ihr Ziel besteht darin, Performance zu erzielen, indem der Spread zwischen beiden ausgenutzt wird, bei langfristig deutlich geringerer Volatilität als im Aktienuniversum (Anhang 3)

Anhang 3: Deutlich geringere Volatilität als Aktien

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Quelle: Janus Henderson Investors. Volatilität über rollierende 12-Monats-Zeiträume. Analysezeitraum vom 1. März 2004 bis zum 31. Dezember 2019 in US-Dollar. Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein zuverlässiger Indikator für die Wertentwicklung in der Zukunft.

In einer Welt, in der Anleger zunehmend nach Diversifizierung und unkorrelierten Ertragsströmen suchen, müssen aktienmarktneutrale Strategien eine Rolle spielen. Das gilt sowohl für Anleger, die sich über die Risiken einer Haussephase von so einzigartiger Länge Sorgen machen, als auch für diejenigen, die Market Timing nicht in ihre langfristige Strategie einbinden wollen. Die Performance wird sich kaum mit den glänzenden Zahlen einer ausgewachsenen Hausse messen lassen, aber langsam und stetig ist manchmal eine gute Wahl.