John Bennett, Director of European Equities, nimmt in einem aktuellen „Kurzüberblick“ Stellung zum aktuellen Ausverkauf an den Märkten und zur Portfolio-Positionierung.

Zentrale Aussagen:

  • Der jüngste Ausverkauf kam plötzlich und rasant und ist für die Volkswirtschaften rund um den Globus völliges Neuland, wobei er einige Sektoren härter trifft als andere.
  • In Zeiten wie heute muss vor allem die Verschuldung beachtet werden: Je höher die Verschuldung, desto größer der potenzielle Kursverlust einer Aktie.
  • Bei der Anlagephilosophie des Teams spielen solide Bilanzen und Cash-Generierung eine zentrale Rolle. Daher liegt der Leverage der Portfolios unter Marktniveau. Das ist derzeit wichtiger denn je.

Zunächst müssen wir erkennen, dass wir uns durch das Auslösen einer weltweiten Rezession auf Neuland befinden. Das Tempo und die Unvermitteltheit, mit der die Rezession ausgelöst wurde, sind in der Geschichte einmalig. Viele Unternehmen und Sektoren, insbesondere Hotellerie, Reiseverkehr und Gastronomie, werden voraussichtlich nicht nur in eine Rezession sondern in eine Depression abrutschen.

Die Aktienmärkte bemühen sich, diese Rezession einzupreisen. Inzwischen versuchen sie bereits zu ermessen, ob eine „normale" Rezession oder etwas wesentlich Weitreichenderes bevorsteht. Die Maßnahmen der Zentralbanken und zunehmend der nationalen Regierungen sprechen Bände darüber, wie Ernst sie die Lage einschätzen.

Wir müssen uns darauf einstellen, dass Senkungen der Gewinnschätzungen um 25% auf breiter Front an der Tagesordnung sein werden. Das sollte unser Basisszenario sein. Neben diesem Durchschnitt wird es aber natürlich auch stärkere Gewinneinbrüche geben. Die Märkte in Europa preisen bereits einen Gewinneinbruch um 25% ein. In den USA bin ich mir da nicht so sicher.

In solchen Situationen und auch in normalen Phasen des Abschwungs spielt der Verschuldungsgrad eine entscheidende Rolle. Das wird auf Einzeltitelebene gut sichtbar. Je höher die Verschuldung, desto stärker der Kursverlust. Auf breiterer Ebene schürt dies die Dynamik des Ausverkaufs, der durch höhere Verschuldung, eine Ansteckung über alle Anlageklassen hinweg aufgrund ausufernder Kreditspreads, Versiegen der Marktliquidität und Gebote der Risikosteuerung angefacht wird.

Die Anlegerstimmung ist ebenfalls in blanke Panik umgeschwenkt. Viele Aktien sind inzwischen überverkauft und die Märkte scheinen bereit, um getragen von besseren Nachrichten über das Virus, die zweifellos kommen werde, einen Sprung nach oben zu machen. Aber Vorsicht, auch vor dem letzten 10%-igen Rutsch nach unten schien die Börse bereits überverkauft.

Unsere Anlagephilosophie und die von uns bevorzugten Aktien zeichnen sich unter anderem durch die starken Bilanzen und die Cash-Generierung aus. Das mag zwar mitunter altmodisch erscheinen, nicht zuletzt angesichts der großen Liebe zu „Disruptoren“ und anderen teuren Abenteuern in den letzten Jahren. Vielleicht werden sich altmodische Grundsätze der Finanzwelt in Zeiten wie diesen bewähren. Wie bereits erwähnt ist Verschuldung am Markt in der aktuellen Situation verpönt. Wir halten aber dennoch einige höher verschuldete Titel, insbesondere Versorger, einen Hersteller von Freizeitfahrzeugen und einen Akteur, der auf strukturelles Wachstum im Bereich der automatischen Lagerhaltung setzt. Letztere gehören zu der Sorte von Unternehmen, die am stärksten in den Sog des Ausverkaufs geraten sind. In jedem Fall würden wir investieren, wenn es bei diesen Titeln Bezugsrechtsemissionen gäbe. Wie wir bei jedem Kundentreffen und in jeder Präsentation vor Anlegern betonen, weisen unsere Portfolios gemessen am Verhältnis von Nettoverschuldung zu EBITDA, eine geringere Verschuldung als der Markt auf. Dies ist ein beständiges Element, für das wir uns bei unserer Philosophie und unserem Prozess bewusst entschieden haben. Aktuell ist es wichtiger denn je.

Um unsere grundsätzliche Haltung zu untermauern, weisen wir darauf hin, dass wir keine wesentlichen Änderungen an unseren Portfolios vorgenommen haben, außer letzte Woche, als wir begonnen haben, die Kreditaufnahme (auf etwa die Hälfte des zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Berichts zulässigen Höchstbetrags) in unserem geschlossenen Fonds zu erhöhen. Das zeigt, dass wir Chancen sehen, unsere Titel nahezu durchgängig tröpfchenweise aufzustocken.

Unsere Portfolios sind in Bezug auf Stil und Sektorallokation weiterhin recht ausgewogen, wobei das fehlende Engagement bei europäischen Banken der größte „Ausreißer“ ist.