Tim Winstone, Portfoliomanager für Unternehmensanleihen, kommentiert die Krise, die die Märkte erfasst hat, und wie das Corporate Credit Team mit Blick auf die Positionierung im Rahmen der Strategie für europäische Investment Grade Unternehmensanleihen reagiert.

  Zentrale Erkenntnisse

  • Die Entwicklung des Coronavirus wird die Marktstimmung beeinflussen. Wir befinden uns in einer Grauzone, da die Welt versucht herauszufinden, ob das Virus ohne tiefergreifende Störung der Wirtschaftsentwicklung eingedämmt werden kann, während ein anhaltender Ölpreiskrieg das Risiko eines weiteren Rückschlags schürt.
  • Im Hinblick auf technische Faktoren könnten schwache Marktrenditen zu Kapitalabflüssen bei Unternehmensanleihen führen. Bislang hat die Liquidität am Markt abgenommen, ist aber immer noch in kleinerem Umfang verfügbar.
  • Die deutliche Korrektur an den Märkten für Unternehmensanleihen bedeutet, dass sich die Bewertungen verbessert haben. Die Spreads könnten sich in einem Abwärtsszenario ausweiten, aber ein angemessener Betrag ist bereits eingepreist worden.

 

Coronavirus

Zwar beobachten wir die Situation weiterhin sehr genau, jedoch verfügen wir nicht über mehr Einsicht als die medizinischen Experten, wie sich die Lage weiter entwickeln wird. Im günstigsten Fall werden sich die Neuansteckungen weltweit in den nächsten Wochen oder Monaten verlangsamen. Im schlimmsten Fall werden weitere Länder (ähnlich wie Italien) Sperren verhängen. Durch die Unterbrechung der Nachfrage- und Lieferketten führt dies zu einer länger anhaltenden Abkühlung des Wachstums. Es bleibt abzuwarten, ob Länder wie Großbritannien und die USA die Ausbreitung besser kontrollieren können als die zuvor betroffenen Länder.

OPEC+

Das Scheitern der Gespräche zwischen Russland und Saudi-Arabien stellt eine weitere große Unsicherheit für die Märkte dar und kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die Anlegerstimmung bereits deutlich angeschlagen ist. Ein anhaltender Preiskampf, d.h. Ölpreise um die Spanne von 20 bis 30 US-Dollar pro Barrel, hat erhebliche Auswirkungen auf die US-amerikanischen Ölproduzenten, aber eine geringere Bedeutung für die Fundamentaldaten von auf Euro lautenden Investment Grade Unternehmensanleihen. Die Ölpreisschwankungen und die von den OPEC-Mitgliedern verwendeten Strategien zur Maximierung des Marktanteils wirken sich jedoch negativ auf die Anlegerstimmung aus und schaffen das Risiko eines weiteren Rückschlags, mit dem alle risikoreichen Anlagen in diesen unsicheren Zeiten zu kämpfen haben.

Marktdynamik

Das Hauptrisiko besteht hier in potenziellen Abflüssen aufgrund schlechter Gesamtrenditen aus dem Index. Kapitalabflüsse können zu einer weiteren unterdurchschnittlichen Wertentwicklung von europäischen Investment Grade Unternehmensanleihen führen, da die Anleger gezwungen sind, Anlagen abzustoßen.

Bewertungen

Bewertungen bieten einen Lichtblick. Die Bewertungen haben sich nach der Volatilität an den Märkten verbessert. So hatte sich beispielsweise der Kreditspread bei europäischen Investment-Grade-Anleihen[A1] , gemessen am ICE BofA Euro Corporate Index, auf 171 Basispunkte ausgeweitet, den höchsten Wert seit 2012*.  Die Märkte deuten darauf hin, dass die Wahrscheinlichkeit einer Rezession in diesem Jahr gestiegen ist. Daher ist es möglich, dass sich die Kreditspreads für europäische Investment-Grade-Anleihen [A2] in einem Abwärtsszenario trotz eines möglichen Anstiegs der monatlichen Käufe von Unternehmensanleihen durch die Europäische Zentralbank ausweiten könnten. Gleichzeitig wurde jedoch bereits ein angemessener Betrag eingepreist.

*Quelle: *Quelle: Bloomberg, ICE BofA Euro Corporate Index, Spread-to-Worst zu Staatsanleihen bis zum 12. März 2020. Der Spread to Worst stellt die zusätzliche Rendite gegenüber entsprechenden Staatsanleihen dar, unter Berücksichtigung möglicher vorzeitiger Rückzahlungsforderungen.

Positionierung

In der vergangenen Woche sind wir auf dem Markt für europäische Investment-Grade-Anleihen [A3] vorsichtiger geworden, da das Coronavirus weit verbreitet ist und die kurzfristigen Aussichten angesichts seiner weiteren Verbreitung und seiner potenziellen Auswirkungen auf das globale Wachstum ungewiss sind. Daher haben wir das Gesamtkreditrisiko gegenüber dem Index untergewichtet. Unsere relativ defensive Ausrichtung konzentriert sich auf Emittenten mit guten Fundamentaldaten, wobei wir zyklischere Marktsektoren untergewichtet haben, die von einer sich abschwächenden Wirtschaftslage betroffen sind, wie z.B. Industrieunternehmen und Grundstoffe. Wir sind übergewichtet in Emittenten aus dem Immobiliensektor, die sich grundlegend verbessern, und wir glauben, dass sie attraktive relative Bewertungen gegenüber Nicht-Finanzsektoren sowie ausgewählten nationalen Spitzenbanken bieten. Darüber hinaus halten wir bei Emittenten ein ausgewähltes Engagement in Hochzinsanleihen, was einige der stärksten Überzeugungen und Bottom-up-Ideen unseres globalen Kreditanalystenteams widerspiegelt. Nach wie vor sind wir untergewichtet in Nicht-Finanz-Euro-Unternehmensanleihen mit Investment Grade. Übergewichtet sind wir in finanziellen Euro-Anleihen mit Investment Grade, da wir glauben, dass die Bewertungen in den Finanzsektoren attraktiver sind.

Vor allem im Energiesektor halten wir eine kleine untergewichtete Position gegenüber dem Index. Am Montag, den 9. März, haben wir das Risiko bei einigen Titeln aus dem Energiesektor sowie bei einigen Anleihen mit Investment Grade aus europäischen Kernländern und Investment Grade Anleihen [A4] aus Nicht-Euro-Ländern weiter reduziert. Wir werden versuchen, das Risiko bei Titeln leicht zu reduzieren, deren Kurse oder Spreads sich relativ gut gehalten haben oder deren Fundamentaldaten eher durch eine Abschwächung des wirtschaftlichen Umfelds negativ beeinflusst werden.

Was wir sonst noch unternehmen

Wie immer halten wir an unserem Anlageprozess fest. Bisher haben wir eine Position im Energiesektor gemäß unserem Stop-Loss-Prozess um ein Drittel gekürzt.

Die Liquidität auf dem Markt hat sich verschlechtert, ist aber immer noch in kleinerem Umfang verfügbar. Wir sind in der Lage zu handeln, obwohl wir die Handelsaktivitäten auf ein Minimum beschränken, um unnötige Transaktionskosten zu vermeiden. Es gibt einige Verwerfungen zwischen verschiedenen Wertpapieren, aber bei der derzeitigen Volatilität entscheiden wir uns für den Handel in kleinerem Umfang, um das Ausführungsrisiko zu begrenzen.

Ausblick

Jüngste Veröffentlichungen von Daten des chinesischen Einkaufsmanagerindex (PMI) haben die negativen Auswirkungen veranschaulicht, die der Coronavirus auf die Wirtschaft eines Landes haben kann, indem es die Nachfrage sowie die Geschäfts- und Verbraucherstimmung belastet und die Lieferketten unterbricht. Wir sind uns daher bewusst, dass das weltweite Wachstum in naher Zukunft einen erheblichen Schaden nehmen könnte, da andere Länder, die unter dem Virus leiden, Maßnahmen zur Eindämmung seiner Verbreitung ergreifen.

Auch die Entwicklungen in den Brexit-Verhandlungen, der US-Politik sowie die Spannungen zwischen den USA und dem Rest der Welt schwelen weiterhin im Hintergrund. Auch wenn diese Risiken in den letzten Wochen in den Hintergrund getreten sind, könnten erneut negative Meldungen zu diesen Themen aufschlagen und die Stimmung der Anleger negativ beeinflussen, sofern und sobald die Befürchtungen über das Coronavirus nachlassen.

Die Europäische Zentralbank kauft nach wie vor monatlich Unternehmensanleihen auf, und die Zentralbanken weltweit zeigen eine gewisse Bereitschaft, politische Maßnahmen zur Stützung der Wirtschaftslage und der Finanzmärkte zu ergreifen. Jedoch ist bei weitem nicht erkennbar, ob stärkere Maßnahmen wie z.B. finanzpolitische, oder der Einsatz von Hubschraubergeld ausreichen werden, um die Rahmenbedingungen zu stabilisieren. Wir glauben, dass das Vorherrschen von durch den Coronavirus verursachter Unsicherheit die Maßnahmen der Zentralbanken in naher Zukunft wahrscheinlich überlagern und zu einer negativen Entwicklung im Kreditgeschäft führen wird.

Insgesamt halten wir an unserer vorsichtigen Positionierung fest. Unsere Portfolioaktivität wird sich an dieser Stelle entsprechend dem Gleichgewicht zwischen der weiteren Verbreitung des Coronavirus und der Ölpreisvolatilität sowie der wirtschaftlichen und politischen Landschaft und der koordinierten Zentralbankpolitik entwickeln.


[A1]While the text above always talks about IG corporate bond, here it only talks about IG bonds – not sure whether this should rather relate to IG corporate bonds again.

[A2]While the text above always talks about IG corporate bond, here it only talks about IG bonds – not sure whether this should rather relate to IG corporate bonds again.

[A3]While the text above always talks about IG corporate bond, here it only talks about IG bonds – not sure whether this should rather relate to IG corporate bonds again.

[A4]While the text above always talks about IG corporate bond, here it only talks about IG bonds – not sure whether this should rather relate to IG corporate bonds again.