Nick Maroutsos, Co-Head of Global Bonds, erläutert, warum die Fed mit ihrem Beschluss vom Januar, die Zinsen unverändert zu lassen, 2020 vermutlich für günstige Rahmenbedingungen an den Aktien- und Anleihemärkten sorgen wird. Zudem ist er überzeugt, dass die Notenbank bei einem Markteinbruch zur Stelle sein und den Absturz abfedern wird.

Zentrale Erkenntnisse

  • Nach ihrer letzten Sitzung gab die US Federal Reserve (Fed) bekannt, dass sie den Leitzins bei 1,50% bis 1,75% belässt. Das aktuelle Zinsniveau hält sie für „angemessen, um eine Fortsetzung des wirtschaftlichen Aufschwungs zu unterstützen“.
  • Der Zinsentscheid stimmt mit unserer Einschätzung überein, dass die Währungshüter an ihrer entgegenkommenden Politik festhalten und die Zinszügel eher weiter lockern als straffen werden.
  • Eine expansiv ausgerichtete Fed verheißt Gutes für die Finanzmärkte. Folglich erwarten wir für 2020 ähnliche Renditen an den Aktien- und Anleihemärkten wie 2019 – bei unter dem Strich jedoch geringeren Gesamtrenditen.

Bei der Sitzung am 29. Januar stimmten die Mitglieder des Offenmarktausschusses der US-Notenbank (FOMC) einstimmig dafür, den Leitzins im Korridor von 1,5% bis 1,75% zu belassen. Das aktuelle Zinsniveau halten sie für „angemessen, um eine Fortsetzung des wirtschaftlichen Aufschwungs zu unterstützen“. Dies ist bereits die zweite Sitzung in Folge, bei der der FOMC die Zinsen nicht angetastet hat. An den Finanzmärkten hatte man diese Entscheidung weitgehend erwartet. Sie passt auch zu unserer Einschätzung, dass die Fed nicht nur an ihrer entgegenkommenden Politik festhält, sondern die Zinsschraube eher weiter lockern als anziehen wird.

Angehoben hat die Notenbank dagegen den Zinssatz, den sie auf „Überschussreserven“ von Geschäftsbanken zahlt, und zwar von 1,55% auf 1,60%. Hierbei handelt es sich zwar effektiv um eine Straffung. Aber diese recht geringfügige Anpassung hilft, den vorherrschenden Zinssatz vom unteren Ende, an dem er sich seit Längerem bewegt, näher an die Mitte des angestrebten Korridors von 1,50% bis 1,75% heranzuführen.

Mehr Zinslockerungen vor nächster Zinserhöhung

Nach der Flaute im letzten Jahr mehren sich die Anzeichen einer Konjunkturerholung in den USA. Damit sind weitere Zinssenkungen nicht mehr zwingend erforderlich. Noch wirken die drei Zinskürzungen der Fed vom vergangenen Jahr in der Wirtschaft nach. Zugleich hat die Angst nachgelassen, die Spannungen im internationalen Handel könnten das Wachstum bremsen. Zugleich sind neue Risiken für das Wirtschaftswachstum wahrscheinlicher als Bedingungen, die wie z.B. ein über dem Trend liegendes Wirtschaftswachstum in den USA, ein stark beschleunigtes Weltwirtschaftswachstum oder ein Inflationsschub eine Zinserhöhung bewirken könnten.

Tatsächlich präzisierte Fed-Chef Jerome Powell in seinen Ausführungen den leicht geänderten Wortlaut des FOMC zum Inflationsziel. Bislang war von einem Ziel „nahe“ 2% die Rede. Künftig wird auf dieses Adjektiv verzichtet, um jeglicher Verwirrung darüber vorzubeugen, ob man sich mit einer weiterhin nahe, aber unter 2% liegenden Inflation zufrieden geben würde. Das werde die Fed, so machte Powell deutlich, nicht tun. Allerdings ist nach wie vor unklar, welche Bedingungen gegeben sein müssen, damit die Inflation steigt. Zumal strukturelle Faktoren wie der technologische Fortschritt den Preisauftrieb niedrig halten. Letztlich könnten also weitere Zinssenkungen erforderlich sein.

Wir gehen zudem davon aus, dass die Fed an ihrer expansiven Politik festhält, steht sie doch im Ruf, den Bedürfnissen der Finanzmärkte entgegenzukommen. Die Zinslockerungen in der zweiten Jahreshälfte 2019 waren Balsam für die nervösen Märkte. Mit Blick auf US-Unternehmensanleihen, Hochzinspapiere eingeschlossen, stellen sie die Weichen für eine gute Wertentwicklung. Der Finanzierungsbedarf amerikanischer Unternehmen und die Renditesuche der Anleger treffen hier auf günstige Weise zusammen, und das soll nach dem Willen der Fed auch so bleiben. Sollten die Risikoaufschläge von Unternehmensanleihen dramatisch steigen oder US-Aktien massive Kurseinbrüche erleiden, würde die US-Notenbank unseres Erachtens eingreifen und die Märkte stützen. Das soll jedoch nicht heißen, dass wir eine Rezession in den USA für wahrscheinlich halten. Wir gehen lediglich davon aus, dass die Märkte eine Rezession vorwegnehmen und die Währungshüter darauf mit einer weiterhin akkommodierenden Politik reagieren würden.

Entgegenkommende Politik stützt die Märkte

Mit ihrer Entscheidung untermauert die Fed nach unserer Einschätzung das günstige Umfeld für die Aktien- und Anleihemärkte in diesem Jahr. Ein weltweit kräftigeres Wachstum gibt den Vermögenspreisen Auftrieb. Jenseits des Atlantiks sind Aktien zwar schon recht hoch bewertet. Die amerikanische Wirtschaft brummt jedoch wie eh und je, und die Stimmung unter Anlegern ist unverändert gut. 2020 könnten die Anlageklassen den Trend des letzten Jahres ausbauen und positive, wenngleich etwas niedrigere Gesamtrenditen generieren. Momentan überwiegen bei US-Unternehmensanleihen angesichts der historisch engen Spreads die Risiken. Das macht uns einmal mehr deutlich, wie wichtig die Titelauswahl ist. Bei einem Markteinbruch dürfte die Fed aus unserer Sicht zur Stelle sein, um den Absturz abzufedern.