Hamish Chamberlayne, Portfoliomanager der Global Sustainable Equity-Strategie, erörtert die jüngsten Entwicklungen, die in den letzten drei Monaten die Welt beeinflusst haben.

Die bisherigen Entwicklungen im Jahr 2020

Die globalen Aktienmärkte verzeichneten in der zweiten Quartalshälfte durch den von der Coronavirus-Pandemie verursachten Konjunktureinbruch drastische Verluste.

Zahlreiche Länder führten Social-Distancing-Maßnahmen und Reisebeschränkungen ein, einige Regierungen gingen sogar noch weiter und verfügten die Schließung von nicht der Grundversorgung dienenden Geschäften. Das Ausmaß der Verwerfungen lässt sich am Rückgang des Luftverkehrs ablesen: In der letzten Märzwoche fanden 60% weniger Flüge statt.1 Synchronisierte Ausfälle dieser Größenordnung hat die Weltwirtschaft seit dem Zweiten Weltkrieg nicht erlebt.

Wir haben es hier aber auch mit einer Krise zu tun, die sich mit einem Krieg gar nicht vergleichen lässt. Alles ist ruhig. In den Städten herrscht Stille, nur wenige Autos sind unterwegs, am Himmel keine Flugzeuge. Eine spürbare Folge war ein enormer Rückgang der Luftverschmutzung. Die CO2- und Stickoxidemissionen sind in den letzten Wochen drastisch gesunken. Es gibt durchaus Stimmen, die sagen, dass uns der Zufall so einen Blick in eine CO2-arme Zukunft gewährt hat. Doch bei allen positiven Auswirkungen für die Umwelt ist das ein Pyrrhussieg, wenn man die menschlichen Kosten der Krise bedenkt. Die sozialen Auswirkungen sind vielschichtig, und die Regierungen stehen vor der schwierigen Aufgabe, die Folgen verschiedener Maßnahmen abzuwägen.

Silberstreif am Horizont

Inmitten all dieser Turbulenzen gab es aber auch positive Entwicklungen. Die Krise hat die Vorzüge der technologischen Fortschritte des letzten Jahrzehnts verdeutlicht. Die digitale Wirtschaft hat es vielen Menschen ermöglicht, ihren Alltag mit nur leichten Einschränkungen weiterzuleben. Manche Unternehmen haben in den letzten Monaten sehr gut entwickelt und erfreuen sich einer steigenden Nachfrage nach ihren Dienstleistungen. Eine der großen Fragen, die wir uns stellen, lautet, inwieweit diese Krise zu dauerhaften Veränderungen führt. Wird es eine neue Normalität geben, und wie wird diese aussehen?  Wir glauben, dass diese Krise digitale Trends beschleunigen wird, und sind zuversichtlich, dass die Veränderungen in der Art und Weise, wie wir unsere Wirtschaft organisieren und unser Leben führen, sich nachhaltig positiv auf unsere Umwelt auswirken werden. Wir investieren in Unternehmen, die auf diese Art der Zukunft ausgerichtet sind.

Unterbrechung oder Widerstandsfähigkeit

Angesichts des Ausmaßes staatlicher Interventionen gibt es kaum Teile der Wirtschaft, die keine Unterbrechungen erlebt haben. Alle großen Marktsektoren verzeichnen Umsatzrückgänge, wobei die relative Performance breit gefächert ist und manche Unternehmen widerstandsfähiger sind als andere. Die am stärksten in Mitleidenschaft gezogenen Unternehmen sind in den Sektoren Reise, Transport, Schwerindustrie, Rohstoffe und Finanzen angesiedelt. Besonders hart getroffen hat es Kreuzfahrtschiffe und Fluggesellschaften mit Kursrückgängen von teils 80%-90%. Der Energiesektor, in dem Öl- und Gasgesellschaften dominieren, verzeichnete die schlechteste Performance mit einem Minus von über 40% vor dem Hintergrund des Ölpreisverfalls, der durch eine Kombination aus schwacher Nachfrage und Auflösungserscheinungen in den Beziehungen zwischen den OPEC-Staaten im Zusammenhang mit der Kürzung der überschüssigen Fördermengen verursacht war.2

Am zweitschlechtesten schnitt der Finanzsektor mit einem Minus von über 25% ab. Banken gerieten durch regulatorische Eingriffe der Regierungen in Form von Verpflichtungen zu Kreditstundungen sowie durch Zinssenkungen der Zentralbanken unter Druck. Die traditionell defensiveren Sektoren Gesundheit, Basiskonsumgüter und Versorger schnitten im Verhältnis besser ab, verzeichneten aber noch Rückgänge von 5%-15%. Der Rückgang im IT-Sektor lag ebenfalls unter dem Marktdurchschnitt, da die viele digitale Dienstleistungen eine steigende Nachfrage verzeichneten.2

Ausblick

Es herrscht beträchtliche Unsicherheit, was die Dauer der staatlichen Maßnahmen im Zusammenhang mit der Coronavirus-Pandemie betrifft. Gleichzeitig fragen sich mittlerweile viele Menschen, ob diese Krise dauerhafte Veränderungen unserer Lebensweise und der Organisation unserer Wirtschaft auslösen wird. Wir nehmen nicht für uns in Anspruch, die Antworten auf diese Fragen zu kennen, glauben aber, dass einige zukünftige Wege klarer sind als andere und dass unser nachhaltiger Anlageansatz für uns hilfreich sein wird.

Zahlreiche Regierungen weltweit haben auf diese Krise mit gigantischen fiskalischen Unterstützungspaketen reagiert, teils in Höhe von bis zu 20% des BIP. Diese Unterstützungen müssen irgendwohin fließen, und während in einigen Sektoren die Erholung länger dauern wird, dürften andere schnell wieder zu alter Stärke zurückfinden. Unser nachhaltiger Anlageansatz hilft uns, uns auf langfristige Trends zu konzentrieren, die sich aus unserer Sicht nicht ändern werden. Tatsächlich gehen wir davon aus, dass sich einige dieser Trends infolge der Krise sogar beschleunigen werden, und dies verdeutlicht die Tatsache verdeutlicht, dass manche Dinge sich verändern müssen.

Ein Trend, bei dem wir eine Beschleunigung sehen, ist die Digitalisierung, und wir haben in diesem Bereich zahlreiche Investments in Themen wie Produktivität von Unternehmen, Kommunikation, Gesundheit, Unterhaltung, Infrastruktur und Konnektivität. Die Widerstandsfähigkeit der digitalen Wirtschaft und die Tatsache, dass viele Unternehmen eine steigende Nachfrage nach ihren Dienstleistungen verzeichnen, unterstreichen, dass viele Menschen und Unternehmen mit einem geringeren CO2-Ausstoß auskommen können. Bei der Digitalisierung geht es ja schließlich darum, die Produktivität zu steigern und unsere wertvollen Rohstoffe effizienter zu nutzen.

Wir glauben auch, dass der Übergang zu einer CO2-armen Wirtschaft ein Trend ist, der sich fortsetzten und möglicherweise sogar beschleunigen wird. Eine Frage, die uns häufig gestellt wird, lautet, inwieweit sinkende Ölpreise nachhaltige Investments gefährden oder das Tempo des Übergangs auf eine CO2-arme Wirtschaft drosseln können. Wir halten das für unwahrscheinlich. Tatsächlich ist die Volatilität des Ölpreises an sich aus Anlagesicht ein negativer Faktor, während die Stabilität der Renditen im Sektor erneuerbare Energien sehr attraktiv ist. Was Anlagen in fossilen Brennstoffen weniger attraktiv macht, ist die unaufhaltsame Dynamik bei umweltfreundlichen Technologien, kombiniert mit der zunehmenden regulatorischen Last, mit der fossile Energien verbunden sind. Und wir gehen davon aus, dass saubere Energien weiter regulatorische Unterstützung erhalten werden.

Was zwischen all den Pandemiemeldungen völlig unbeachtet geblieben ist, war ein bedeutender Schritt der Europäischen Union in der Umsetzung ihres Ziel einer CO2-freien Wirtschaft mit dem Vorschlag der EU-Kommission zu einem europäischen Klimagesetz am 4. März. Es würde uns auch nicht überraschen, wenn Teile der umfangreichen Unterstützungspakte dem Sektor saubere Energien zugeteilt würden.  Eine wachsende Zahl von Unternehmen in den Sektoren Stromerzeugung, Transport und Fertigung hat mittlerweile mehrjährige Investitionspläne festgelegt, die auf den Übergang zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft ausgerichtet sind. Im nächsten Jahrzehnt werden wir eine enorme Kapazitätssteigerung bei erneuerbaren Energien, Durchbrüche in Batterietechnologien und eine breite Akzeptanz von Elektrofahrzeugen bei den Verbrauchern erleben.

Wir sind der Meinung, dass dies ein Jahrzehnt ist, in dem der Höhepunkt der Ölnachfrage klar sichtbar wird. Wir haben die jüngste Marktvolatilität genutzt, um unsere Anlagen in Bereich Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien dort zu erhöhen, wo wir stabile und steigende Dividenden sehen, sowie in Unternehmen, die Technologien für die Elektrifizierung des Transportwesens bereitstellen.

Es gibt viele andere Bereiche, wo wir kaum Veränderungen erwarten – die Nachfrage nach grundlegenden Gesundheitsdienstleistungen, durch alternde Bevölkerungen ohnehin steigend, ist jedoch durch die Krise nur noch weiter gestiegen. Es besteht nach wie vor ein hoher Bedarf an Versicherungen und Risikomanagement; Bevölkerungswachstum und Urbanisierung werden voranschreiten und damit der Bedarf an nachhaltiger Infrastruktur, öffentlichen Verkehrsmitteln, energieeffizienten Gebäuden und Wassertechnologie. Innovationen in Bezug auf die Kreislaufwirtschaft werden weiter voranschreiten, und die Nachfrage nach zahlreichen Konsumgütern und Verbraucherdienstleistungen in den Bereichen Sport, Freizeit, Unterhaltung und gesunde Ernährung wird anhalten.

Wir sind zuversichtlich, dass diese Krise uns nicht schwächen, sondern die Attraktivität nachhaltiger Anlagen mit besseren Ergebnissen nicht nur für Anleger, sondern auch für die Umwelt und die Gesellschaft unterstreichen wird. Wir investieren für Gewinne, Menschen und den Planeten. Wir glauben, dass die besten Anlagerenditen durch Unternehmen mit Merkmalen wie Widerstandsfähigkeit und einem soliden Gesamtwachstum erzielt werden, und diese Attribute finden man häufig bei Unternehmen, die auf der richtigen Seite von Nachhaltigkeitstrends stehen.

Fußnoten:

1Flightradar24.com, Stand 2. April 2020.

2Factset, Janus Henderson Investors, in GBP, Stand 31. März 2020.