Die Portfoliomanager Alison Porter, Graeme Clark und Richard Clode gehen der Frage nach, wie Technologie jeden Aspekt des Fußballs verändert.

Zentrale Erkenntnisse:

  • Der Einfluss von Technologie auf den Fußball nimmt zu, unterstützt durch die langfristigen und nachhaltigen Treiber der Einführung neuer Technologien mittels des Mooreschen Gesetz sowie der beschleunigten Verlagerung in die Cloud.
  • Künstliche Intelligenz wird durch Datenanalyse, Cloud-Infrastruktur und maschinelles Lernen vorangetrieben. Da hat weitreichende Anwendungsmöglichkeiten, wie z. B. die Unterstützung bei der Entscheidungsfindung bei Spielen und die Verbesserung der Teamleistung.
  • Effizientere Datenübertragung via 5G revolutioniert das Zuschauererlebnis – und verändert die Art und Weise, wie wir Fußball erleben und konsumieren.

Technologie hält in zahlreichen Sektoren Einzug, und dies wird sich in der nächsten Disruptionswelle noch beschleunigen, wobei die wichtigsten Wegbereiter Software, künstliche Intelligenz (KI) und das Internet der Dinge (IoT) sind. Aber wie wird ein Sport wie Fußball durch Innovation und Technologie verändert?

Die jüngste UEFA-Fußball-Europameisterschaft 2020 (Euro 2020), die aufgrund von COVID-19 um ein Jahr verschoben wurde, scheint eine gute Gelegenheit zu sein, sich mit dieser Frage zu befassen. Abgesehen vom Video gestützten Schiedsrichter VAR (Video Assisted Referee) wird Technologie eingesetzt, um Daten über Fußballspiele und Trainingseinheiten durch verschiedene Mechanismen zu sammeln, darunter Software zur Leistungsanalyse wie SBG MatchTracker, GPS-Daten (Global Positioning Systems) von Anbietern von Wearable-Technologie wie Catapult oder von Videotechnologie, die von Start-ups wie Bepro bereitgestellt wird und die Leistung von Mannschaften misst und verbessern soll.

Alles dreht sich um die Daten

Daten werden im Fußball auf vielfältige Weise erfasst, analysiert und angewendet. Ein Beispiel hierfür ist, wie der Liverpool Football Club Daten-KI und Analytik nutzte, um sich in eine Mannschaft zu verwandeln, die die UEFA Champions League und die englische Premier League gewann. Fußballfans werden mit Jürgen Klopp, Virgil Van Dijk und Mo Salah vertraut sein, aber nicht viele haben von Ian Graham gehört. Er kann als Technologe bezeichnet werden, der wohl der wahre Architekt von Liverpools jüngstem Erfolg ist. Der ausgebildete theoretische Physiker Graham ist der Forschungsdirektor des Clubs. Sein Team führt KI-Modelle und Algorithmen auf Daten durch, die über Liverpool und andere Teams gesammelt wurden. Grahams Modell war maßgeblich an der Ernennung von Jürgen Klopp zum Trainer beteiligt. Klopp hatte Borussia Dortmund in der Saison 2013/14 in der Bundesliga auf den zweiten Platz geführt, doch in der Saison 2014/15 belegte der Verein einen enttäuschenden siebten Platz. Die Datenanalyse legte nahe, dass die Borussia statistisch gesehen Zweiter hätte werden müssen, aber in einigen Schlüsselspielen einfach Pech hatte. Darüber hinaus schlugen die Modelle die Verpflichtung verschiedener Starspieler vor, darunter Philippe Coutinho und Mo Salah, und empfahlen, dass Salah und der bereits vorhandene Spieler Robert Firmino sich sehr gut ergänzen würden.

Ein weiteres Beispiel ist, wie der belgische und Manchester City-Starspieler Kevin De Bruyne Daten und Analysen als zentralen Bestandteil seiner Vertragsneuverhandlungen nutzte und keinen Agenten einschaltete. Berichten zufolge beauftragte De Bruyne Analytics FC, ein auf Sportanalysen spezialisiertes Unternehmen, mit der Analyse von Daten über die künftige Aufstellung der Mannschaft von Manchester City, darunter Datenpunkte wie das Altersprofil des Kaders, die Anzahl der Spielminuten dieser Spieler nach Alter und die Verträge der Schlüsselspieler. Die Daten berücksichtigten zudem vergangene, gegenwärtige und prognostizierte zukünftige Leistungen sowie deren relative Bedeutung für das Team auf der Grundlage des berechneten Beitragswertes. Bei offensiven Mittelfeldspielern wie Kevin De Bruyne hätte dies eine Analyse der tatsächlichen und erwarteten Tore, Assists und kreierten Chancen beinhaltet. Die datengestützten Vertragsverhandlungen führten zu einer vierjährigen Vertragsverlängerung, die Gerüchten zufolge zu diesem Zeitpunkt 83 Millionen GBP wert war.

Unterstützt durch das Moore'sche Gesetz und die Cloud

Fußball ist ein Spiel mit wenigen Treffern und zufälligen Ereignissen. Geringe Effizienzsteigerungen oder marginale Verbesserungen können erhebliche Vorteile mit sich bringen. Hinter all dem stehen zwei grundlegende Themen der Technologie. Zunächst das Mooresche Gesetz und dann die beschleunigte Umstellung auf Cloud Computing.

Das Mooresche Gesetz, das Dinge kleiner, billiger, schneller und besser macht, schafft effizientere Werkzeuge zum Messen und Digitalisieren. Es wurde 1965 vom Intel-Mitbegründer Gordon E. Moore geprägt und bezeichnet die Fähigkeit, die Anzahl der Transistoren, die auf einen Mikrochip passen, alle zwei Jahre ungefähr zu verdoppeln. Gemäß diesem Prinzip können wir erwarten, dass die Geschwindigkeit und die Fähigkeiten von Computern alle paar Jahre zunehmen und die Kosten sinken.

Damit verbunden ist die Verfügbarkeit von High Speed-Internetzugängen mit erschwinglichem und schnellen Cloud Computing (Berechnungen und Verarbeitung). Die Cloud-Infrastruktur hat günstige Rechenleistung demokratisiert und verbreitet und ermöglicht es Softwareunternehmen wie Bepro und Analytics FC, sich auf die Wertschöpfung in den Bereichen Analyse, Messung, Datenqualität und Algorithmen zu konzentrieren, ohne selbst teure Server und Speicher kaufen zu müssen. Die Kosten für grundlegende Cloud-Computing-Leistungen sind in den letzten 15 Jahren drastisch gesunken.

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Rivalität auf und neben dem Spielfeld

Ähnlich wie bei den großen Rivalitäten im Fußball, z. B. England gegen Deutschland, gibt es auch im Tech-Sektor einen harten Wettbewerb, bei dem drei dominierende Cloud-Anbieter gegeneinander antreten: Amazon Web Services (AWS), Microsoft Azure und Google Cloud Platform (GCP).

Amazon bietet über seine KI-Plattform SageMaker eine Cloud-Infrastruktur zur Datenspeicherung und -analyse sowie Modelle für maschinelles Lernen, unter anderem für American Football (NFL), Basketball und die Fußball-Bundesliga, an. Technologie hat die Interaktivität des Seherlebnisses in Echtzeit und die Generierung von maßgeschneiderten Inhalten gesteigert. Während eines Bundesligaspiels können die Zuschauer die erwartete Wahrscheinlichkeit eines Tores, die Schwierigkeit einer bestimmten Szene oder eines Schusses oder einer Chance, die ein Stürmer hatte, betrachten, wie sich ein Lieblingsspieler schlägt und wie sich die Mannschaften offensiv und defensiv positionieren.

Wenden wir uns indes England zu: Nationaltrainer Gareth Southgate war letztes Jahr Gastredner bei Googles jährlicher Cloud-Veranstaltung Cloud Next. Dank der Partnerschaft mit Google hat Southgate den Ansatz von Notizblock und Bleistift aufgegeben. Inzwischen werden Videoclips von Spielern innerhalb von 12 Stunden direkt auf das iPad des Trainers eingespeist, Taktiken, Trainingseinheiten sind nun alle in der Cloud gespeichert. Eine interessante Tatsache, die man aus den Daten herauslesen konnte, war beispielsweise, dass die Engländer ihre Elfmeter viel schneller als andere Teams ausführten und dies in ihrem Training berücksichtigten.

Die Art und Weise, wie Sport konsumiert wird, ändert sich

Cloud, Streaming, Augmented Reality, Virtual Reality und 5G verschmelzen, um eine „Gamification“ des Fußballerlebnisses zu ermöglichen. Der 360-Grad-Blickwinkel, das „virtuelle“ Sitzen auf den besten Plätzen des Stadions, die Verwendung eines geteilten Bildschirms für die Anzeige von Statistiken oder die gemeinsame Ansicht mit Freunden – all das trägt zum Spielerlebnis bei. Der Hauptvorteil von 5G gegenüber 4G ist die Latenzzeit, d. h. wie schnell das Netzwerk auf eine Anfrage reagiert. Theoretisch kann die Latenzzeit mit 5G auf eine Millisekunde sinken (bei 4G derzeit etwa 30 bis 50 Millisekunden). 5G ist zudem weitaus effizienter in der Datenübertragung, mit etwa der drei- bis fünffachen spektralen Effizienz von 4G, was deutlich günstigere Daten und Streaming ermöglicht. Außerdem kann eine 5G-Basisstation mit deutlich mehr Punkten oder Geräten verbunden werden, wodurch die Wahrscheinlichkeit eines Verlusts des (Daten-)Empfangs oder des Signals verringert wird.

Auch Technologie verändert die Sehgewohnheiten und bringt sie voran. Technologie verändert nicht nur den Fußball auf dem Spielfeld, sondern auch die Art und Weise, wie er konsumiert wird. Eine explosionsartige Zunahme der Zuschauerzahlen wurde durch Streaming ausgelöst. Der Anbieter von Wireless- und Videotechnologien Interdigital prognostizierte, dass im Jahr 2022 82 % des gesamten Internetverkehrs auf das Betrachten von Videos entfallen wird. Die Generation Z (Jugendliche, die von Geburt an von Technik begleitet wurden) bevorzugt kürzere Inhaltsformate und sieht sich eher Kevin De Bruyne in FIFA 21-Spielvideos an als ein 90-minütiges Spiel in der realen Welt. Twitch, die Live-Streaming-Plattform für Gamer, meldete einen Rekord von 6,3 Milliarden Stunden, die im ersten Quartal dieses Jahres gestreamt und angesehen wurden. Um jüngere Generationen zu erreichen, müssen die Sender ein viel intensiveres, interaktives Fernseherlebnis bieten, indem sie die Schlüsseltechnologien 5G, Augmented und Virtual Reality, die Cloud und Streaming nutzen.

Fazit

Der Einfluss von Technologie auf den Fußball nimmt zu, wobei das Ausmaß und die Geschwindigkeit dieses Wandels durch die langfristigen und nachhaltigen Treiber der Einführung von Technologien durch das Mooresche Gesetz und den sich beschleunigenden Wechsel in die Cloud unterstützt werden. Diese beiden grundlegenden Themen treiben KI voran, die wiederum auf Datenanalyse, Cloud-Infrastruktur und maschinelles Lernen angewiesen ist. Fußball ist ein weiteres Beispiel dafür, wie die disruptive Kraft der Technologie und die fortlaufende Innovation unser Leben durchdringt und verbessert und Lösungen bietet. Gleichzeitig trägt sie dazu bei, Aktiengewinne für ausgewählte Unternehmen zu erzielen, die sich voll und ganz der Technologie verschreiben.

 

Glossar der Fachbegriffe

Maschinelles Lernen: ein Teilbereich der künstlichen Intelligenz und der Informatik, der mit Hilfe von Daten und Algorithmen die Art und Weise imitiert, wie Menschen lernen, und dabei schrittweise seine Genauigkeit verbessert.

Spektrale Effizienz: die Datenmenge, die über ein bestimmtes Spektrum oder eine bestimmte Bandbreite mit minimalen Übertragungsfehlern übertragen wird.