Alison Porter, Graeme Clark und Richard Clode, Portfoliomanager des Janus Henderson Global Technology Teams, erläutern ihre Einschätzung zur Nachricht, dass Amazon, JP Morgan und Berkshire Hathaway eine Allianz schmieden, um die Gesundheitsausgaben für ihre Mitarbeiter zu senken.

Wie aufmerksam der Markt jede Äußerung der Führungsspitze von Amazon, JP Morgan und der US-amerikanischen Holdinggesellschaft Berkshire Hathaway verfolgt, wurde jüngst einmal mehr deutlich: Auf die Ankündigung einer Partnerschaft ohne eigenes Management oder Firmenzentrale, dafür jedoch mit einem Non-Profit-Fokus, reagierten die Börsenkurse der drei Branchenriesen und die Aktien vieler anderer Unternehmen aus dem Gesundheitssektor mit heftigen Kursausschlägen.Bis dato ist wenig mehr bekannt, als dass die Partner Technologielösungen für eine „einfache, qualitative und transparente Gesundheitsversorgung zu erschwinglichen Kosten“ anstreben.

Es ist die Historie und Reputation der drei Firmen – und hier insbesondere von Amazon –, die viele Anleger in helle Aufregung versetzt. Und zwar unabhängig davon, ob ihr Schwerpunkt auf Apotheken, Managed-Care-Systemen, dem Arzneimittelvertrieb bzw. der Arzneimittelberatung oder dem allgemeinen Pharmabereich liegt.

Die disruptive Kraft von Amazon*

Mit seinem E-Commerce-Angebot hat der Online-Versandhändler den Einzelhandel in seinen Grundfesten erschüttert. Amazon Prime überzeugt durch schnellere Warenlieferung, eine größere Produktpalette, neue Services für Verkäufer und bessere Produktinformationen für Käufer. Dabei ging Amazon Web Services (AWS) 2006 als internes Projekt an den Start, mit dem die firmeneigenen IT-Anforderungen effizienter gemanagt werden sollten.In kaum mehr als zehn Jahren entwickelte es sich zur weltgrößten Cloud-Computing-Plattform, bei der Daten und Programme nicht mehr auf lokaler Hardware vorgehalten, sondern über die Public Cloud bereitgestellt werden. Wie aus den Bilanzzahlen für das vierte Quartal 2017 hervorgeht, erwirtschaftete Amazon mit AWS im vergangenen Jahr einen Umsatz von 17,5 Mrd. USD. Das Geschäftsmodell: kostengünstige und ultraschnelle Speicher- und Rechenressourcen für Internet-Startups, aber auch für staatliche Stellen wie die Central Intelligence Agency (CIA) und das Federal Bureau of Investigation (FBI) in den USA, den britischen National Health Service (NHS) sowie zahlreiche Unternehmen aus den verschiedensten Branchen (Newscorp, GE, Capital One und viele mehr).

Neben seiner starken Präsenz bei Logistik, Einkauf und Cloud Computing erweitert Amazon seine Kompetenz auch auf dem Gebiet der künstlichen Intelligenz (KI). In Zeiten von Big Data könnte sich Letztere besonders im Gesundheits- und Wellness-Sektor als überaus lohnend erweisen. Die Beliebtheit von Apple Watch, Fitbit, DNA-Mapping, Gesundheitschecks, MapMyRun-App & Co. ist dafür der beste Beweis.

Steigende Gesundheitskosten verlangen nach einer Lösung

Der amerikanische Gesundheitssektor ist breit gefächert. Neben Versicherungen, Managed-Care-Anbietern, Arzneimittelberatern, Distributoren und Apotheken umfasst er auch Anbieter von Dienstleistungen und Produkten wie zum Beispiel Medikamenten- und Medizintechnikhersteller, Kliniken und Ärzte. Im Mai 2017 erklärte der CEO von Berkshire Hathaway, Warren Buffet, bei der Jahreshauptversammlung, dass die größte finanzielle Belastung der US-Unternehmen nicht durch Steuern, sondern durch Gesundheitskosten verursacht werde. Zum Vergleich: Während die Steuerlast bezogen auf das Bruttoinlandsprodukt seit den 1970er Jahren bis einschließlich 2015 von 2 Prozent auf 4 Prozent stieg, schnellte der prozentuale Anteil der Gesundheitskosten im gleichen Zeitraum von rund 6 Prozent auf über 17 Prozent hoch. Damit ist das Gesundheitswesen geradezu prädestiniert für einen disruptiven Wandel. Verbraucher und Arbeitgeber suchen dringend nach kostengünstigeren Optionen und wünschen sich mehr Auswahl, bessere Ergebnisse und eine transparentere Preisgestaltung. Mehr Effizienz bei Einkauf und Vertrieb könnte ihnen diesen Wunsch erfüllen.

Großes Potenzial

Der Schulterschluss von Amazon, JP Morgen und Berkshire Hathaway muss erst noch zeigen, was er wert ist. Es wird Jahre dauern, bis man aus den Daten der mehr als 1,1 Millionen Mitarbeiter der drei Konzerne Systeme entwickelt und Erkenntnisse gewonnen hat, von denen sich profitieren lässt. Nichtsdestotrotz ist dies ein weiteres Beispiel dafür, wie die Technologie immer stärker unser Leben bestimmt und die KI in immer mehr Branchen Einzug hält. Dass keiner der drei Akteure ursprünglich aus dem Gesundheitssektor stammt, gibt ihnen eine neue Perspektive und verleiht ihrer Allianz ein so hohes Disruptionspotenzial.

Auch wenn der Weg zweifellos steinig wird und es für Prognosen zum künftigen Marktpotenzial für das Trio noch zu früh ist, haben Amazon, JP Morgan und Berkshire Hathaway eines klar erkannt: Das Gesundheitssystem der USA birgt eine Fülle lukrativer Chancen.

*Als disruptiv gilt ein Unternehmen, das einen tiefgreifenden Wandel in seinem Geschäftsumfeld anstößt und damit andere Unternehmen zu größeren Transformationsanstrengungen zwingt.

Anmerkung: Die Aktienbeispiele dienen ausschließlich der besseren Veranschaulichung und geben keinen Hinweis auf die vergangene oder künftige Performance oder die Erfolgsaussichten einer speziellen Anlagestrategie. Janus Henderson Investors, seine angeschlossenen Berater oder Beschäftigten halten möglicherweise selbst Positionen in den hierin erwähnten Wertpapieren. Die Bezugnahme auf Sektoren und die dazu gehörigen Aktien stellt weder ein Angebot oder eine Aufforderung zu deren Ausgabe, Verkauf, Zeichnung oder Erwerb dar, noch ist sie Teil eines solchen Angebots oder einer solchen Aufforderung.