
Die Juni-Sitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) bietet eine gute Gelegenheit, um zu prüfen, wie solide das Fundament ist, auf dem die europäischen Anleihenmärkte stehen. Im Gegensatz zu Großbritannien, das sich im Kampf gegen die verbleibende Inflation und die hohen Löhne schwertat, und zu den USA, wo unklar ist, wie sich die Handelszölle auf die Inflation auswirken, agiert die EZB nun in einem günstigen Inflationsumfeld.
Der starke Euro und die zuletzt schwachen Energiepreise unterstützen diesen Ausblick. Entsprechend hat die EZB in ihrer heutigen Veröffentlichung die Gesamtinflation für 2025 und 2026 um jeweils 0,3% auf 2% bzw. 1,6% gesenkt, während die Erwartungen für die Kerninflation sowohl für 2026 als auch für 2027 unverändert bei 1,9% liegen. Nachdem die Zinsen bei der heutigen Sitzung nach einem Höchststand von 4% auf 2% gesenkt wurden, werden weitere Zinssenkungen von den künftigen Daten und der weiteren Entwicklung im Zollstreit abhängen. In ihren Szenarien stellt die EZB fest, dass jede weitere Eskalation der Handelsspannungen inflations- und wachstumsdämpfend sein wird.
Anleihen aus Europa boten dementsprechend zuletzt eine defensive Durationspositionierung gegenüber anderen Märkten. 10-jährige deutsche Bundesanleihen haben sich von ihrer kurzen, aber dramatischen Underperformance gegenüber 10-jährigen US-Treasuries erholt, gestützt auf die am 5. März 2025 angekündigte expansive Fiskalpolitik in Deutschland, aber auch durch die Tatsache, dass sie nicht wie die Anleihen anderer Märkte (Großbritannien, USA und Japan) durch technische Sorgen (in Bezug auf das Angebotsniveau) belastet wurden. So setzten deutsche Bundesanleihen ihre strukturelle Outperformance gegenüber britischen Gilts fort, die wir seit fünf Jahren beobachten.
Renditedifferenz zwischen 10-jährigen britischen und deutschen Staatsanleihen

Quelle: Bloomberg, Renditedifferenz zwischen britischen Gilts und deutschen Bundesanleihen mit einer Laufzeit von 10 Jahren. 1 Basispunkt (Bp.) entspricht 1/100 Prozentpunkten, 1 Bp. = 0,01 %. Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein Hinweis auf die zukünftigen Renditen.
Die Eurozone ist die einzige große entwickelte Volkswirtschaft, die im nächsten Jahr eine Kerninflation von höchstens 2% erreichen wird, während die Gesamtinflation bereits auf 1,9% im Jahresvergleich gesunken ist. Die in den letzten Tagen veröffentlichten Daten unterstreichen diesen Trend: Im Mai war die saisonbereinigte Kerninflation mit -0,12% gegenüber dem Vormonat sogar negativ – zum ersten Mal seit vier Jahren. Die Kerninflation für das 2. Quartal liegt nun annualisiert bei 2% und gegenüber dem Vorjahr bei 2,3%. Da die Angebotsschocks nachgelassen haben, die Energiepreise gesunken sind, die Nachfrage gedämpft ist und sich die Löhne normalisiert haben, wurden erhebliche Fortschritte erzielt.
Die Löhne spielen vor allem für die Inflationsaussichten in Europa, wo der Phillipskurven-Zusammenhang stärker ist als in anderen Regionen, eine entscheidende Rolle. Aktuelle Frühindikatoren wie der Indeed Wage Tracker sowie der Wage Tracker und die Telefonumfragen der EZB gehen unisono davon aus, dass der Lohnanstieg bis Jahresende unter 3% verharren wird. Dies steht im Einklang mit der Erwartung, dass die Kerninflation nicht über 2% steigen wird. Insbesondere aber hat sich das Tariflohnwachstum im ersten Quartal 2025 auf nur noch 2,4% verlangsamt – ein weiteres Zeichen für einen potenziellen Abwärtstrend bei der Inflation.
WICHTIGE INFORMATIONEN
Festverzinsliche Wertpapiere unterliegen dem Zins-, Inflations-, Kredit- und Ausfallrisiko. Der Anleihenmarkt ist volatil. Wenn die Zinsen steigen, fallen die Anleihepreise normalerweise und umgekehrt. Die Rückzahlung des Kapitals ist nicht garantiert und die Preise können fallen, wenn ein Emittent seine Zahlungen nicht pünktlich leistet und sich seine Bonität verschlechtert.
Es gibt keine Garantie dafür, dass sich vergangene Trends fortsetzen oder Prognosen eintreffen.
10-jährige Anleihe: Anleihe, die in 10 Jahren zur Rückzahlung fällig wird.
Disinflation: Rückgang in der Inflationsrate.
Duration: Ein Maß für die Sensitivität eines Anleihenkurses gegenüber Änderungen der Zinssätze. Je länger die Duration einer Anleihe ist, desto höher ist ihre Sensitivität gegenüber Zinsänderungen und umgekehrt. Anleihenkurse steigen, wenn ihre Renditen fallen und umgekehrt.
Frühindikator: Kennzahl, die zukünftige Entwicklungen oder Änderungen vorwegnimmt. Bitte beachten Sie, dass solche Indikatoren zwar einen gewissen Ausblick auf künftige Entwicklungen geben können, aber nicht immer genau sind und keine endgültigen Vorhersagen darstellen.
Inflation: Prozentsatz, um den Preise für Waren und Dienstleistungen in einer Volkswirtschaft steigen. Kerninflation sind Preisindizes, die volatile Posten, in der Regel Nahrungsmittel und Energie, ausschließen.
Phillips-Kurve: Die Philips-Kurve stellt die Inflation im Verhältnis zur Arbeitslosigkeit dar, um die inverse Beziehung zwischen Inflation und Arbeitslosigkeit zu zeigen. Eine höhere Inflation geht mit einer geringeren Arbeitslosigkeit einher und umgekehrt.
Rendite: Die Höhe der Erträge eines Wertpapiers über einen bestimmten Zeitraum, in der Regel ausgedrückt als Prozentsatz. Bei einer Anleihe wird dies im einfachsten Fall als Kuponzahlung dividiert durch den aktuellen Anleihepreis berechnet.
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Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein zuverlässiger Indikator für die künftige Wertentwicklung. Alle Performance-Angaben beinhalten Erträge und Kapitalgewinne bzw. -verluste, aber keine wiederkehrenden Gebühren oder sonstigen Ausgaben des Fonds.
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