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ESG und warum es uns wichtig ist

1. Jan 2020

Zentrale Erkenntnisse:

Das Corporate Credit Team von Janus Henderson Investors erläutert, welche Vorteile eine Einbindung von Umwelt-, Sozial- und Governance-Kriterien (ESG-Kriterien) in Anlageentscheidungen mit sich bringt.

  Zentrale Erkenntnisse

  • Das Konzept der ESG-Analyse hat sich im Laufe der Jahre weiterentwickelt und ist inzwischen wesentlicher Bestandteil des fundamentalen Credit Research.
  • Das Corporate Credit Team ist überzeugt, dass eine konsequente Anwendung der ESG-Analyse höhere risikobereinigte Renditen bescheren kann.
  • Solide Anlagekompetenz, wachsende Kundennachfrage und effiziente Kapitalallokation unterstreichen die Bedeutung und Relevanz der ESG-Analyse.

 

ESG steht für „Environmental, Social and Governance“, also „Umwelt, Soziales und Unternehmensführung“ und bezeichnet drei zentrale Kriterien für die Bewertung der Nachhaltigkeit einer Anlage. Abgeleitet wurde es von der „Triple Bottom Line“, auch bekannt unter dem Namen „People, Planet and Profits“ (PPP), ein in den 1990er Jahren eingeführtes Konzept. Demnach sollten sich Unternehmen auf jedes der drei „Ps“ konzentrieren und nicht nur auf den Profit, da sie für die Nachhaltigkeit eines kommerziellen Unternehmens alle gleichermaßen wichtig seien. Dieses Konzept rückte in den Fokus von ESG, das inzwischen Grundlage für nachhaltiges und verantwortungsbewusstes Investieren (Sustainable and Responsible Investing, SRI) ist.

Anhand von Umweltkriterien wird untersucht, wie ein Unternehmen zu ökologischen Problemen (z. B. Abfall, Umweltverschmutzung, Treibhausgasemissionen, Entwaldung und Klimawandel) beiträgt und diese bewältigt. Die sozialen Kriterien beleuchten, wie das Unternehmen mit Menschen umgeht (z. B. Humankapitalmanagement, Diversität und Chancengleichheit, Arbeitsbedingungen, Gesundheit und Sicherheit sowie unzulässige Verkäufe). Die Governance-Kriterien analysieren, wie ein Unternehmen geführt wird (z. B. Vergütung von Führungskräften, Steuerpraktiken und -strategie, Korruption und Bestechung sowie Diversität und Struktur des Vorstands).

Im Kern geht es bei ESG um die einfache Idee, dass Unternehmen mit größerer Wahrscheinlichkeit Erfolg haben und hohe Renditen erzielen1, wenn sie für alle Stakeholder, (Mitarbeiter, Kunden, Lieferanten und die Gesellschaft im weiteren Sinne einschließlich Umwelt), statt nur für die Eigentümer des Unternehmens Mehrwert generieren. Folglich konzentriert sich die ESG-Analyse darauf, wie Unternehmen der Gesellschaft dienen und wie sich dies auf ihre aktuellen und zukünftigen Ergebnisse auswirkt. Bei der ESG-Analyse geht es nicht nur darum, was das Unternehmen aktuell tut. Die Berücksichtigung künftiger Trends ist von entscheidender Bedeutung und sollte selbstverständlich disruptive Veränderungen einschließen, die erhebliche Auswirkungen auf die künftige Rentabilität oder den Fortbestand eines Unternehmens haben können.

Unser ESG-Analyse-Ansatz

Wir unterziehen Unternehmen aus E-, S- und G-Sicht einer eingehenden Prüfung, um zu sehen, wo sie im Vergleich zur Konkurrenz stehen. Unsere ESG-Philosophie beruht auf der Überzeugung, dass eine konsequente Anwendung der ESG-Analyse die risikobereinigten Renditen verbessern kann und dass der Dialog mit Unternehmen wesentlicher Bestandteil erfolgreicher Investments ist. Wie bei anderen Bonitätskennzahlen, dürften bessere ESG-Profile zu sinkenden Kapitalkosten führen. Wir sind der Meinung, dass bei Unternehmen, die sich um deutliche ESG-Verbesserungen bemühen, die Aussicht auf eine Outperformance höher ist, da die Kapitalkosten sinken und die Kreditspreads einlaufen. Umgekehrt werden bei einem Unternehmen mit erheblichen ESG-Risiken, das diese nicht aktiv mindert und sein ESG-Profil verbessert, die Anleihepreise sehr wahrscheinlich leiden. Die Identifizierung und Bewertung von ESG-Risiken und -Chancen hat den Vorteil, dass gleichzeitig ökologische und soziale Vorteile unterstützt werden.

ESG lässt sich auf unterschiedlichste Weise in Anlageentscheidungen einbeziehen. Die gängigsten Ansätze sind ethische/wertbasierte Investments, Integrated ESG und Sustainable/Impact Investing. Manager ethischer Investments wenden einen Negativ-Screen-Ansatz an, um „ethische oder moralische Renditen“ zu erzielen. Dabei werden umstrittene, fragwürdige Sektoren ausgeschlossen. Das Negativ-Screening ist zwar sehr einfach durchzuführen und wurde in der Vergangenheit von den ersten Anhängern der Nachhaltigkeitsgrundsätze genutzt. Inzwischen versuchen darüber hinaus immer mehr Unternehmen, ESG-Kriterien anzuwenden, um Chancen zu nutzen und Sektoren und Unternehmen auf der Grundlage ihrer guten ESG-Performance auszuwählen. Das führt zu einer ganzheitlicheren ESG-Integration, mit der sich die risikobereinigten Renditen besser maximieren lassen. Impact Manager gehen bei der Anwendung von ESG-Kriterien noch einen Schritt weiter und versuchen, einen Positiveffekt zu erzielen, indem sie in Unternehmen und Staaten anlegen, die neben positiven Renditen einen messbar positiven Nettoeffekt für Gesellschaft und Umwelt erzeugen. Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten, um ESG-Kriterien anzuwenden. Daher sollten Kunden unbedingt verstehen, wie ein Anlageverwalter ESG-Faktoren in seinem Anlageprozess anwendet, um das Anlageziel zu erreichen.

Warum finden wir dies wichtig?

Weil es für Anleger sinnvoll ist

Wir sind fest überzeugt, dass ESG-Kriterien die risikobereinigten Renditen verbessern, da sie das Anlagerisiko verringern und Wertzuwachs bescheren. Ein gut geführtes und verantwortungsvolles Unternehmen, das sich um seine Mitarbeiter, Kunden und die Umwelt kümmert, ist unseres Erachtens wahrscheinlich robuster und wird seine Mitbewerber eher überholen, als ein Unternehmen, das dies nicht tut. Die ESG-Analyse kann wertvolle Erkenntnisse über Faktoren liefern, die erheblichen Einfluss auf die Finanzkennzahlen eines Unternehmens haben können und daher zu besser informierten Anlageentscheidungen führen.

ESG-Analysen können komplex sein. Bei der Berücksichtigung von ESG-Kriterien geht es nicht nur um die Bewertung der Produkte und Dienstleistungen, die ein Unternehmen anbietet, sondern auch um sein Verhalten, seine Lieferkette und andere Aspekte der Unternehmensführung. Bei der ESG-Analyse muss auch die Zukunft berücksichtigt werden, wobei nicht nur die aktuellen ESG-Berichte eines Unternehmens, sondern auch seine Strategie, seine Auswirkung insgesamt und die nachweisliche Einhaltung seiner eigenen Versprechen und Standards zu beachten sind. Daher halten wir es nicht für ratsam, Anlageentscheidungen ausschließlich auf der Grundlage rückwärts gerichteter historischer Daten zu treffen. Vielmehr halten wir bei der Betrachtung von ESG-Risiken und -Chancen einen stärker zukunftsgerichteten, dynamischen Ansatz für erforderlich.

Aus diesem Grund sind unsere internen ESG-Analysen und ESG-Ratings in unser Credit Research integriert. Ausschlussbasierte Strategien verfolgen einen negativen Anlageansatz. Unser ganzheitlicher ESG-Ansatz ist dagegen positiver ausgerichtet und hält auch nach Chancen bei Unternehmen Ausschau, die sich aktiv verändern und ihr ESG-Profil verbessern. Die Kombination aus besserer Bonität und besserem ESG-Profil kann dazu beitragen, positive Ergebnisse für Umwelt und Gesellschaft zu erzielen.

Weil es unseren Kunden wichtig ist

In unserer jüngsten Stimmungsumfrage gaben 78% der Kunden auf die Frage nach der Bedeutung der Einbindung von ESG-Kriterien bei Anlageentscheidungen an, dass diese genauso wichtig oder wichtiger sei als noch vor fünf Jahren.2 Darüber hinaus wird bis 2025 die sogenannte „wertorientierte Generation“ der Millenials drei Viertel der Arbeitskräfte weltweit ausmachen.3 Eine Studie von Morgan Stanley hat ergeben, dass Millenials doppelt so häufig wie die allgemeine Bevölkerung in Unternehmen mit sozialen oder Umweltzielen investieren.4 Und allein in Nordamerika wird sich diese Generation mit der Generation X in den kommenden Jahren ein Vermögen von rund 30 Bio. Dollar von ihren Vorfahren, den Babyboomern, teilen.5

Daher wird der Druck der Anleger und Aufsichtsbehörden, verantwortungsbewusst zu investieren und nachhaltiger zu denken, deutlich zunehmen.

Denn wir sind überzeugt, dass wir nur langfristig gute Anlageentscheidungen treffen können, wenn wir uns den Herausforderungen in Sachen Nachhaltigkeit stellen und Vermögen strategisch investieren

Die Welt steht vor großen Herausforderungen in Sachen Nachhaltigkeit, wie etwa Klimawandel, Bevölkerungsalterung und Ungleichheit. Diese erfordern radikale Lösungen, die gewaltige, aber kaum absehbare Veränderungen des globalen Finanzsystems mit sich bringen werden. Wenn wir uns diesen Herausforderungen stellen, erkennen, dass unsere Allokationsentscheidungen reale Auswirkungen auf die Welt haben, und mutig in die Zukunft blicken, können Anleger hoffen, gute langfristige Anlageentscheidungen zu treffen.

 

1Verschiedene Studien belegen, dass die Einbeziehung von ESG-Kriterien die Renditen positiv beeinflussen kann. Zum Beispiel: „Sustainable Investing and Bond Returns: Research study into the impact of ESG on credit portfolio performance”, Barclays 2016.

2Janus Henderson Customer Panel, Oktober 2019.

3Big demands and high expectations, The Deloitte Millennial Survey, 2014.

4Sustainable Signals. New Data from the Individual Investor, Morgan Stanley Institute for Sustainable Investing, 2019.

5”The Greater Wealth Transfer”, Accenture, 2012.

Die vorstehenden Einschätzungen sind die des Autors zum Zeitpunkt der Veröffentlichung und können von denen anderer Personen/Teams bei Janus Henderson Investors abweichen. Die Bezugnahme auf einzelne Wertpapiere, Fonds, Sektoren oder Indizes in diesem Artikel stellt weder ein Angebot oder eine Aufforderung zu deren Erwerb oder Verkauf dar, noch ist sie Teil eines solchen Angebots oder einer solchen Aufforderung.

 

Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein zuverlässiger Indikator für die künftige Wertentwicklung. Alle Performance-Angaben beinhalten Erträge und Kapitalgewinne bzw. -verluste, aber keine wiederkehrenden Gebühren oder sonstigen Ausgaben des Fonds.

 

Der Wert einer Anlage und die Einkünfte aus ihr können steigen oder fallen. Es kann daher sein, dass Sie nicht die gesamte investierte Summe zurückerhalten.

 

Die Informationen in diesem Artikel stellen keine Anlageberatung dar.

 

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