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Europäische Aktienmärkte bewegen sich in einem unsichereren Umfeld. Unter der Oberfläche sehen wir jedoch starke strukturelle Trends, die neue Chancen für Anleger schaffen, die bereit sind, über die Schlagzeilen hinauszublicken.
Mitte Mai bleibt die Nachrichtenlage rund um den Konflikt im Nahen Osten sehr volatil, weshalb sich die Auswirkungen auf die Märkte kaum verlässlich einschätzen lassen. Die Dauer des Konflikts wird darüber entscheiden, ob sich die grundsätzlich positiven Konjunktursignale, die zu Jahresbeginn auf beiden Seiten des Atlantiks beobachtet wurden, wieder durchsetzen können – oder ob sich ein Narrativ von dauerhaft höheren Ölpreisen, einer Rückkehr der Inflation und von Lieferkettenstörungen durchsetzt.
Gleichzeitig bleiben die Zentralbanken in der Region vorsichtig. So hält die Europäische Zentralbank (EZB) an einer restriktiven Geldpolitik fest, belässt die Zinsen unverändert und hält sich zugleich die Möglichkeit weiterer Straffungen offen.
Die konstruktivere Sichtweise
Auch wenn das makroökonomische Bild kurzfristig schwierig erscheinen mag, sind wir der Ansicht, dass es eine konstruktivere Entwicklung für Europäische Aktien verdeckt. Wir erleben die bedeutendsten Reformpläne seit Jahren, die auf Elektrifizierung und die Modernisierung der Stromnetze, eine stärker koordinierte Industriepolitik sowie Bemühungen zur Mobilisierung des enormen, bislang ungenutzten Investitionspotenzials der Ersparnisse privater Haushalte in der EU ausgerichtet sind. Faktoren wie die Reform des Verbriefungsmarkts, eine härtere Haltung gegenüber Importen, Fortschritte beim Abbau von Compliance-Belastungen und eine offenere Haltung gegenüber der Technologieentwicklung sowie bürokratieintensiven Bereichen wie den CO2-Emissionen eröffnen neue Investitionsmöglichkeiten.
Auch wenn das kurzfristige makroökonomische Umfeld unangenehm erscheinen mag, halten wir es für wichtig, über eine mögliche zyklische Schwäche hinwegzublicken und sich stattdessen auf eine Reihe starker struktureller Treiber zu konzentrieren, die das Chancenspektrum für europäische Aktien verändern:
1. Strategischer Wettbewerb um kritische Ressourcen: Von Seltenen Erden bis hin zu Energie ist das globale Angebot nach Jahren unzureichender Investitionen knapp. Die jüngsten Ereignisse haben Anleger dazu veranlasst, sich intensiver mit dem strategischen Wert von Energie auseinanderzusetzen – nicht nur mit Öl und Gas, sondern auch damit, woher Energie stammt und wie sicher diese Versorgung ist.
Unternehmen mit Bezug zu Rohstoffen sowie zu der Ausrüstung, die für deren Förderung oder Verarbeitung benötigt wird, treten in eine Phase ein, die sich zu einem längeren Aufschwung entwickeln könnte. Die Aussichten auf einen starken Nachholzyklus bei den Investitionen haben Auswirkungen auf die gesamte Lieferkette – mit erheblichem Potenzial, dass Preissetzungsmacht dort wieder zunimmt, wo Kapazitäten knapp sind. Dies gilt sowohl für Energie- und Bergbauunternehmen als auch für vor- und nachgelagerte Bereiche, die gut positioniert sind, um von Investitionen zu profitieren.
2. Bereiche mit zunehmender politischer Unterstützung: Erneuerbare Energien haben klare Priorität, da die Region ihre Abhängigkeit von importierten fossilen Brennstoffen verringern möchte. Ein zweiter Energieschock innerhalb weniger Jahre hat eine politische Realität verstärkt: Europa ist stark von importierten fossilen Brennstoffen abhängig, sodass die Energiesicherheit inzwischen eng mit der wirtschaftlichen Sicherheit verknüpft ist. Das Ziel besteht deshalb nicht nur in der Dekarbonisierung, sondern auch in einer geringeren Abhängigkeit von importierter Energie sowie in einer stabileren Kostenbasis für private Haushalte und Industrie.
Die politische Unterstützung weitet sich zudem auf ausgewählte Branchen aus, die zentrale Bausteine der Wirtschaft bilden, etwa die Produktion von Industriematerialien wie Stahl und Chemikalien sowie die verarbeitende Industrie. In einer Welt mit einer entschlosseneren Handelspolitik und angespannteren Lieferketten wird die Vorstellung, strategische Kapazitäten ins Ausland abwandern zu lassen, zunehmend infrage gestellt. Konkret erwarten wir, dass Rüstungsaktien von einem erneuten und langfristigen Fokus auf die Sicherheitsbedürfnisse der Region profitieren und die Abhängigkeit von externen Anbietern sinkt.
Der Bankensektor profitierte zunächst von einem erneuten politischen Fokus im Anschluss an den Draghi-Bericht Ende 2024. Dieser Bericht hat eine Reihe von Initiativen der Europäischen Kommission zur Stärkung der Kapitalmärkte und der finanziellen Integration angestoßen. Zuletzt hat die Dynamik jedoch nachgelassen, da viele Vorschläge den komplexen Prozessen der EU-Politik unterliegen und die Abstimmung zwischen Institutionen, Regulierungsbehörden und Interessengruppen langwierig sein kann. Dennoch halten wir die grundsätzliche Richtung weiterhin für ermutigend.
Gleichzeitig ist die Verteidigung angesichts der sich wandelnden Sicherheitsprioritäten in der Region ein Bereich, in dem strukturelle Unterstützung erforderlich bleibt. Zwar werden die zugesagten Ausgaben vermutlich umgesetzt, doch wird weiterhin über die Investitionsrichtung debattiert, insbesondere über das Verhältnis zwischen traditionellen Systemen und neueren asymmetrischen Fähigkeiten wie Drohnen und Langstreckentechnologien.
3. Das Streben nach Innovation: Europas strukturelle wirtschaftliche Herausforderungen wurden häufig als Innovationsschwäche beschrieben. Die Investitionen in Forschung waren verhalten, zudem floss ein zu großer Teil der Ausgaben in „Mid-Tech“-Branchen, die zwar einst Wachstumstreiber waren, inzwischen jedoch eher Cash-Cow-Charakter haben.
Doch die Aussage, Europa fehle es an Innovation, greift ebenfalls zu kurz. Die Chancen liegen zunehmend in Bereichen, in denen Europa global führend ist. Ein Beispiel sind Unternehmen, die die Technologien ermöglichen, auf denen moderne Volkswirtschaften beruhen. Dazu zählen das Hochleistungsrechnen, die industrielle Automatisierung, die Elektrifizierung sowie die erforderliche Infrastruktur zur effizienten Übertragung von Strom und Daten.
KI: Das unvermeidliche Thema, das die Aufmerksamkeit der Märkte verändert
KI-Tools reduzieren den Bedarf an umfangreichen Vertriebs-, allgemeinen und Verwaltungsfunktionen rasant. Dadurch werden Anleger dazu veranlasst, stärker auf schlankere Betreiber zu setzen. Unternehmen, die schneller Ergebnisse liefern können, sind im Vorteil – mit weniger Hierarchieebenen und geringeren Gemeinkosten. Die seit der zweiten Jahreshälfte 2025 zunehmende Wertentwicklungslücke deutet darauf hin, dass die Märkte bereits neu bewerten, welche Unternehmen Premiumbewertungen verdienen. Belohnt werden diejenigen, denen es gelingt, KI in Arbeitsabläufe, Produktivität und operative Hebel zu integrieren.
Abbildung 1: Märkte belohnen Effizienz im Zeitalter der KI

Quelle: Societe Generale, Janus Henderson Investors, Stand: 20. April 2026. Hinweis: SG&A = Vertrieb, allgemeine Verwaltung und Administration. Zum 31. Dezember 2024 auf 100 umbasiert. Das analysierte Aktienuniversum liegt innerhalb des S&P 500 Index. Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein Hinweis auf die zukünftigen Renditen..
KI verändert nicht nur die Wahrnehmung von Unternehmen durch Anleger. Die Skalierungsanforderungen von KI erfordern auch enorme Mengen an physischer Infrastruktur, Materialien und Investitionen: von Rechenkapazität und Netzwerken über Stromerzeugung und Netzinvestitionen bis hin zu spezialisierten Bau- und Ausrüstungsleistungen. In diesen Bereichen ist der europäische Markt stark engagiert.
Warum Europa weiterhin eine überzeugende Mischung bieten kann
Das Argument für europäische Aktien verbindet ein Engagement in globalen strukturellen Kräften mit Faktoren, die mit einer Verbesserung im Inland zusammenhängen, während Reformen und Investitionsdynamik anhalten. Global positionierte Unternehmen, die durch strukturelle Nachfrage Wachstum erzielen können – selbst wenn das europäische Wachstum wenig inspirierend ausfällt –, könnten zusammen mit dem Potenzial einer binnenwirtschaftlichen Erholung und schrittweisen Fortschritten die Wirkung verstärken.
Abbildung 2: Europäische Aktien ≠ europäisches BIP

Quelle: (LHS) Konsensprognosen von Bloomberg, Analysen von Janus Henderson Investors, Stand: 31. März 2026 (Europäische Aktien auf Mehrjahrzehnt-Tiefs bei den Bewertungen). Bitte beachten Sie, dass es keine Garantie dafür gibt, dass sich vergangene Trends fortsetzen oder Prognosen eintreffen. Quelle: (RHS) Bloomberg, Eurostat, Analyse von Janus Henderson Investors, Stand: 31. März 2026 (Europäische Aktienrenditen übertreffen das Wirtschaftswachstum). Hinweis: MSCI Europe EUR Net Total Return Index und Bruttoinlandsprodukt (BIP) der Europäischen Union, auf 100 zum 01.01.2010 umgerechnet. Ab 2026 ist das Bruttoinlandsprodukt der Europäischen Union eine Schätzung auf Grundlage der Projektionen der EZB. Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein Hinweis auf die zukünftigen Renditen..
All dies beseitigt die Risiken nicht. Energiegetriebene Inflation, länger hohe Zinsen oder eine Eskalation der geopolitischen Spannungen sind allesamt potenzielle Unsicherheitsquellen. Aber das Argument für Europa besteht eher darin zu erkennen, wo struktureller Wandel stattfindet, wo Investitionszyklen bei den Kapitalausgaben an Dynamik gewinnen und wo sich die Politik so verändert, dass sie Innovation unterstützt. Das Chancenuniversum in Europa könnte widerstandsfähiger und vielfältiger sein, als die Schlagzeilen vermuten lassen.
Asset-Backed Securities (ABS): Ein Wertpapier, das durch bestehende Vermögenswerte (wie Kredite, Kreditkartenschulden oder Leasingverträge) unterlegt (oder besichert) ist; in der Regel solche, die im Laufe der Zeit Einkommen oder Cashflow generieren.
Zentralbank: Eine Institution, die für die Steuerung der Währung, Geldmenge und Zinssätze eines Landes oder einer Region verantwortlich ist, in der Regel mit dem Ziel, Preisstabilität zu gewährleisten und das Wirtschaftswachstum zu unterstützen.
Rohstoffe: Rohmaterialien oder landwirtschaftliche Primärprodukte, die gekauft und verkauft werden können, wie Öl, Gas, Metalle oder Nahrungsmittel. Rohstoffe werden oft als Einsatzstoffe bei der Herstellung anderer Waren und Dienstleistungen verwendet.
Aktien: Anteile, die das Eigentum an einem Unternehmen repräsentieren. Aktienanleger partizipieren an den Gewinnen und Verlusten eines Unternehmens und können Dividenden sowie Kapitalwachstum erhalten, wenn der Aktienkurs steigt.
Inflation: Rate, mit der das allgemeine Preisniveau für Waren und Dienstleistungen im Laufe der Zeit steigt, wodurch die Kaufkraft des Geldes sinkt.
Zinssätze: Die Kosten für das Leihen von Geld oder die Rendite auf Ersparnisse, in der Regel als Prozentsatz ausgedrückt. Zinssätze sind ein zentrales Instrument, das von Zentralbanken eingesetzt wird, um die Wirtschaftstätigkeit und die Inflation zu beeinflussen.
Forward-KGV: Eine beliebte Kennzahl zur Bewertung der Aktien eines Unternehmens im Vergleich zu anderen Aktien oder einem Benchmarkindex. Er wird berechnet, indem der aktuelle Aktienkurs durch den künftigen Gewinn pro Aktie (in der Regel für die folgenden 12 Monate) geteilt wird.
Der MSCI All Country World Index (ACWI) ist ein globaler Aktienindex, der die Wertentwicklung sowohl von Industrie- als auch von Schwellenländern misst. Der MSCI Europe EUR Net Total Return Index erfasst Large- und Mid-Cap-Unternehmen aus europäischen Industrieländern. Der European Union Gross Domestic Product Index ist eine nicht handelbare Zeitreihe, die das Niveau oder das Wachstum der Wirtschaftsleistung der Europäischen Union abbildet.
Bewertung: Ein Maß dafür, wie viel ein Unternehmen, ein Vermögenswert oder ein Markt wert ist, das häufig anhand von Kennzahlen wie Kurs-Gewinn-Verhältnissen, Cashflow oder Vermögenswerten beurteilt wird. Bewertungen helfen Anlegern zu beurteilen, ob eine Anlage teuer oder günstig erscheint.
Die vorstehenden Einschätzungen sind die des Autors zum Zeitpunkt der Veröffentlichung und können von den Ansichten anderer Personen/Teams bei Janus Henderson Investors abweichen. Die Bezugnahme auf einzelne Wertpapiere stellt keine Empfehlung zum Kauf, Verkauf oder Halten eines Wertpapiers, einer Anlagestrategie oder eines Marktsektors dar und sollten nicht als gewinnbringend angesehen werden. Janus Henderson Investors, die mit ihr verbundenen Berater oder ihre Mitarbeiter haben möglicherweise eine Position in den genannten Wertpapieren.
Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein zuverlässiger Indikator für die künftige Wertentwicklung. Alle Performance-Angaben beinhalten Erträge und Kapitalgewinne bzw. -verluste, aber keine wiederkehrenden Gebühren oder sonstigen Ausgaben des Fonds.
Der Wert einer Anlage und die Einkünfte aus ihr können steigen oder fallen. Es kann daher sein, dass Sie nicht die gesamte investierte Summe zurückerhalten.
Die Informationen in diesem Artikel stellen keine Anlageberatung dar.
Es gibt keine Garantie dafür, dass sich vergangene Trends fortsetzen oder Prognosen eintreten.
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WICHTIGE INFORMATIONEN
Bitte lesen Sie die folgenden wichtigen Informationen zu den Fonds im Zusammenhang mit diesem Artikel.
- Aktien/Anteile können schnell an Wert verlieren und beinhalten in der Regel höhere Risiken als Anleihen oder Geldmarktinstrumente. Daher kann der Wert Ihrer Investition steigen oder fallen.
- Aktien kleiner und mittelgroßer Unternehmen können volatiler sein als Aktien größerer Unternehmen und bisweilen kann es schwierig sein, Aktien zu bewerten oder zu gewünschten Zeitpunkten und Preisen zu verkaufen, was das Verlustrisiko erhöht.
- Wenn ein Fonds ein hohes Engagement in einem bestimmten Land oder in einer bestimmten Region hat, trägt er ein höheres Risiko als ein Fonds, der breiter diversifiziert ist.
- Der Fonds kann Derivate einsetzen, um das Risiko zu reduzieren oder das Portfolio effizienter zu verwalten. Dies bringt jedoch andere Risiken mit sich, insbesondere das Risiko, dass ein Kontrahent von Derivaten seinen vertraglichen Verpflichtungen möglicherweise nicht nachkommt.
- Wenn der Fonds Vermögenswerte in anderen Währungen als der Basiswährung des Fonds hält oder Sie in eine Anteilsklasse investieren, die auf eine andere Währung als die Fondswährung lautet (außer es handelt sich um eine abgesicherte Klasse), kann der Wert Ihrer Anlage durch Wechselkursänderungen beeinflusst werden.
- Wenn der Fonds oder eine währungsabgesicherte Anteilsklasse versucht, die Wechselkursschwankungen einer Währung gegenüber der Basiswährung des Fonds abzumildern, kann die Absicherungsstrategie selbst aufgrund von Unterschieden der kurzfristigen Zinssätze zwischen den Währungen einen positiven oder negativen Einfluss auf den Wert des Fonds haben.
- Wertpapiere innerhalb des Fonds können möglicherweise schwer zu bewerten oder zu einem gewünschten Zeitpunkt und Preis zu verkaufen sein, insbesondere unter extremen Marktbedingungen, wenn die Preise von Vermögenswerten möglicherweise sinken, was das Risiko von Anlageverlusten erhöht.
- Der Fonds könnte Geld verlieren, wenn eine Gegenpartei, mit der er Handel treibt, ihren Zahlungsverpflichtungen gegenüber dem Fonds nicht nachkommen kann oder will, oder als Folge eines Unvermögens oder einer Verzögerung in den betrieblichen Abläufen oder des Unvermögens eines Dritten.
Besondere Risiken
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